Referendum über Abtreibungen in Irland

Verboten seit 1983

Die Ir*innen stimmten vor 35 Jahren mehrheitlich für ein absolutes Abtreibungsverbot. Nun soll es abgeschafft werden. Ein Überblick.

Eine Irin stimmt im Verfassungsreferendum über das Abtreibungsverbot ab

Vorzeitiges Votum: Bewohner*innen der Insel Inishbofin durften schon abstimmen Foto: reuters

BERLIN taz | Irland ist ein katholisch geprägtes Land. Nur so lässt sich erklären, dass am 7. Oktober 1983 eine Mehrheit der Ir*innen dafür stimmten, ein absolutes Abtreibungsverbot in die Verfassung aufzunehmen. Seitdem sind rund 170.000 Frauen zur Abtreibung nach England gegangen. Es gab aber auch mehrere Fälle, bei denen Frauen während der Schwangerschaft starben, weil sie keine ausreichende Hilfe bekamen.

Schon in den 1990er Jahren entschieden die Ir*innen, dass ungewollt Schwangere ein Recht auf Information über Schwangerschaftsabbrüche im Ausland und Reisefreiheit zu diesem Zweck haben sollen. Zuvor hatte ein Gericht einer 14-Jährigen, die nach einer Vergewaltigung schwanger geworden war, die Ausreise verweigert. In der Berufungsverhandlung urteilte der höchste irische Gerichtshof, dass eine Abtreibung bei Lebensgefahr für Schwangere zulässig ist.

Dennoch ist die rechtliche Lage in Irland weiterhin schwierig für schwangere Frauen. 2012 starb eine Frau an einer Blutvergiftung, weil die Ärzt*innen einen nicht lebensfähigen Fötus nicht entfernen wollten, solange sein Herz schlug. Einer Migrantin wurde 2014 nach einer Vergewaltigung die Abtreibung trotz Suizidgefahr verwehrt. Sie wurde zwangsernährt und -entbunden. Zwar verabschiedete die Regierung 2013 ein Gesetz, wonach eine Abtreibung bei Lebensgefahr für die Schwangere erlaubt ist – dieses gilt aber nicht für Suizidgefährdete.

Trotz all dieser Fälle gibt es nach wie vor das Abtreibungsverbot in Irland. Die Vereinten Nationen kritisierten das irische Abtreibungsgesetz im vergangenen Jahr als „gemein, inhuman und herabwürdigend“.

Am Freitag stimmen die Ir*innen nun wieder über das Abtreibungsverbot ab. Der noch vor zwei Monaten deutliche Vorsprung der Ja-Seite ist kurz vor der Abstimmung auf wenige Prozent zusammengeschrumpft. Der Ausgang des Referendums hängt jetzt von den Unentschlossenen ab.

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