Queer Lecture 22.01.2018

Der schwule George L. Mosse

Erbe und Kritik muskulärer Männlichkeit: Ein Abend über George L. Mosse und Johann Winckelmann.

Sexualität, Männlichkeit und die Konstruktion der Männlichkeit. Diese Themen beschäftigten George L. Mosse Bild: University of Wisconsin–Madison

George L. Mosse ist in historisch interessierten Kreisen Berlins eine legendäre Figur – Historiker, Verlegersohn, Jude, Emigrant. Sein Schwulsein wird zu erwähnen aber gern ausgespart. Das wird an diesem Abend nicht der Fall sein: Das Thema „Sexualität“ hat der nach seiner Emigration die allermeisten Jahre in den USA gelehrt und gelebt.

Besonders das Thema „Männlichkeit“ hat George L. Mosse zeitlebens beschäftigt. Zunächst spielte für seine Forschung in der Nachkriegszeit die Sexualität eine ungewöhnlich direkte Rolle. Am 20. September 2018 wird der 100. Geburtstag von George L. Mosse, der als Gerhard Lachmann-Mosse in Berlin geboren wurde und im Mosse-Palais am Leipziger Platz aufwuchs, auch für die LGBTI*-Community zu feiern sein. Sie verdankt u.a. seinem Gutachten das im Tiergarten zu sehende „Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“, das erst lange nach seinem Tod am 27. Mai 2008 eingeweiht wurde.

Zu Beginn des Jahres 2018 soll mit der Queer Lecture an George L. Mosse, seine Forschung zur Männlichkeit und Johann Joachim Winckelmann, dessen 300. Geburtstag am 9. Dezember zu feiern war, erinnert werden. Denn das moderne Bild der Männlichkeit in der westlichen Kultur verdanken wir nach George L. Mosse niemand anderem als Johann Joachim Winckelmann.

Wann: Mo, 22.01.2018, 19.30 Uhr

Wo: taz Café

Rudi-Dutschke-Str. 23

10969 Berlin Kreuzberg

Eintritt frei

Mehr noch: Johann Joachim Winckelmann machte den muskulösen Männerkörper in seinen Briefen explizit zum sexuellen Lustobjekt. Goethe transformierte Winckelmanns „Wollust“ in „Freundschaft“, worauf die Sexualität im 19. Jahrhundert unter Aufwendung aller Mittel aus der Altertumswissenschaft, der antiken Kunst und dem Männlichkeitsbild ausradiert wurde.

Jan Feddersen (IQN-Vorstand und taz-Redakteur) diskutiert dazu mit: Torsten Flüh, Philologe, der seit drei Jahrzehnten zu queeren Fragen forscht und lehrt, lebt in Berlin

Eine Veranstaltung der Initiative Queer Nations in Kooperation mit der taz.