Protestplakate gegen Bayer und Monsanto

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Kurz nachdem Campact Protestplakate gegen die Bayer-Monsanto-Fusion aufhängte, waren sie wieder weg. Wer steckt dahinter?

Ärzte halten Schilder hoch gegen Glyphosat

Eine andere Campact-Aktion: Ärzte gegen Glyphosat Foto: imago/Rolf Zöllner

BERLIN taz | Zwei Horrorgestalten blickten einem düster entgegen: „Kein Mega-Konzern aus Bayer und Monsanto!“, war auf den Schildern rund um den Konzernsitz des Chemieunternehmens Bayer in Leverkusen zu lesen. Vergangene Woche hatte die BürgerInnenbewegung Campact hier Plakate durch das Außenwerbungsunternehmen Ströer aufhängen lassen. Nun seien diese frühzeitig entfernt worden, meldet die Organisation – aufgrund von Beschwerden, habe ihnen das Unternehmen mitgeteilt. Campact hat den Chemieriesen im Verdacht: „Wir glauben, das ist der Konzern selber gewesen oder jemand aus dem Konzernumfeld“, sagt Campact-Campaigner Gerald Neubauer.

Die Plakate richteten sich gegen eine geplante Übernahme des weltgrößten Saatguthersteller Monsanto durch Bayer. Mitte Mai hatte Bayer Monsanto ein Übernahmeangebot von 62 Milliarden US-Dollar gemacht. Schon damals hatte es Kritik an einer möglichen Fusion gegeben. Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre lehnt die Fusion der beiden Global Player beispielsweise ab. Durch sie werde es noch schwieriger werden, etwas gegen Gentechnik zu unternehmen.

Acht Plakate wollte Campact nach eigenen Angaben eine Woche lang rund um den Bayer-Konzernsitz in Leverkusen aufhängen – ein extragroßes sollte sogar elf Tage lang zu sehen sein. „Das hat offensichtlich ziemlich gestört“, mutmaßt Neubauer von Campact. Am vergangenen Freitag, vier Tage nach Kampagnenstart, sei man von der Plakatefirma Ströer über die Beschwerden informiert worden. Die Plakate werde man daher entfernen, hieß es. Einen Tag später seien sie fort gewesen. Irgendwer fühlte sich auf den Schlips getreten. Nur wer?

Ströer äußerte sich dazu bis Redaktionsschluss nicht. Der Fall selbst sei ihm noch nicht bekannt, sagte Marc Sausen, Leiter der Konzernkommunikation, und bat sich mehr Zeit aus. Aus Konzernkreisen hieß es hingegen, dass der Fall intern schon diskutiert worden sei. Dies dementierte Sausen jedoch. Ein Bayer-Pressesprecher will bei Anfrage der taz zum ersten Mal von den entfernten Plakaten gehört haben. Der Konzern habe nichts mit den Beschwerden zu tun. Bayer habe keine Probleme mit Kritik, auch in der Belegschaft habe es weder Beschwerden noch Unruhen wegen der Plakate gegeben.

Axel Köhler-Schnurra von der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ ist von den Neuigkeiten nicht überrascht. Es sei bekannt, dass Unternehmen Druck ausübten. Bayer mache über Plakate etwa viel Werbung für Aspirin. So könne der Konzern gegenüber den Plakatunternehmen finanziell Druck ausüben. Er sagt, erfahrungsgemäß setze sich Bayer gegen Kritik zur Wehr.

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