Die evangelische Kirche ist fest in den Händen der Mittelschicht. Die Menschen von oben fehlen - aber auch die von unten. Letztere aus Scham, glaubt der Hamburger Propst Jan Hinrich Claussen.von Friederike Gräff
Ah, die Kirche und die Armen. Da fragt man sich schon, wer von beiden sich eigentlich "schämen" sollte.
Hat sich die evangelische Kirche denn je entschieden gegen die Hartz-Reformen ausgesprochen?
Eher nicht, wie aus einem Interview mit Bischof Huber aus dem Jahr 2004 hervorgeht:
spiegel: Konkret: Ist Hartz IV die richtige Politik? Huber: Im Ansatz ist das ein notwendiger Schritt. Es ist nachvollziehbar, dass man steuerfinanzierte Leistungen für Menschen, die nicht in Arbeit sind, zusammenführt und deshalb Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe verknüpft.
spiegel: Sie finden es also in Ordnung, wenn Menschen ohne Arbeit künftig weniger Geld bekommen. Huber: Ich weiß, dass Menschen, die aus einem relativ hohen Verdienst kommen, solche Einschnitte als sehr schmerzlich empfinden. Aber ich sage: Ein gewisser Abstieg wird unvermeidlich sein, wenn man eine solche steuerfinanzierte Leistung überhaupt haben will.
spiegel: Ein Arbeitslosengeld II mit einer Regelleistung von 345 Euro (West) oder 331 Euro (Ost) plus Wohn- und Heizgeld ist demnach genug? Huber: Auch wenn es für Menschen, die aus einem vorher besseren Lebensstandard kommen, nur schwer akzeptabel ist: Als Grundsicherung wird das zurzeit ausreichen müssen.
Leserkommentare
30.08.2010 12:29 Uhr
von Irene:
Ah, die Kirche und die Armen. Da fragt man sich schon, wer von beiden sich eigentlich "schämen" sollte.
Hat sich die evangelische Kirche denn je entschieden gegen die Hartz-Reformen ausgesprochen?
Eher nicht, wie aus einem Interview mit Bischof Huber aus dem Jahr 2004 hervorgeht:
spiegel: Konkret: Ist Hartz IV die richtige Politik?
Huber: Im Ansatz ist das ein notwendiger Schritt. Es ist nachvollziehbar, dass man steuerfinanzierte Leistungen für Menschen, die nicht in Arbeit sind, zusammenführt und deshalb Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe verknüpft.
spiegel: Sie finden es also in Ordnung, wenn Menschen ohne Arbeit künftig weniger Geld bekommen.
Huber: Ich weiß, dass Menschen, die aus einem relativ hohen Verdienst kommen, solche Einschnitte als sehr schmerzlich empfinden. Aber ich sage: Ein gewisser Abstieg wird unvermeidlich sein, wenn man eine solche steuerfinanzierte Leistung überhaupt haben will.
spiegel: Ein Arbeitslosengeld II mit einer Regelleistung von 345 Euro (West) oder 331 Euro (Ost) plus Wohn- und Heizgeld ist demnach genug?
Huber: Auch wenn es für Menschen, die aus einem vorher besseren Lebensstandard kommen, nur schwer akzeptabel ist: Als Grundsicherung wird das zurzeit ausreichen müssen.
http://www.ekd.de/aktuell/rv_spiegel_interview_hartz4.html
Die Menschen sind nicht dumm und ich fürchte, mit einer warmen Suppe lässt sich das nicht wieder gutmachen.