Die extremen Wetterereignisse dieses Jahres zeigen, wohin sich das Klima weltweit entwickelt. Das Umweltbundesamt fordert, die Normen für die Hausbau anzupassen.von RICHARD ROTHER

Wasserfluten in Pakistan: Die extremen Wetterlagen nehmen zu. Bild: dpa
DESSAU taz | Die extremen Wetterereignisse dieses Jahres sind die Vorboten des globalen Klimawandels. So sehen es jedenfalls der Deutsche Wetterdienst (DWD) und das Umweltbundesamt (UBA), die am Donnerstag in Dessau eine gemeinsame Fachtagung zur Anpassung an den Klimawandel in Deutschland eröffneten.
"Die aktuellen Überschwemmungen in Pakistan, die lang anhaltenden Hitzewellen in Russland und Japan und das Hochwasser in Sachsen entsprechen den Erwartungen der Klimaforschung über die Zunahme von Extremwetterereignissen", sagte Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes. Zwar lasse sich keines der extremen Ereignisse allein der Erderwärmung zuordnen, aber der Trend einer Zunahme solcher Extreme werde bestätigt.
Die Daten des Deutschen Wetterdienstes bestätigen den Klimawandel. So hat die Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland von 1881 bis 2009 um 1,1 Grad zugenommen.
Am Ende dieses Jahrhunderts werde die Jahresdurchschnittstemperatur nochmals um 2 bis 4 Grad gestiegen sein, sagte DWD-Chef Gerhard Adrian. Dieser Anstieg könne kaum noch verhindert werden. "Wir können uns schon jetzt auf norditalienische Verhältnisse freuen, müssen aber auch die Nachteile der höheren Temperaturen und vor allem die extremen Ereignisse fürchten."
Dazu gehörten mehr und heißere Hitzewellen, längere Dürreperioden und heftigere Niederschläge. Zudem könne es im Sommer häufiger zu Hagel, Sturm und Tornados kommen - "bisher ist dies aber nicht nachweisbar."
Nach Ansicht Flasbarths ist es wichtig, dass Deutschland sich auf den Klimawandel vorbereitet. So müssten zum Beispiel die Normen und Richtlinien - etwa beim Bau von Gebäuden, Straßen und Kraftwerken - die künftigen Klimaverhältnisse stärker berücksichtigen.
Ein Beispiel: Hat ein Bürogebäude eine zu große Fensterfront an der Südseite und eine schwache Klimaanlage, könnte es künftig im Sommer darin unerträglich heiß werden - so wie in manchen ICE-Zügen der Deutschen Bahn AG im Sommer, in denen offenbar die Klimaanlage unterdimensioniert war. Oder: Gebäudedächer müssten künftig mehr darauf ausgelegt sein, dass sie auch große Schneelasten - wie im vergangenen Winter - aushalten und bei heftigeren Stürmen nicht davonfliegen.
Auf der Dessauer Tagung wurde zudem deutlich: Die Warnsysteme vor extremen Wetterereignissen müssen noch besser werden, und das Zusammenspiel von Bundes- und Landesbehörden muss intensiviert werden. Immerhin sind 80 Prozent aller Katastrophen in Deutschland wetterbedingt - mit enormen Schäden für Wirtschaft und Bevölkerung.
Schnell reagiert hat Deutschland allerdings auf den Hitzesommer 2003. "Innerhalb von zwei, drei Jahren wurde ein Hitzewarnsystem aus dem Boden gestampft", sagte DWD-Vizechef Paul Becker.
Dabei werde nicht nur die reale, sondern auch die gefühlte Temperatur beachtet, die abhängig ist von Wind und Luftfeuchtigkeit; zudem würden bundesweit gezielt Altenheime informiert. Die Folge: In den heißen Perioden dieses Sommers seien viel weniger Menschen gestorben als in anderen Ländern, sagte Becker. Auch das Waldbrandwarnsystem in Deutschland sei vorbildlich.
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Leserkommentare
03.09.2010 14:48 | Martin
Hallo, wir müssen der EU endlich einmal Druck machen. ...