• 29.08.2010

Propst Hinrich Claussen über Kirche ohne Arme

"Wir erleben eine Milieuverengung"

Die evangelische Kirche ist fest in den Händen der Mittelschicht. Die Menschen von oben fehlen - aber auch die von unten. Letztere aus Scham, glaubt der Hamburger Propst Jan Hinrich Claussen.von Friederike Gräff

  • 30.08.2010 12:29 Uhr

    von Irene:

    Ah, die Kirche und die Armen. Da fragt man sich schon, wer von beiden sich eigentlich "schämen" sollte.

    Hat sich die evangelische Kirche denn je entschieden gegen die Hartz-Reformen ausgesprochen?

    Eher nicht, wie aus einem Interview mit Bischof Huber aus dem Jahr 2004 hervorgeht:

    spiegel: Konkret: Ist Hartz IV die richtige Politik?
    Huber: Im Ansatz ist das ein notwendiger Schritt. Es ist nachvollziehbar, dass man steuerfinanzierte Leistungen für Menschen, die nicht in Arbeit sind, zusammenführt und deshalb Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe verknüpft.

    spiegel: Sie finden es also in Ordnung, wenn Menschen ohne Arbeit künftig weniger Geld bekommen.
    Huber: Ich weiß, dass Menschen, die aus einem relativ hohen Verdienst kommen, solche Einschnitte als sehr schmerzlich empfinden. Aber ich sage: Ein gewisser Abstieg wird unvermeidlich sein, wenn man eine solche steuerfinanzierte Leistung überhaupt haben will.

    spiegel: Ein Arbeitslosengeld II mit einer Regelleistung von 345 Euro (West) oder 331 Euro (Ost) plus Wohn- und Heizgeld ist demnach genug?
    Huber: Auch wenn es für Menschen, die aus einem vorher besseren Lebensstandard kommen, nur schwer akzeptabel ist: Als Grundsicherung wird das zurzeit ausreichen müssen.

    http://www.ekd.de/aktuell/rv_spiegel_interview_hartz4.html

    Die Menschen sind nicht dumm und ich fürchte, mit einer warmen Suppe lässt sich das nicht wieder gutmachen.

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