Publizist über Realpolitik in Südamerika
"Buenos Aires hat etwas Frenetisches"
Vor acht Jahren war Argentinien pleite. Néstor und Cristina Kirchner regieren seither das Land. Ein Gespräch mit dem Publizisten Verbitsky über linke Realpolitik.von E.-C. Meier Und A. Fanizadeh
Leserkommentare
21.02.2010 15:28 Uhr
von Manuel:
Da hätten ein paar Nachfragen ganz gut getan.
Argentinien liegt weltweit mit seiner Inflation an dritter Stelle.
Eine Justiz, die unabhängig ist? Wer hier lebt weiß, dass es regierungsnahe Richter gibt. Bei einer Vermögensbereicherung in der Amtszeit der Kirchners gab es einen Zuwachs von 700% und Klage wurde abgewiesen. Es gibt ebenfalls Anschuldigungen eines Sekretärs Kirchners, der mittlerweile ein Millioniär ist.
Alfonsin war der erste demokratische Präsident nach der Diktatur und hatte mit einem noch mächtigen Mititär zu kämpfen. Kirchner hatte nach 20 Jahren Demokratie eine ganz andere Ausgangslage.
Das Problem Argentiniens sind die Lügen der regierung und die extreme Korruption. Argentinien ist schon wieder fast pleite und braucht jetzt ganz schnell Geld, deshalb will die Präsidentin unter einem Vorwand, die Auslandsschulden zu tilgen, das Geld der Zentralbank. Die Peronisten halten ihre "treue" Wählerschaft mit Geld. Da gibt es soziale Programme, wo die Empfänger erst einmal in die Peronistische Partei eintreten müssen.
Die "piquetes" sind organisiert von der Regierung, was hier jeder weiß.
Naja, und dass die Wirtschaft unbeschadet aus der Krise kam, hängt wohl eher damit zusammen, dass Argentinien schon vorher so weit unten war, dass so eine Krise nicht wirklich zu spüren ist, hier ist immer Krise.
13.02.2010 16:26 Uhr
von Christof Kehr:
Der aufrichtige Herr Verbistky, früher über jeden Verdacht erhaben, ist jetzt sehr stark in die Nähe zur Regierung gerückt. Ihr Interviewer hättet euch nciht zufrieden geben müssen mit seinem Abwedeln der Korruption. Gut ist, in Erinnerung zu rufen, wie die Militärs zurückgedrängt wurden, zu kurz der Konflikt mit Soja anbauenden Klein- und Großbauern - da ging es um enorma Abgaben im Vorfeld des Exports - und leider hättet ihr mal bei den Vermögensverhältnissen der Familie Kirchner nachhaken müssen, da grassieren irre Zahlen: Vermögen angeblich in drei Jahren verfünffacht etc etc.