Rainer Langhans gibt dem rechtsextremen Magazin "Zuerst!" ein Interview. Nicht zum ersten Mal redet der Ex-Kommunarde mit der Redaktion. Warum? von ANDREAS SPEIT

"Wenn wir nicht mehr miteinander reden, dann gibt es Krieg": Rainer Langhans. Bild: dpa
BERLIN taz | Der frühere "Bürgerschreck Nummer 1" ist ein beliebter Gesprächspartner des rechtsextremen Monatsmagazins Zuerst! Seit gut einem Jahr gibt der Verleger Dietmar Munier das Magazin heraus, auch um die "Alt-68er", die in der Bundesrepublik am "Drücker sitzen ordentlich in die Zange" zu nehmen. Rainer Langhans ist die Ausrichtung bekannt. "Ich rede mit jedem", sagt er der taz.
In der aktuellen Zuerst!, die in Bahnhofsbuchläden und Zeitungskiosken ausliegt, erzählt der ehemalige Bewohner der "Kommune 1" über seine letzte tiefgreifende Erfahrung: Na klar: Den Erlebnissen in, um und über das RTL-Dschungelcamp. "Für mich war das eine echte 'Kommunen'-Erfahrung. Wir saßen zusammen, haben uns gegenseitig beobachtet und viel geredet" sagt er, in dem Magazin.
Kritik von Links an seiner Beteiligung an dem RTL-Format wehrt Langhans ab: "Mir ist klar, dass viele Linke mit solchen Fernsehformaten nichts anfangen können", doch diese "Menschen haben nicht weitergelebt, was wir damals '68 angefangen haben".
Wenn dann aber einer wie er "mit den Mittel der veränderten Gegenwart" weiter mache, so Langhans, dann kämen die "üblichen Verdächtigungen", ein Verräter der "alten Ideale" zu sein. Die 68er, sagt er weiter, wären gar nicht antiautoritär gewesen, sie hätten vielmehr nach "besser Autoritäten gesucht". Aussagen, die der Redaktion um Chef Manuel Ochsenreiter März 2011 gefallen. In dem zweiseitigen Interview wird nicht verstimmt nachgefasst.
In der Ausgabe Dezember 2010 sprach die Redaktion mit Langhans - auch im Plauderton - darüber, dass eine Werbung des Schuhversand "Zalando" sein "Image" missbrauchte. Eine vierseitige Homestory über den "jung gebliebenen Alt-68er" veröffentliche die Redaktion in der April Ausgabe 2010.
Hier wird ein Satz aufgegriffen, den Langhans 1999 gesagt hatte: "Wir müssen die bessern Faschisten sei, denn der Faschist ist in meinen Augen jemand, der erst einmal natürlich das Himmelreich auf Erden holen wollte, also der wirklich was Gutes wollte. Also unter dem Gesichtspunkt ist Hitler selbstverständlich für uns alle ein großer Lehrer", der auch ein "verhinderter Spiritueller" sei.
Alle Artikel, sagt Langhans der taz, habe er gegengelesen: "Ich fand sie ok". Das die Zuerst! rechtsextrem sei, streitet er nicht ab: "Ich teile diese Einschätzung". Er denkt aber nicht, mit seinen Interviews in einer Zeitung, die selbst der Verfassungsschutz Schleswig-Holstein in seinen Jahresbericht erwähnt, eine rechte "Richtung" zu unterstützen. "Das glaube ich nicht".
Langhans scheint es nicht zu irritieren, das rund um die Interviews mit ihm und Texte über ihn gegen Ausländer, Anti-Rechts-Initiativen, Homosexuelle, "Zigeuner", die "türkische Lobby" und andere Minderheiten gehetzt wird. Er betont stattdessen: "Wenn wir nicht mehr miteinander reden, dann gibt es Krieg. Da habe ich meine Erfahrungen ...".
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Leserkommentare
20.03.2011 22:48 | Fritz
Er hat trotzdem Recht, auch wenn es keine "guten Faschisten" gibt. Was ist denn ein "Linker"? Kein "guter Faschist"? Sitzbl ...
18.03.2011 15:32 | kein Fan
Langhans hätte sich mit der Äusserung damals ins Cafe Adler in Hamburg setzten sollen und wir würden heute nichts mehr höre ...
10.03.2011 10:55 | Dr. Harald Wenk
Wird der erpresst oder ist der Geldbedarf nicht anders zu decken? (Ich betone die echte Fragefom).