In Stuttgart haben fast 20.000 Menschen gegen das Neubauprojekt "Stuttgart 21" protestiert. Ihr Hauptgegner: OB Schuster. Und der erklärte, dass der Bahnhof definitiv gebaut werde.von NADINE MICHEL

Leuchtender Protest in Stuttgart. Bild: apn
STUTTGART taz | Die Protestbewegung gegen das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ hat am Freitag erneut alle Erwartungen weit übertroffen. Gut 20.000 Demonstranten versammelten sich am Abend am Hauptbahnhof der baden-württembergischen Landeshauptstadt und bildeten eine Lichterkette vom abrissgefährdeten Nordflügel um den Bahnhof bis in den Schlossgarten. Dieser verwandelte sich in ein wahres Lichtermeer. Verschiedene Bands sorgten für eine Art Festivalstimmung.
Der oberirdische Kopfbahnhof soll in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof verwandelt werden. Zudem sollen Gleise in 33 Kilometer langen Tunnels unter der Stadt verschwinden. Weiterhin ist eine neue ICE-Trasse bis Ulm geplant. Die offiziellen Gesamtkosten belaufen sich auf 6,978 Milliarden Euro. Von Projektgegnern in Auftrag gegebene Studien kommen auf wesentliche höhere Gesamtkosten von bis zu elf Milliarden Euro.
Seit zwei Wochen mehren sich die Proteste gegen das Milliardenvorhaben, nachdem am Nordflügel der Bauzaun aufgestellt worden war. Im Vorfeld der Lichterkette hatten die Organisatoren 10.000 Teilnehmer erwartet. Nach Polizeiangaben waren es schließlich 18.000, die Organisatoren vermeldeten gar 21.000 Menschen – so viele Bürger auf jeden Fall, dass es, als sie sich die Hände reichten, gleich für mehrere geschlossene Menschenreihen reichte.
Nach einer Schweigeminute trafen sich alle im Schlossgarten und sorgten dort immer wieder mit Trommeln, Pfeifen und Vuvuzelas für einen ohrenbetäubenden Lärm. Zudem forderten sie lautstark „Schuster raus“. Der bei den Projektgegnern äußerst unbeliebte Stuttgarter Oberbürgermeister von der CDU hatte erst am Freitag noch erklärt, die Leute müssten akzeptieren, dass der neue Bahnhof definitiv gebaut werde.
Nach der Protestkundgebung im Schlossgarten zogen die Demonstranten gegen 21 Uhr durch die Innenstadt bis zum Rathaus und verwandelten auch dort den Marktplatz in ein Lichtermeer. Die Polizei wies anschließend daraufhin, dass der Marsch zum Rathaus nicht angemeldet gewesen sei. Es sei aber alles friedlich verlaufen.
Am Freitagmorgen hatten erste Abrissarbeiten am Bahnhof begonnen. In aller Frühe war ein Bagger angerollt, der das Vordach des Nordflügels abgerissen hatte. Massivere Abrissarbeiten werden für Anfang nächster Woche erwartet.
Am kommenden Freitag soll es seitens der Projektgegner erneut einen Schweigemarsch vom Nordflügel des Hauptbahnhofes zum Rathaus geben.
Der Freispruch für einen Richter wird aufgehoben, der einen Angeklagten zur Einschüchterung in eine Gefängniszelle gesperrt hatte. Der Prozess wird nun wiederholt. von Christian Rath

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Leserkommentare
16.08.2010 15:45 | Bambi
Ich denke die Schwaben haben zu viel Gled. Dafür sollte man lieber die Kindergärten und Schulen modernisieren.Aber da hat m ...
15.08.2010 12:46 | DuMachstDenKakao
Traurig zu sehen, dass die gewählten Volksvertreter die Proteste ignorieren. Ein Volksentscheid wäre hier Sinnvoll da die i ...
15.08.2010 12:04 | Michael Schreiberle
Einladung zum Schwabenstreich in Berlin: Mittwoch, 18.8.2010, 19 Uhr im HBF. Hinkommen und weitersagen! http://twitpic.com ...