Joachim Sikora ist einer der wichtigsten Vordenker der regionalen Wirtschaft. Er fordert einen Rückbau der Globalisierung, auch durch Zeit- und Regiowährungen. von Stephan Kosch
Die Globalisierung ist doch nur entführt worden. Wir piepels waren am zug weltübergreifend kontakte zu knüpfen die uns sinn machen sollten und das hat die konzerne auf den plan gerufen, die einfach ne tarnkappe drüber geschmissen haben und alles verkomplizieren und suggerieren und machen und tun. Wir sind am Zug.
21.11.2010 12:27 Uhr
von Happy Days:
Günstiges Telefonieren als Globalisierungsgewinn der Deutschen. Hurrah! Wo ist Telefonieren eigentlich billiger geworden außer über voip? Wieviele Bundeshaushalte haben regelmäßige Auslandsgespräche? Wie hoch waren durchschnittliche Telefonrechnungen der siebziger, achtziger Jahre? Wie lange konnte man Ortsgespräche mit der Bundespost führen zu Tarifen, die kaum höher waren als der halbe Groschen bei Skype? Wieviele Rechnungen bleiben heute lange unbezahlt und erfordern mehr Personal und Aufwand in den "Hau- und Klauabteilungen" [hübsch: Mahnwesen] ? Zu Zeiten der Bundespost gab es weniger "Produkte" aber auch weniger Risiko, von Superangeboten verführt und in den finanziellen Ruin getrieben zu werden. Das Problem der Globalisierung scheint mir nicht der weltweite Markt sondern ein market of abundance, das Ejakulieren aller möglichen Produkte an einen Bevölkerungsteil, der nicht mehr weiß, was er nicht mehr braucht. Kaufrausch ist das Problem, nicht bloß fehlende regionale "Membranen". Ohne Globalisierung hätten wir diesen Überfluß so schnell nicht erkannt. Sie ist eine prima Therapie für das Leben mit einem Planeten und das Leben aus dessen Ressourcen. Sie schaffte Überblick über das Vorhandene in Qualität und Quantität. Nach dieser Erkenntnis kommt jetzt die anstrengende Entscheidung, ob man diese akzeptieren will und wieweit Veränderung erträglich ist. Geld ist ein gefährlich homogenisierender Stoff für solche Entscheidungen, der diese Erde in eine eintönige Wüste verwandelt, finde ich. Das sehen auch Konzerne aber scheinbar können sie nicht anders. Also müssen wir uns selbst helfen und ein wenig unabhängiger machen. Der Streß, den dies erfordert, kann nicht größer sein als ein temporärer und schlecht bezahlter Arbeitsplatz bei einer "BestCompanyToWorkFor".
20.11.2010 18:09 Uhr
von Rolf Zavelberg:
Die Legende vom Wettbewerb ist oft in taz zu lesen, beiläufig meist (um nicht zu sagen unreflektiert), zuletzt wieder an diesem Samstag im Interview von Stephan Kosch: Der Wettbewerb habe dafür gesorgt, dass günstiges Telefonieren möglich ist. Ist das so? Möglicherweise liegt es ja mehr daran, dass die „im Durchschnitt gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“ zur Erbringung der diesbezüglichen Leistung extrem gesunken ist. Ein Beispiel: Wo früher ganze Häuser allein für die Vermittlung der Telefongespräche notwendig waren, reicht heute ein wenig Computertechnik mit einem Bruchteil an Platz- und Wartungsbedarf aus, um die gleiche Leistung zu erbringen. Dementsprechend gesunken ist auch der Bedarf an Personal, sprich der „im Durchschnitt gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“. Die privatisierte Telekom konnte nicht deshalb so viele Leute „freistellen“ weil bei im staatlichen Fernmeldedienst alle faul waren, sondern weil sie wegen dieses enormen Produktivitätsfortschritts nicht mehr benötigt wurden. Übrigens: Die Privatisierung setzte in Deutschland erst ein (und war für „private“ Investoren auch erst interessant), als dieser Produktivitätsstand erreicht war. Sonnige Grüße aus Köln Rolf
Leserkommentare
21.11.2010 17:12 Uhr
von hijack the t grub:
Die Globalisierung ist doch nur entführt worden. Wir piepels waren am zug weltübergreifend kontakte zu knüpfen die uns sinn machen sollten und das hat die konzerne auf den plan gerufen, die einfach ne tarnkappe drüber geschmissen haben und alles verkomplizieren und suggerieren und machen und tun.
Wir sind am Zug.
21.11.2010 12:27 Uhr
von Happy Days:
Günstiges Telefonieren als Globalisierungsgewinn der Deutschen. Hurrah! Wo ist Telefonieren eigentlich billiger geworden außer über voip? Wieviele Bundeshaushalte haben regelmäßige Auslandsgespräche? Wie hoch waren durchschnittliche Telefonrechnungen der siebziger, achtziger Jahre? Wie lange konnte man Ortsgespräche mit der Bundespost führen zu Tarifen, die kaum höher waren als der halbe Groschen bei Skype? Wieviele Rechnungen bleiben heute lange unbezahlt und erfordern mehr Personal und Aufwand in den "Hau- und Klauabteilungen" [hübsch: Mahnwesen] ? Zu Zeiten der Bundespost gab es weniger "Produkte" aber auch weniger Risiko, von Superangeboten verführt und in den finanziellen Ruin getrieben zu werden. Das Problem der Globalisierung scheint mir nicht der weltweite Markt sondern ein market of abundance, das Ejakulieren aller möglichen Produkte an einen Bevölkerungsteil, der nicht mehr weiß, was er nicht mehr braucht. Kaufrausch ist das Problem, nicht bloß fehlende regionale "Membranen". Ohne Globalisierung hätten wir diesen Überfluß so schnell nicht erkannt. Sie ist eine prima Therapie für das Leben mit einem Planeten und das Leben aus dessen Ressourcen. Sie schaffte Überblick über das Vorhandene in Qualität und Quantität. Nach dieser Erkenntnis kommt jetzt die anstrengende Entscheidung, ob man diese akzeptieren will und wieweit Veränderung erträglich ist. Geld ist ein gefährlich homogenisierender Stoff für solche Entscheidungen, der diese Erde in eine eintönige Wüste verwandelt, finde ich. Das sehen auch Konzerne aber scheinbar können sie nicht anders. Also müssen wir uns selbst helfen und ein wenig unabhängiger machen. Der Streß, den dies erfordert, kann nicht größer sein als ein temporärer und schlecht bezahlter Arbeitsplatz bei einer "BestCompanyToWorkFor".
20.11.2010 18:09 Uhr
von Rolf Zavelberg:
Die Legende vom Wettbewerb
ist oft in taz zu lesen, beiläufig meist (um nicht zu sagen unreflektiert), zuletzt wieder an diesem Samstag im Interview von Stephan Kosch: Der Wettbewerb habe dafür gesorgt, dass günstiges Telefonieren möglich ist. Ist das so? Möglicherweise liegt es ja mehr daran, dass die „im Durchschnitt gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“ zur Erbringung der diesbezüglichen Leistung extrem gesunken ist. Ein Beispiel: Wo früher ganze Häuser allein für die Vermittlung der Telefongespräche notwendig waren, reicht heute ein wenig Computertechnik mit einem Bruchteil an Platz- und Wartungsbedarf aus, um die gleiche Leistung zu erbringen. Dementsprechend gesunken ist auch der Bedarf an Personal, sprich der „im Durchschnitt gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“.
Die privatisierte Telekom konnte nicht deshalb so viele Leute „freistellen“ weil bei im staatlichen Fernmeldedienst alle faul waren, sondern weil sie wegen dieses enormen Produktivitätsfortschritts nicht mehr benötigt wurden. Übrigens: Die Privatisierung setzte in Deutschland erst ein (und war für „private“ Investoren auch erst interessant), als dieser Produktivitätsstand erreicht war.
Sonnige Grüße aus Köln
Rolf