Ohne auch nur entfernt ein Filmkenner zu sein und als solcher über den Wert bestimmter Streifen mitreden zu können, muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich enttäuscht war, als Michael Hanekes "Weißes Band" gestern (03.10.11) im Fernsehen gelaufen war. Nun habe ich zu meiner besseren Information im Internet einige Kommentare von Filmkennern nachgelesen, die ich jedoch so nicht nachzuvollziehen vermag. Dagegen hat mich dieses Gespräch mit dem Autor ein wenig versöhnt - weil dessen hier geäußerte Anschauungen viel weniger hochfliegend sind als die Jubelartikel in der Presse. Dass der Zuschauer die Züchtigung der Pfarrerskinder nur "hören" soll, halte ich zum Beispiel auch für einen guten Einfall. Die fast schon sentimentalen Wetterbeschreibungen des jungen Lehrers und Ich-Erzählers werden aber ebenso wie seine Art zu "flirten" doch sehr in die Länge gezogen. An anderen Stellen des Films hätte ich mir gerne eine Standby-Funktion oder Untertitel gewünscht, um überhaupt optisch oder akustisch alles einigermaßen gut mitzubekommen. Den Kinderchor finde ich allzu perfekt, zu "schön" (um wahr zu sein). Für mich steht Hanekes Film letztlich in einer auf Büchners "Woyzeck" zurückgehenden Tradition des deutschen Stationendramas; manches hat mich an "Die Leiden des jungen Törless" von Musil-Schlöndorff erinnert. Diese beiden "Vorgänger" halte ich allerdings für viel eindrucksvollere Stationendramen.
Leserkommentare
04.10.2011 19:30 Uhr
von Jürgen Günsche:
Ohne auch nur entfernt ein Filmkenner zu sein und als solcher über den Wert bestimmter Streifen mitreden zu können, muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich enttäuscht war, als Michael Hanekes "Weißes Band" gestern (03.10.11) im Fernsehen gelaufen war. Nun habe ich zu meiner besseren Information im Internet einige Kommentare von Filmkennern nachgelesen, die ich jedoch so nicht nachzuvollziehen vermag.
Dagegen hat mich dieses Gespräch mit dem Autor ein wenig versöhnt - weil dessen hier geäußerte Anschauungen viel weniger hochfliegend sind als die Jubelartikel in der Presse. Dass der Zuschauer die Züchtigung der Pfarrerskinder nur "hören" soll, halte ich zum Beispiel auch für einen guten Einfall. Die fast schon sentimentalen Wetterbeschreibungen des jungen Lehrers und Ich-Erzählers werden aber ebenso wie seine Art zu "flirten" doch sehr in die Länge gezogen. An anderen Stellen des Films hätte ich mir gerne eine Standby-Funktion oder Untertitel gewünscht, um überhaupt optisch oder akustisch alles einigermaßen gut mitzubekommen. Den Kinderchor finde ich allzu perfekt, zu "schön" (um wahr zu sein).
Für mich steht Hanekes Film letztlich in einer auf Büchners "Woyzeck" zurückgehenden Tradition des deutschen Stationendramas; manches hat mich an "Die Leiden des jungen Törless" von Musil-Schlöndorff erinnert. Diese beiden "Vorgänger" halte ich allerdings für viel eindrucksvollere Stationendramen.