• 15.12.2009

Rote Karte für Jens Lehmann

Veto vom Vorsteher

Stuttgarts Torwart Jens Lehmann wird weder suspendiert noch entlassen. Der VfB-Trainer Christian Gross springt dem ungezogenen Torwart bei.von Oliver Trust

  • 17.12.2009 17:25 Uhr

    von Moped City:

    Oh, danke für die Blumen, Querdenker! Aber, und das muss ich zur Ehrenrettung der Sportjournalisten sagen: Sie sind viel besser als ihr Ruf. Okay, Ich bekenne, ich war mal Sportredakteur. Jetzt bin ich es nicht mehr - und darüber bin ich sehr froh. Denn das Problem des Berufes ist doch eins: Jeder denkt, er macht es besser. Und vor allem, und das sieht die Öffentlichkeit nicht, hat sich in den Medienhäusern in den vergangenen Jahren bei der Sportberichterstattung viel gewandelt. Früher hat man die Sportredakteure werkeln lassen und sich über sie lustig gemacht, weil die Aufgabe und die Materie Sport angeblich so banal ist. Heute ist es schick, Sportfan zu sein, seine Nase, auch z.B. als Chefredakteur oder als Verleger, im Vip-Bereich der Vereine blicken zu lassen, dort das unsägliche Gequassel der Leute aufzuschnappen.

    Und mit diesem gefährlichen Halbwissen trotten dann die Chefs in die Redaktionskonferenzen, haben von Tuten und Blasen keine Ahnung und wollen den Sportredakteuren erzählen, dass man mehr "auf die Emotionen eingehen muss" oder, "dass man da auch mal mehr polarisieren sollte" oder ähnlicher Quatsch. Parallel dazu werden die Planstellen gestrichen weil "sie als Sportredakteur haben doch sowieso einen der schönsten Berufe, den man sich vorstellen kann". So wird systematisch sportjournalistische Qualität getötet.

    Ich war Sportredakteur bei einer Tageszeitung in BaWü, mit einer sehr guten Sportredaktion. Dann kam der windelweiche Geschäftsführer daher und hat einen Chefredakteur eingestellt, dessen QUalifikation bei seinem Vorgängerblatt in Westfalen war, dem dort komplett durchgeknallten Verleger als rechte Hand in den Hintern zu rutschen. Dieser Journalismus-Verweigerer ist bekennender Schalke 04-Fan und hat noch nie eine Zeile über ein Fußball-Spiel geschrieben. Denkt aber, dass er es besser weiß und macht jetzt dort die hochklassige Sportberichterstattung kaputt - zum Leidwesen der Sportredakteure. Anderes Beispiel: Der Fußball-Zweitligist Koblenz gehört zu 49 Prozent dem Verlag der regionalen Monopolzeitung. Der starke Mann im Verein ist der Verleger der Monopolzeitung, Walterpeter Twer. So, und nun sagt mir mal bitte, wie bei solchen Verflechtungen der agierende Sportredakteur noch eine saubere und vor allem unabhängige Berichterstattung über den Verein herstellen kann. Wenn der nicht schreibt, was sein Chef, der gleichzeitig auch Chef des Vereins ist, will, dann fliegt er. So ist es dort auch.

    Ich arbeite jetzt als Politikredakteur in einem öffentlich-rechtlichen Laden und kann nur Eines sagen: es ist tausendmal einfacher und tausendmal stressfreier als das Agieren als Sportredakteur. Und man hat auch das Wochenende frei. Also, liebe Taz-Leser. Habt ein Herz für die professionellen Sportjournalisten. Auf ihnen wird ohnehin herumgetrampelt!

  • 16.12.2009 17:28 Uhr

    von Querdenker:

    @Moped City: Vollste Zustimmung. Danke für dieses Posting! Die Autoren der meisten Kommentare hier verfügen über 1000mal mehr Sachverstand als z.B. die Sport-Redakteure der "Welt". :o)

  • 16.12.2009 13:23 Uhr

    von Moped City:

    Hochleistung, nicht nur im Sport, hat viel mit Konzentration, Fokussierung und der Lenkung von Energie zu tun. Wenn das auf solch einem mentalen Niveau bei derartiger öffentlicher Wahrnehmung passiert wie bei einem Bundesligatorhüter, dann wundert es mich, dass sich bisher nur einer umgebracht hat. Spieler wie Lehmann oder früher Kahn waren oder sind deshalb so erfolgreiche Torhüter, weil sie sich mental fokussiert haben und hatten. Das führt zwangsläufig zu psychischen Überdrucksituationen. Also: Ich plädiere da auf einen moralischen Freispruch.

    Zudem: Wenn Bance einem auf den Fuß tritt (und seine Aktion war die Erste), dann ist das nichts. Wenn Lehmann das tut, gibt es Rot und Elfmeter? Diese berechtigte Frage haben die Medien nicht aufgegriffen. War der Schiri durch die in den Medien permanent durchgezogene Lehmann-Mania nicht mehr unabhängig in seinem Urteil?

    Da sollte man mal auch beim DfB drüber nachdenken

  • 16.12.2009 09:08 Uhr

    von Querdenker:

    Find ihn auch gut. Leider besteht die Liga zu 90% aus linientreuen Ja-Sagern.

  • 16.12.2009 02:16 Uhr

    von christoph:

    mir ist es immer wieder ein rätsel, warum sportler mit rückrat so hämisch niedergeschrieben werden müssen. es wäre eher angebracht, partei zu ergreifen und gegen den sportkommentatoren-mainstream "anzustinken". jens lehmann ist erwachsen und lässt sich von pubertierenden jünglingen eben nichts gefallen.

  • 15.12.2009 10:29 Uhr

    von Markus Krieger:

    Salihovics Schuh lag in seinem Straufraum und nicht irgendwo "im Mittelfeld", und um in der Sache mit dem Balljungen ein Anlegen seitens Lehmann zu erkennen braucht es ebenfalls ein bemerkenswertes Maß an Fantasie

  • 14.12.2009 20:23 Uhr

    von Riesnfan:

    Weltklasse der Mann! Man muss eben nicht jeden Mist mitmachen. Wären nur noch mehr solche Typen in der Liga.
    Bancé hätte nebenher bemerkt 2x verdient vom Platz zu fliegen...

  • 14.12.2009 19:06 Uhr

    von saalbert:

    In Oliver we Trust? Da empfehle ich doch diesen Satz noch einmal zur gründliche(re)n Lektüre:

    "Zum Zeitpunkt der Verlautbarung hatte sich Lehmann bei seinen Kollegen für seinen Ausraster entschuldigt, die in Mainz auch zu einem Elfmeter führten, der die Stuttgarter und Trainer Christian Gross den ersten Sieg in der Liga gekostet hatten."

    seinen - die, der - hatten

  • 14.12.2009 18:12 Uhr

    von andreas kettler:

    Der Lehmann is und bleibt der coolste ;-)

  • 14.12.2009 17:48 Uhr

    von Tom:

    Gut, Gewalt gegen Mitspieler ist natürlich Tabu und muss geahndet werden.

    Aber warum bitte darf ein Spieler den Vorstand oder den Trainer nicht kritisieren? Diese Logik erschließt sich mir nicht.

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