Rektorentagung in Leipzig
"Die Studis sind furchtbar ungeduldig"
Die Bachelorproteste seien zu allgemein, die Kritik am Demokratiedefizit "barer Unfug", so Hochschul-Chefin Margret Wintermantel. Warum die StudentInnen ihr dafür dankbar sein können.von Martin Kaul
Leserkommentare
05.12.2009 17:08 Uhr
von berti müller:
und nebenbei wahlkampft es schon an der FU...
http://wikinews030.wordpress.com/2009/12/02/abgerundete-tischecken-unter-studenten-der-fu-rumort-es/#comment-232
04.12.2009 18:23 Uhr
von Maria83:
Das Probelm ist doch das hier wieder an Bildung gespart wird. Der Bachelor soll 6 Semester dauern, damit die Studenten schneller fertig sind und man somit weniger Geld für Bildung ausgeben muss. Den Master gibt es dann nur noch für die Besten(konsekutive Studiengänge) oder für Leute mit Geld(non konsekutive Studiengänge) sog. Elitenförderung ala USA.
Da werden dann die meisten Studenten nach 3 Jahren mit einem Schmalspurabschluss auf den Arbeitsmarkt geschickt. In vielen Fächer ist ein Bachelor jedoch nicht berufsqualifizierend(Lehramt, Medizin, Jura, Architketur, Physik, Chemie etc.).
Wer möchte schon von einem Bachelor behandelt, beraten oder gar ein Haus von selbigem entworfen haben... natürlich niemand...
Sicherlich wäre es ein Fortschritt den Bachelor auf 8 Semester anzulegen, ein Student braucht Zeit zum arbeiten, lernen, zur Entwicklung sozialer Kompetenzen. Das geht nicht in 3 Jahren(Wer braucht schon Grünschnäbel...). Die Lösung wäre doch einfach der Master für Alle(Bachelorabsolventen) und weiterhin ein Bachelor mit dem man aussteigen/pausieren bzw. problemlos die Hochschule wechseln kann.
Das kostet jedoch Geld, Geld das keiner dafür ausgeben will. Geld ist für Afghanistan, Abwrackprämien, Banken etc. da, nur für ein vollständiges Studium(Master auch Diplom genannt) will man es nicht ausgeben.
Stattdessen setzt man auf Bafögerhöhungen=Kreditvergaben(um die Studenten ruhig zu stellen) und wartet auf die Weihnachtsszeit um die Proteste ersticken zu lassen.
Oh du fröhliche, könnte man sagen. Nur in Deutschland wird sich in ein paar Jahren kein Mensch mehr über halbfertige Akademiker(Bachelor) freuen, die dem Bildungsstandort und damit dem Wirtschaftsstandort Deutschland massiv schaden.
Diese Leute können dann in Supermärkten oder in Imbissbuden arbeiten...
In Zukunft können wir dann auch in Asien entwickeln lassen, statt nur dort zu produzieren...
Armes Deutschland!
Die Schuld ist bei der Politik(die Vorgaben gegben hat) und den Hochschulen(die diese Bologna Reform so umsetzen) zu suchen.
25.11.2009 18:02 Uhr
von Piggeldy:
Die Studis sind zu ungeduldig ??
Der Frau Wintermantel kann ich gerne sagen wie ungeduldig Eltern - vielleicht !!!!- zukünftiger Studenten sind !
Alles was die letzten Jahre an Bildungspolitik gelaufen ist , ist fürn Arsch !
Bildungspläne für Kindergärten werden nicht umgesetzt- kein Geld.
Sortiersystem und Drei-Stände-Schule wider besseres Wissen weiterpropagiert.
Den Hauptschulen dass Etikett "Werkrealschule" verpasst und hoffen , dass es die blöden Eltern nicht kapieren.
G 8 im Hauruckverfahren, so dass Kinder und Eltern leiden.
Und dann diesen blöden Bachelor....als Dreingabe.
Und dafür sollen sich die Kinder unbetuchter Eltern verschulden , weil sie keine Möglichkeit haben nebenher das Geld zu verdienen , das sie für die Studiengebühren berappen müssen .
Ach ja, leben kostet ja auch noch was...
Meine Güte Frau Wintermantel , Kultusminister und Innen und Frau "Bildungsministerin" :_auf was wollen Sie denn noch warten ??????
Die Studis haben recht ! Weiter so ! Nur nicht nachgeben !!!
25.11.2009 13:01 Uhr
von end.the.occupation:
Vor ein paar Jahren unterhielt ich mich bei einer Feier mit meinem ehemaligen, mittlerweile emeritierten C4-Prof - Leiter eines Instituts im Math./Nat.-Bereich vom Typ paternalistisch/autoritäter Sozialdemokrat, also bestimmt kein typischer 68'er - der meinte, dass ihm unbegreiflich sei, wie die Studenten all die Freiheiten aufgäben, die Ende der 60'er erkämpft worden seien.
25.11.2009 11:35 Uhr
von hto:
"Die Studis sind furchtbar ungeduldig" - Geld regiert die Welt / macht aus ... gebildete Suppenkaspermentalität auf systemrationaler Sündenbocksuche, und so ist es kein Wunder wenn die Abhängigen sofort mehr Stoff wollen!?
25.11.2009 11:06 Uhr
von kaiti:
Der Artikel erweckt den Anschein (wie so viele andere Artikel zu diesem Thema auch), dass die Bologna-Reform als solche grundsätzlich zu verteufeln ist. Als Student in den Niederlanden kann ich sagen, dass man mit den Folgen von Bologna, insbesondere mit der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge, nicht grundsätzlich schlecht beraten ist. Vieles, wofür in Deutschland zur Zeit protestiert wird, ist in den Niederlanden kein Thema, da dort die Umstellung viel reibungsloser vonstatten ging als in Deutschland. Der Studienstoff ist so ausgelegt, dass er problemlos in sechs Semestern Regelstudienzeit zu schaffen ist. Außerdem ist an meiner Uni bei den allermeisten Bachelor-Studiengängen das fünfte Semester regular entweder für ein Praktikum oder für ein Auslandssemester reserviert, d.h der allergrößte Prozentsatz der Bachelor-Studenten verbringt ein Semester im Ausland.
Die Zustände, gegen die zur Zeit in Deutschland protestiert wird, sind also nur indirekt eine Folge des Bologna-Prozess , und viel mehr eine Folge des Versagen der deutschen Bildungspolitik, diese entsprechend den Bologna-Kriterien vernünftig zu reformieren!
25.11.2009 10:45 Uhr
von Kommentator:
@Dr. Ludwig Paul Häußner
Wechseln Sie doch von den Grünen besser zur FDP:
Diese steht ihren permanenten - oft absolut unpassenden - Forderungen nach "Bürgergeld" und "Studiengebühren" mit "Stipendiensystem" in nichts nach.
Die grünen sind noch gegen Studiengebühren und gegen ein Bürgergeld à la.
Glaubt eigentlich jeder dahergelaufene BWL-Dozent, dass er der Wirtschafts-Oberchecker ist?
Die Summe aller BWL-/Business-"Weisheiten" endet nicht in der VWL/Economics, sondern in hohlen neoklassischen Phrasen.
Was ist daran grün?!?
(Hoffe wenig..)
Unsolidarische Grüße, Kommentator.
25.11.2009 10:21 Uhr
von Dr. Ludwig Paul Häußner:
Staatlich bewirtschafteter Geist oder staatlich finanzierte Studiengutscheine und Grundeinkommen?
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Herrn Kauls Analyse trifft 100% zu.
Die staatliche Bewirtschaftung des Geisteslebens hat die Schul- und Hochschulkrise wesentlich verurascht.
Doch welche Wege gäbe es aus der Hochschulkrise?
Ich schlage vor, dass die bisherigen Ausgaben pro StudentIn ausgerechnet werden und die Finanzflüsse für die Finanzierung unserer Hochschulen neu gestaltet werden: in Form staatlich finanzierter Studiengutscheine pro StudentIn
Damit würde die ganze Unterfinanzierung transparent.
Zur Deckung der Finanzlöcher müssen die Hochschulen Studiengebühren erheben dürfen.
Um die Studiegebühren finanzieren zu können, muss ein Stipendensystem (als Defizitdeckungssystem) realisiert werden.
Die Studierenden sind mit staatlich finanzierten Studiengutscheinen mit Nachfrage- bzw. Mitgestaltungsmacht ausgestattet.
Überdies sollte die Bestreitung des studentischen Lebensunterhalts statt per BaföG durch ein bedingungsloses Grundeinkommen gewährleistet werden.
Vertiefende Informationen auf YouTube unter
"Studiengebühren und Grundeinkommen"
L.P. Häußner, Karlsruhe
25.11.2009 10:02 Uhr
von Dr.D.:
Danke für den ausgezeichneten Artikel. Als Hochschuldozent und Wissenschaftler kann ich nur sagen: Die Zustände sind - vor allem in den Geisteswissenschaften - desaströs und das nicht nur für die Studierenden.
25.11.2009 09:43 Uhr
von Jan - Initiative soziale Hochschulen:
Wenigstens weiß man endlich wer die namentlichen Verantwortlichen für diese politisch gewollten Bildungsmisere ist. Seit über 10 Jahren ist der Bolognaprozess vollzogen worden und das Ergebnis ist erschreckend, nur wusste man bis dato nicht wer hinter der KmK, HrK und CHE steckte und wen man also verantwortlich machen kann dafür, Stichwort "Hölle Hochschule":
http://www.swr.de/report/-/id=233454/did=3373434/pv=video/nid=233454/174ruhc/index.html
Aber immer noch die Verantwortung an andere weiterschieben, aber undere Antwort: Widerstand!
http://video.google.com/videoplay?docid=5132924373219365319&ei=KDDNSob2Jp_E2wKHsb2XAQ&q=Studiengeb%C3%BChren+Frankfurt#
FUER SOLIDARITAET UND FREIE BILDUNG
25.11.2009 09:17 Uhr
von Gerd :
Ein sehr treffender Bericht: vergessen wurde noch:
Fünftens: Der Überganmg von Bachelor-AbsolventInnen in den a) Arbeitsmarkt und b)zum Masterstudium sind deutlich schwieriger wenn nicht sogar unmöglich. Arbeitgeber akzeptieren lieber die weiterqualifizierten Master AbsolventInnen - und nach den ersten Studienjahren, in denen der Andrang auf die Masterstudienplätze noch gering war, so dass jede/r in diese Richtung (bei Bedarf) weiter studieren konnte, existiert nun in den meisten Fällen ein erneuter NC beim Übergang vom bachelor zum Master. Und die zwar offiziell mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium dastehenden Bachelor der Geistes-Kultur-Sozialwissenschaften stehen ... da und können sich maximal mit Jobs der Assistenten oder mittleren Ebene "begnügen" !
Der BOLOGNA Prozess ist und war eine dumme, am grünen Tisch ausgeheckte Ahnungslosigkeit, die europäische Abschlüsse vereinheitlichen sollte - und dies auch noch weltweit kompatibel machen wollte: raus kam ein Schuss in den Ofen - dass es nur so kracht! Kompatibel sind teilweise noch nicht einmal die Credit Points von den Berliner Hochschulen mit denenen der Uni Potsdam (und dies im gleich lautenden Studiengang)- wie sieht es da erst einmal grenzüberschreitend aus! Ein deutscher Bachelor hat z.B. mit einem US-amerikanischen auch nichts außer dem Namen gemein und wird dort ebenfalls nicht anerkannt!
Wie schön war es mit dem Magister Artium, dem Diplom und dem (ja immer noch häufig existierenden) Staatsexamen !
25.11.2009 07:45 Uhr
von Erinnerung:
"Richtiger Studiengang" und "Welt verändern"
Na das war aber 68 auch so! Und die Weltveränderer sitzen heute in gehobenen Positionen!
25.11.2009 07:39 Uhr
von Peter Pencil:
Die TAZ hätte ja ruhig mal darauf hinweisen können, dass der Bolonga-Prozess generell als Markenzeichen einer ausgehöhlten Demokratie kritisiert und abgelehnt wird, weil der indirekt am Reissbrett der Bertelsmann Stiftung entstanden ist. Deren antisoziale Einstellung und Auftrag gegenüber der Gesellschaft muss thematisiert werden, weil genau diese Hinterzimmerpolitik den Menschen in diesem Land bewusst werden muss, wenn sie ihre Freiheit verteidigen können sollen.
25.11.2009 07:04 Uhr
von Alter Student:
An einem berufsbegleitendem Studium hat man das regelmäßige Stundenkoningent auf 25 - 30 Stunden/Woche angesetzt. Neben seinem 40 Stunden Job ist das eine sehr starke Belastung.
Ein kleiner Protest zum Ende des 1. Semesters brachte jedoch Besserung. Kein Wunder, 30 Studierende x 1.500 € Semstergebühr ist eine Diskussionsgrundlage - anders wäre es wohl auch nicht gegangen.
25.11.2009 06:16 Uhr
von demokrat-blue:
Der beste Artikel den ich seit langem zu diesem Thema gelesen habe. Danke!
25.11.2009 00:40 Uhr
von Hörby:
Der Artikel ist gut, aber ich muss einen Kritikpunkt erheben! Nicht alle Hochschullehrer haben den "falschen Stolz" und geben die Fehler nicht zu. In dem Fall meiner Universität Trier sind die Dozierenden mit den Vorgaben des Bildungsministerium und dem APO (allgemeine Prüfungsordnung) in dem Sinne überfordert, dass sie den Stoff (noch) nicht gescheit den Studierenden anbieten können.
Und wo gehobelt wird, da fallen Späne - aber was wird aus den Spänen, wie mir? Werden wir zu billigem Pressholz verarbeitet und dienen dann als Zündmaterial für eine kurze Konjuktur?
Es wird Verbesserungen geben, aber meine erste Bachelore-Abgang muss darunter leiden. Aber noch gibt es ja Hartz 4 - wir sind abgesichert :).
Es ist gut, dass Frau Wintermantel so lapidar ehrlich ist. Der Gegenwind durchflutet noch mehr die Segel des studentischen Protestes - sofern die Segel richtig gestellt werden.
25.11.2009 00:20 Uhr
von Stefan:
Ich habe mir letztens ein Auto gekauft. Leider habe ich erst zu Hause bemerkt, dass der Wagen weder Türen noch Fenster hatte und auch dem Motor einige Zylinder fehlten. Außerdem stellte ich fest, dass ich mir nicht einmal eine einzige Tankfüllung leisten kann. Aber da ich mich ja für dieses Auto entschieden hatte und mir nicht die Blöße vor den anderen geben wollte, einen Fehler gemacht zu haben, schiebe ich den Wagen seitdem nun täglich über die Straßen und erzähle allen, was für eine geile Karre das doch ist und die Türen, Fenster, Zylinder und der Sprit doch vorhanden sind. Man müsse nur genau hinschauen.
So ist das nun mal, wenn man sich für Dinge entscheidet, ehe man überhaupt weiß, ob sie bereits zu Ende gedacht und nachher auch bezahlbar und durchführbar sind...
24.11.2009 23:57 Uhr
von Peter Lustig:
Wenn sie ernsthaft meint, die Forderungen wären zu allgemein und es würde nicht konstruktiv gearbeitet werden, soll sie mal in die Arbeitskreise bzw. zum Plenum kommen. Ganz ehrlich, diese Behauptung ist lächerlich und zeigt nur, dass sie nach Ausreden sucht, um das eigentlich Thema, die Verbesserung der Studiensituation, von sich zu weisen. So sehe ich das. Und jedem der wiederspricht rate ich, sich zumindest mal die Besetzung im jeweiligen Audimax anzuschauen. Es WIRD konstruktiv gearbeitet, und selbst das Präsidium der Uni Hannover hat das respektiert.
Mfg
24.11.2009 23:23 Uhr
von Mathias L.:
Ich habe nach einer Lehre eine Ingenieurstudium an einer Uni in einem ähnlichen Gebiet gemacht.
Das ist über 10 Jahre her, also noch ein "richtiges" Diplom. Schon während des Studiums sind war mir wegen meiner Praxiserfahrung schon klar, dass ich das Wissen in bestimmte Plichtfächern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht brauchen werden. Trozdem beanspruchten gerade die viel Zeit, die mir dabei fehlte mich anderen Fächern zu widmen die mich mehr interessierten und nach meiner Vermutung auch nützlicher sein würden. Heute weiß ich, dass diese Vermutungen richtig waren.
Es kann also durchaus vorkommen, dass ein Student besser weiß, was der Arbeitsmarkt braucht, als die Uni.
Mit den neuen Bachelor-Studiengängen haben die Studis aber noch mehr Pflicht und noch weniger Kür.
24.11.2009 22:59 Uhr
von Arne Babenhauserheide:
Ein toller Artikel!
Danke taz und Martin Kaul!
Artikel wie der hier sind ein Grund, warum ich taz lese!
24.11.2009 22:43 Uhr
von Arigoe:
Was mir bislang in der Diskussion fehlt: was der wirkliche Wahnsinn ist, ist der Versuch aus Magisterstudiengängen, Bachelor Studiengänge zu machen. Dann haette man es auch beim alten System belassen koennen (das uebrigens wirklich auch nie 'demokratisch' war), und die Studenten haetten wenigstens einen Master Abschluss.
Der Bachelor ist eher so etwas, was man frueher Zwischenpruefung nannte.(Bzw. das sollte er sein...) Das heisst, es muss nicht das ganze Wissen eine Magisterstudienganges gelehrt werden! Ich studierte u.a. an nordamerikanischen Hochschulen; dortige Freunde langen sich nur an den Kopf, wenn ich ihnen erzaehle, was hier gerade passiert, dass man sozusagen einen Master macht, der aber als Bachelor deklariert wird. Waehrend man gleichzeitig weiterhin davon absieht, die Lehre zu verbessern, u.a. dadurch, dass ein Teil des Gehaltes von Hochschullehrern von der Lehr-Bewertung durch Studenten abhaengt; und fortlaufend negative Bewertungen durch STudierende auch Konsequenzen haben.
Zu meiner Zeit als Magisterstudentin war das Desinteresse der Professoren an der Lehre das groesste Problem. Das mag an der Unterfinanzierung, dem schlechten Betreuungsschluessel, etc. liegen. Es gab aber auch einige (sehr wenige) Professoren, die diesen Umstaenden zum Trotz immer eine offene Tuere hatten. - Die Mehrheit allerdings vermittelte das Gefuehl, dass man selbst beim Besuch der Sprechstunde wichtige Forschungszeit raubt.
Ich glaube, um wirklich was zu aendern und zu verbessern, muesste man sich erst einmal von dem Bildungsideal des 19. Jhd trennen - und Interdisziplinaritaet, Flexbilitaet, und Motivation foerdern, und zugleich investieren.
24.11.2009 22:04 Uhr
von sputnik-suedstern:
Der Beitrag ist dankenswerter Weise sehr umfassend und präzise. Er spart an einer Stelle jedoch an einer genaueren Formulierung der durchaus angebrachten Kritik.
Bachelor und Master sind an im gleichen Atemzug an die Unis gekommen, wie das "Mehr an Autonomie", das heißt, vor allem mehr finanzieller Eigenverantwortung. Dies setzt die Unis untereinander unter vermehrten Druck. Über die Eliten-Initiative auf dieser Ebene redet heute schon keiner mehr. Die finanzielle Ausstattung der Hochschulen muss durch die öffentliche Hand gewährleistet bleiben. Und das ist sie nicht. Dies ist eine der Hauptforderungen, nicht nur der Studierenden. Und dabei das größte Dilemma.
Zweitens ist und bleibt die beschlossene Umsetzung und Einführung von BA/MA eine katastrophale Eigenleistung zwischen Bildungsministerien (Vorgaben) und den Hochschul-präsidien (Durchführung) selbst. Der Artikel beschreibt dies ganz deutlich: Die Komprimierung der Inhalte, die schlampige Umsetzung und die mangelnde personelle Ausstattung an den Hochschulen machen BA/MA en Gros nicht studierfähig. Und dies ist und bleibt eine Aussage, die letztlich von den Studierenden nur gemacht werden kann.
Eine kleine Erinnerung noch am Rande. Die Universität und ehemals als Gesamthochschule Kassel gegründete Hochschule hatte über Jahre ein gestuftes und integriertes Diplomstudienmodell entwickelt und umgesetzt. Dies basierte auf der Rechnung 8+3 und hat sich, nach schwerem Verruf durch viele "klassische" Universitäten bis zuletzt bewährt. Auch hier wurden die Curricula im Zuge der Akkreditierungen über Bord geworfen und auf ein 6+4-System ersetzt, dass sich als nicht annehmbar für uns Studierende erwiesen hat.
Das "Kasseler Modell" hätte bundesweit Vorbildcharakter sein können und müssen. Der Inhalt eines "freien Studiums" lässt sich zu guter letzt nicht und niemals durch eine formale Begrenzung der Studiendauer begrenzen.
Nehmen sie sich ein Beispiel und ergreifen sie Initiative.
24.11.2009 21:40 Uhr
von Malte:
Frau Wintermantel klagt darüber, dass die Studierenden keine konkreten Probleme benennen; dass sie selbst nich wüssten, was sie eigentlich wollen. Dabei gibt es tatsächlich so viele Probleme, dass es mich wundert, dass die Proteste nicht deutlich radikaler stattfinden.
Es geht hier schließlich um unsere berufliche Zukunft.
Ich habe also die Wahl. Gehe ich zwei oder mehr Wochen protestieren und kämpfe für bessere Bedingungen, die ich wenn sie überhaupt eintreten selber gar nicht mehr wahrnehmen kann.
Oder:
Gehe ich weiter brav "studieren" und hoffe, dass andere für sich für mich einsetzen. Diese Denkweise haben vermutlich die meisten Studenten zurzeit.
Fehle ich an einem oder mehreren Seminaren in einem Semester pro Modul, muss ich um meine Zulassung für die Modulprüfung bangen. Kann ich die Klausur deswegen nicht mitschreiben, muss ich sie im nächsten Jahr zusätzlich zu den neuen Modulen nachschreiben. Bekomme ich das auch nicht auf die Reihe, dann war's das.
Das größte Problem ist für mich nicht einmal, dass es zu wenig Lehrkräfte gibt, die Räume überfüllt sind oder alles auf einmal Geld kostet.
Das Schlimmste ist die Verschulung. Man kann sich aus Zeitgründen nicht mit den Sachen näher beschäftigen, die einen wirklich interessieren. Wie in der Schule wird einem vorgesetzt, was man zu wissen hat und das wird auch durch strenges Prüfungs- und Anwesenheitsreglement determiniert.
Ich fühle mich in meiner Freiheit für eigenverantwortliches Studieren eingeschränkt! Das ist die vielleicht schlimmste Auswirkung von Bologna und daran können wir im Moment als Studenten (ohne Proteste) nichts ändern. Die Studienordnungen lassen kein Raum für inhaltliche Veränderungen und Entwicklungen!!!
24.11.2009 20:05 Uhr
von Tsaimath:
Klar, die Studis denen jetzt die Zukunft versaut wird warten einfach mal die 4 Jahre bis zur nächsten Wahl, da werden die Politiker sicher wieder das blaue vom Himmel versprechen, schließlich sind Studenten ja auch potentielle Wähler und vermutlich eine Zielgruppe die mit den Regierungsparteien aktuell sehr wenig am Hut haben ergo könnte man da Wählerstimmen gewinnen
Und an alle die ein weiteres Problem nicht begriffen haben:
Die Universitäten gehen von einer sog. Workload also Arbeitslast von 30h/Credit aus, in den ersten zwei Semestern gibts 60 Credits zu verdienen.
Ergibt also 1800 Stunden in einem Jahr
Wenn man von 52 Wochen im Jahr, fünf Arbeitstage pro Woche, 30 Tage Urlaub im Jahr und 8h Arbeit pro Tag ausgeht (was glaube ich das Standardpensum eines 8h Arbeiters ist) würde man auf 1840h kommen nur das beim Arbeiter noch gesetzliche Feiertage die "Workload" verringern und bei den Studis der Nebenjob noch dazu kommt.
Soviel zu den ach so faulen Studierenden
24.11.2009 18:49 Uhr
von Leipzig:
Lieber JoS, Dein Hinweis in allen Ehren aber er widerspricht der Realität. Während es im Süden Deutschlands überhaupt keine verfassten Studierendenschaften gibt, darf sich der Rest überwiegend als gremientechnisches Störfeuer verstehen, die zwar im Einzelnen durchaus beteiligt wurden aber im Großen und Ganzen doch relativ unbeteiligt an der Entscheidung waren. Das ist der kleine aber feine Unterschied zwischen Demokratie und Deliberation.
Machen wir uns nichts vor, an vielen Universitäten wurde erst im Nachhinein nachgesteuert und dann sogar teilweise studentischer Rat eingeholt. Da war das Kind aber nicht nur in den Brunnen gefallen, es ist auch schon ersoffen.
24.11.2009 18:38 Uhr
von zalog:
Lieber JoS,
stimmt, und da es diese Form von Mitbestimmung an den Universitäten auch schon gibt, wird es wohl auch kaum die "Demokratisierung" sein, die von den Demonstranten gefordert wird und über die Frau Winterfeld gesprochen hat.
24.11.2009 18:16 Uhr
von P.O.O.:
Vielen Dank Frau Wintermantel für diese ehrliche Ansage. Sie scheint ebenso qualifiziert zu sein wie die Äusserungen
Schavans (BAFöG-Erhöhung, Proteste “sind gestrig” bzw. “ich habe vollstes Verständnis für den Unmut der Studenten” – was jetzt?)
oder Heubischs (”die Universitäten sind in der Verantwortung” – Sachlich falsch, eine schlichte Lüge)
oder, das Highlight Horst Seehofer (”wir können die Studiengebühren nicht abschaffen, wir finanzieren ja schon die anderen Bundesländer mit”, – Studiengebühren: 0,5% vom Jahreshaushalt, 4% vom Hochschuletat, was haben die anderen damit zu tun?).
Sie werfen uns vor, wir hätten keinen Blick fürs Ganze und reduzieren uns auf die Studiengebühren. Und bieten als Antwort auf eine umfassende Bildungskritik BAFöG-Erhöhungen an. Danke für diesen Offenbarungseid, Damen und Herren. Lasst uns bitte unsere Arbeit machen und hören Sie mit diesen unqualifizierten Querschüssen auf, wir kommen zu gegebener Zeit mit sinnvollen Vorschlägen auf Sie zu. Oder Ihren kompetenten Nachfolger.
24.11.2009 17:58 Uhr
von Jonas Schaible:
Zum Feigenblatt achtsemestriger Bachelor habe ich vor einigen Tagen schon etwas geschrieben: http://beim-wort-genommen.de/2009/11/19/feigenblatt-achtsemestriger-bachelor/
Die von vielen Verantwortlichen jetzt geforderten Neuerungen sind zumeist nämlich gar keine; und sie würden nichts am Problem ändern.
24.11.2009 17:53 Uhr
von joaa:
Ein super Beitrag, danke taz!
24.11.2009 17:52 Uhr
von Thomas Kaba:
Frau Wintermantel sollte sich mal die Frage stellen, wo sie heute stehen würde, wenn sie damals zu ihren Studienzeiten unter den gleichen erschwerten Bedingungen hätte studieren müssen, wie die Studenten heute. Hätte Frau Wintermantel auch 1000 DM pro Semester bezahlen können? Den Stoff von zehn Semestern komprimiert auf sechs Semester bei einer Semesterwochenstundenzahl von 30 und mehr? Jeder heutige Hochschulprofessor und vor allem Hochschulrektor sollte sich das mal vor Augen halten und sich ehrlich fragen, ob er sein Studium damals unter den gleichen Bedingungen hätte schaffen können, unter welchen die heutigen Studenten zu leiden haben!
Frau Wintermantel, kommen Sie von Ihrem hohen Ross runter!
24.11.2009 17:40 Uhr
von JoS:
Lieber zalog,
an allen Universitäten durften Studierende eines jedes Studienganges am demokratischen Findungsprozess teilnehmen. Wer diesen nicht wahrnimmt und sich selbst zu einem Teil einer schweigenden Maße degradiert hat mit dem zum Leben, was ein aktiver Teil tut. Oder aber endlich in einen Diskurs treten...
24.11.2009 17:35 Uhr
von olim devona:
Ein schnelles Studium geht nicht ohne immense Mehraufwendungen
Ich bin an der Uni Leipzig angestellt und kenne das Problem aus der Perspektive eines Lehrenden, vor allem aus der Perspektive eines chronisch unterbesetzten Studienganges der Ethnologie. Bei uns kommen knapp 400 Studenten auf einen Hochschullehrer (sprich Professor). Da das Hochschulsystem in Deutschland Institutsmitarbeiter an dem Vorhandensein und der Ausstattung eines Professors bemisst, ist der Mittelbau auf vier Dozenten begrenzt. Seit neustem, seit der Einführung der Bachelor Studiengänge gibt es einen Nottopf für Studentenüberzahl, aus dem pro Jahr sogenannte Springer eingesetzt werden. Diese müssen dann kurzfristig die Überlast mittragen. Das jedoch ist hier wohl nicht diskussionswürdig, sondern eher die Frage, wie es dazu kam.
Die Umstellung der Magisterstudiengänge auf Bachelor Studiengänge verlagert ein zeitlich in sich gestaffeltes System (konsekutive Studiengänge) auf die horizontale Ebene. Nun müssen die Inhalte von sagen wir etwa 10 Semstern auf 6 zusammengestaucht werden, das geschieht nach dem Prinzip der Gleichzeitigkeit. Dazu müssen logischererweise, da sich Mitarbeiter nicht in Echtzeit klonen können, mehr Leute eingestellt werden. Auch muss man mehr Räume zur Verfügung stellen. Das bedeutet vor allem, mehr Geld zu geben. Das aber wurde von der Poltik überhaupt nicht bedacht.
Die Mittel für die Hochschulen wurden nicht aufgestockt. Sie wurden in der Exzellenzinitiative kanalisiert und an einigen wenigen Hochschulen dadurch vermehrt. Die Masse der Studierenden aber wurde dabei gelinde gesagt übergangen.
Das diese nun protestieren ist beinahe eine Zwangsläufigkeit, die nun kurzfristig eingeforderte Aufstockung der Gelder ohne eine Langzeitperspektive, um damit ein wirklich konstruktives Ausbauen der Bachelorstudiengänge zu ermöglichen ist nur eine weitere Kurzsichtigkeit im System. Es gäbe viele weitere, die hier aber da sie nicht tagesaktuell sind, keinen Platz finden.
24.11.2009 16:59 Uhr
von Volker S:
Was meint denn die Grande Madame mit ungeduldig, sollen die, denen ja
jetzt das Studium versaut wird einfach mal 5 Jahre gedulden ?
Hämisches Grinsen und abgebrochene Studien könnten schon bald dazu führen, dass jemand im Wintermantel mal nen kleinen Denkanstoß bekommt.
24.11.2009 16:54 Uhr
von drusus:
Was Bologna verbessern soll konnte mir noch nie jemand erklären. Das man mit weniger Zeit fürs Studium, mehr Prüfungen, weniger Zeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen und mehr Druck auch international besser ausgerichtet oder orientiert sein soll ist bizarr gedacht. Aber bizarr ist diese ganze Umwälzung. Die deutschen sollten keine "Reformen" angehen - da triumphiert immer nur die Bürokratie.
24.11.2009 16:53 Uhr
von zalog:
Ist das ein Kommentar vom Herrn Kaul? Dann sollte er auch so gekennzeichnet und auf Ausdrücke wie "Geschimpfe" verzichtet werden.
Es wäre auch sicher hilfreich gewesen, wenn auf den gesamten Kommentar von Frau Winterfeld eingegangen worden wäre. Stattdessen wurde nur ein Aspekt herausgegriffen. Wenn sie sich gegen die Forderung der "Demokratisierung" der Hochschulen wendet, ist ihr voll zuzustimmen. Was darunter verstanden wird, habe die Proteste gezeigt: Wer nicht den "richtigen" Studiengang hat oder die ganze Welt verändern möchte, darf auch nicht an der Meinungsbildung teilhaben und wird niedergeschrien. Darauf wird die breite (schweigende) Masse der Studierenden gerne verzichten.