Vernachlässigung, Kinderarmut, unterbezahlte Erzieherinnen: Die Diskussion kocht immer hoch, wenn es um Kinder geht. Machen wir zu viel Aufhebens um sie?
Sicher, mit dem Kind fängt die "individualbewußte" und gesellschaftliche Bildung / Bewußtseinsbetäubung zur Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche an, aber die zentrale Frage / der Tanz um den heißen Brei / Kommunikationsmüll lautet doch immer: "WER SOLL DAS BEZAHLEN?"!?
12.05.2009 00:15 Uhr
von Nik:
Die räumliche Zentrierung von Kindern in Kitas und Schulen ? Das Zentrieren des Lebenssinn der Eltern auf ihre Kinder ? Das Zentrieren der Wahrnehmung der Erwachsenen auf Kinder als gesellschaftliche Zukunft in Bezug auf Arbeit, Bildung, Rente ? momo fragt was gemeint ist: "das Zentrieren der Wahrnehmung der Erwachsenen auf Kinder als soziale Zukunft in Bezug auf die eigene Familie ? Oder Kindzentrierung als Gegenkonzept zur Ichzentrierung ? Oder zur Wirtschaftszentrierung, gerade in der Wirtschaftskrise und der dadurch ausgelösten Existentialistischen Krise?" Hallo Momo, gemeint ist Zentríerung als Fixierung. Das Objekt ist beliebig. Kinder sind ideal, weil vermeintlich neutral - eine unvderbindliche Abreaktion. Die Konstruktion von Kindheit - wessen Werk ist das? Frag doch bitte weiter. N.
11.05.2009 16:22 Uhr
von Momo:
Ich gestehe, ich verstehe nichts !
Was ist mit Kindzentrierung denn hier gemeint ?
Die räumliche Zentrierung von Kindern in Kitas und Schulen ? Das Zentrieren des Lebenssinn der Eltern auf ihre Kinder ? Das Zentrieren der Wahrnehmung der Erwachsenen auf Kinder als gesellschaftliche Zukunft in Bezug auf Arbeit, Bildung, Rente ? Das Zentrieren der Wahrnehmung der Erwachsenen auf Kinder als soziale Zukunft in Bezug auf die eigene Familie ? Oder Kindzentrierung als Gegenkonzept zur Ichzentrierung ? Oder zur Wirtschaftszentrierung, gerade in der Wirtschaftskrise und der dadurch ausgelösten Existentialistischen Krise?
Schon an der Überschrift verzweifle ich.
Ich verstehe unter Kindzentriertheit eine bestimmte Art sich mit dem kindlichen Gegenüber auszutauschen. Nicht die Beziehung ob ich Mutter, Vater, Lehrer oder ein Fremder bin, hat Einfluß auf meine Kindzentriertheit, sondern allein ob ich dem kindlichen Menschen auf Augenhöhe und mit Respekt für seine induviduell kindlichen Bedürfnisse gegenübertrete. Ausschlaggebend für die Bewertung der Kindzentriertheit ist das Erwachsenen-verhalten. Dieses kindzentrierte Verhalten ist aber von Natur aus eher demütig dienend, kräfteaufreibend, zeitaufwendig und abwartend passiv. Hier geht es um Impulse zu setzen und positive Entwicklungen zu stärken. Es ist ein emanzipatorisch induviduelles Erziehungsideal, was sich der persönlichen Reife und Situation des Kindes anpasst, nicht nach Pisa-Ergebnissen schielt und auch nicht das systemrelevante Kind bevorteilt.
Somit gibt es für mich kein Pro und Contra.
Sehr wohl gibt es die Frage, ob wir uns gesellschaftlich ein solches Erziehungsideal leisten können oder wollen.
Steht es doch im Widerspruch zu allen anderen von mir genannten Arten der Kindzentriertheit und im völligen Gegensatz zur Ichzentriertheit, dem eigentlichen Motor des Neoliberalismus und des Dünkeldenkens.
Kindzentrierung
11.05.2009 12:47 Uhr
von Nik:
Kindzentrierung ist Teil einer doppelbödigen Leitkultur - auf der einen Seite fallen die Spielräume für Kindheit dank Stadt - und Landschaftsplanung/gestaltung, Bildungs & Sozialpolitik immer enger aus bzw. auseinander und machen lokale / soziale Bezüge nahezu unmöglich, auf der anderen Seite folgt die Kind/Jugendzentrierung in der Öffentlichkeit - im öffentlichen Raum - sowohl ideologischen wie kommerziellen Interessen. Die Freiheit des Kindes / Jugendlichen als (von Eltern finanzierter) Konsument und Marktteilnehmer - nicht als künftiger Produzent und handlungsfähiger Akteur in Betrieb und Gesellschaft steht im Vordergrund. Kindzentrierung mit pseudohumanist. Anstrich ist Teil der middle-class Phantasien vom privaten Glück - zu dem Kinder als "unsere Zukunft" hinzu genommen werden - damit die selbstbezogene borniert-biedere Substanz nicht allzu sichtbar wird. Mit Kindzentrierung ist immer auch ein mutterzentriertes Familienleben gemeint - was bei den Akteurinnen einerseits Fortschreibung von Besitzstandsdenken bedeutet, andererseits an die Adresse der Herren der Schöpfung die Alimentierung - ohne nennenswerten Einfluss dieser Zahlväter - dieses Familienidylls einfordert. "Die" Väter bleiben im Diskurs ebenso abstrakt wie "die" Kinder - das ist auch eine Form der Ideologisierung. Kindzentrierung ist durchweg ein Frauen/Mütterthema - eine repressive Aneignung, nicht eine Zueignung und als solche ganz und gar unabhängig von pro oder contra, und: bar jeden Veränderungspotentials - weil die weibliche Welt sich in ihren jeweiligen Halbwelten mehr oder weniger selbstgenügsam eingerichtet hat und lediglich oberflächlich an ihren Widersprüchlichkeiten laboriert. Kindzentrierung ist ein Symptom von Unzufriedenheit bei den Müttern, hier findet eine Konfliktverschiebung statt - diese verdeckt häufig die partiellen Partnerersatzfunktionen von Kindern / Kindheit etc. in diesen ach so harmonisch-geschlechtsexklusiven bzw. aufgeklärt gegenderten / desexualisierten Kontexten. Hinweis: es handelt sich um Mädchen und Jungen - meine Damen und Herren! Deren Perspektiven hängen von der Gestaltungskraft beider Geschlechter in der Gesellschaft ab, der Kindzentrierungsdiskurs ist aber lediglich in einem Teil einer Gesellschaft in der Gesellschaft wirksam - d.h. es existiert eine institutionalisierte Parallelgesellschaft (Mutter-Kind-Bezugssysteme) die mit o.g. Diskursen nur versucht sich gegen die eigenen Ambivalenzen zu immunisieren. Viel Erfolg!
10.05.2009 18:53 Uhr
von Norman Frey:
Pro und Contra? Die Resumee beider Meinungen sagen doch genau das selbe aus...Leute werdet (wieder) erwachsen!
10.05.2009 10:43 Uhr
von Fleur:
Um Kinder können wir gar nicht genug Wind machen, sie sind unsere Zukunft. Was gibt es da noch zu erörtern? Anderer Meinung kann eigentlich nur eine Anhängerin der „no future“ - Sekte sein. @Pro: Kinder machen keine Politik und das ist auch gut so. Was dabei heraus kommen könnte sehen wir an der aktuellen Wahlkampfschlacht auf Kindergartenniveau (nä-nä-nä-nänää-nää!). Höhere Bildungsabschlüsse sind nicht die billigere Variante, die Lehrer sind teurer, die Ausbildung länger.. etc. Die Hauptschule ist am billigsten, ihre Absolventen finanzieren mit Steuern, die sie bereits als Minderjährige zahlen auch höhere Schulen mit – Kinderarbeit, wenn man so will. „Väter sind wiederum nur als Männer interessant“ - wie bitte? Frauen an die Vaterschaft! @Contra: Was sollen denn bitte „Migrantenkinder“ sein? Kinder die im Ausland geboren wurden und dann eingewandert sind oder Kinder von Eltern, die eingewandert sind oder Kinder einer Familie die aus dem Ausland stammt und eingewandert ist? Was ist mit den Adoptierten und den Adoptierenden, mit internationalen Familien? Schubladendenken vom feinsten. Alleinerziehend, der Begriff ist schon ein Unding, als könnte irgendwer Kinder alleine erziehen. Das deutsche Familienrecht sorgt dafür, dass alles beim Alten bleibt, was für die Kinder eine echte Katastrophe bedeutet, für die Eltern, je nach Kooperationsgrad beider Seiten alles drin sein kann aber nichts drin sein muss. Für die deutschen Familiengerichte eine ABM ohne Übernahme von Verantwortung. Rechtssicherheit ist in Deutschland oft ein höheres Gut als die Rechte von Kindern oder Eltern.
08.05.2009 15:39 Uhr
von Beate:
"Niemand bekommt Kinder, um durch sie den "Wirtschaftsstandort" oder das Rentensystem zu retten - Stefan Fuchs hat es im Interview mit FreieWelt.net klar gestellt:
@Frank Du hast recht! Wurde auch in vielen Medien falsch dargestellt. Hier das Original: http://www.bmg.bund.de/cln_153/nn_1191726/sid_728686F52B5A311BFA64BFBB397EBADE/nsc_true/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/Drogenbeauftragte/2009/09-05-04_20Drogen-_20und_20Suchtbericht_202009.html?__nnn=true
08.05.2009 14:44 Uhr
von Erzieher:
Kinderwunsch dürfte schon immer mehr oder weniger ferngesteuert gewesen sein, ob nun im Rahmen arrangierter Ehen auf Stammesniveau (bis hinauf in die Adelshäuser vordemokratischer Gesellschaften) oder durch Bestechungsgelder von Seiten des Staates. Es ist sicher nicht zu erwarten, dass die Politik in Zukunft von solchen Versuchen ablassen wird, jedenfalls nicht, solange die Bevölkerung in deren Sinne mechanisch reagiert.
Den Kindern selbst ist das später zum Glück egal, außer es findet nach abnormen Maßnahmen eine (selbst-)Stigmatisierung statt, wie z.T. bei "Kraft durch Freude"-Kindern aus der Nazizeit. Solange jemand die eigene Existenz gesellschaftlich anerkannten Motiven verdankt, bleiben diese Einflüsse wahrscheinlich unbeachtet, wenn es später zu emotionalen Schieflagen im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern kommt. Die können wohl eintreten, wenn z.B. die technischen Voraussetzungen wegbrechen, die zum Kinderwunsch geführt haben, ohne dass an deren Stelle eine nachträgliche Annahme des Kindes auf rein emotionaler Ebene zustande kommt.
Dass es nur um "Vermehrung deutschstämmiger Mittelklassekids" geht (Zitat Contra), wäre vielleicht mit Fakten zu untermauern. Sonst hieße das, dem demokratischen Diskurs rassistische Ambitionen anzudichten. Und selbst wenn dem so wäre, müsste sich ja noch lange keiner daran halten. Die deutschstämmige Bevölkerung würde sich vielleicht ganz gerne mit Dazugekommenen gemeinsam vermehren, wenn dies nicht immer noch in weiten gesellschaftlichen Räumen geächtet wäre - dies leider auch unter Zuwanderern.
08.05.2009 14:44 Uhr
von monika domke:
Pro und Contra widersprechen sich m.E. nicht, sondern ergänzen sich. Die meisten Medien und die Mainstream-Politik sorgen sich nicht wirklich um die Kinder als Kinder, denn Vorschläge zur Verbesserung ihrer Situation gibt es genug. Dass die real volkswirtschaftlich begründete Sorge sexistische, rassistische und klassenspezifische Anklänge hat, wie in der Contra-Position aufgezeigt wird, ist nicht neu, sollte aber immer wieder aufgezeigt werden. Allerdings ist es wirklich notwendig sich Sorge um Kinder zu machen, sowohl um die 20%, die von Armut betroffen sind als auch um die, die von Zukunftslosigkeit, Schulstress, Konsumstress, Klimagefährdung etc. etc. bedroht sind. Und darum müssen wir Erwachsene uns sorgen, denn Kinder siond num aml in einer abhängigen Position.
08.05.2009 14:44 Uhr
von xxxfem:
Dass die Ausrufung der "Bildungsmisere" (z.B. PISA von OECD=wirtschaftlich motiviert) vor allem ökonomischen Interessen zur Durchsetzung im Zuge des "Humankapital-Ansatzes" dient, wird hier nicht reflektiert. Zum Koma-Saufen, Binge-Drinking, Alkoholabusus lese man: http://www.bildblog.de/7793/im-rausch-der-schlechten-zahlen/
Ist der Autor von "contra" da nicht selbst einer Ideologie aufgesessen?
08.05.2009 14:09 Uhr
von Anne Gilles:
Jeder von uns war mal ein Kind. Jeder kennt die Leiden und Verbiegungen welche jedem wiederfahren. Ist es da nicht geboten - aus Erfahrung - sich um die Kinder besonders zu sorgen. Das Leiden in der Welt zu vermindern - gerade für die Zukunft - das kann frau/man am besten ganz am Anfang. Und der Anfang ist nun mal die Kindheit für uns Menschen. Eine liebevolle Kindheit für alle Menschen schafft die Voraussetzung für eine lebenswerte, positive Gesellschaft. Angefangen von materieller Grundlage (Kindergrundeinkommen!) bis freier kostenloser Bildung (Chancengleicheit) und Anspruch auf eine intakte Umwelt.
08.05.2009 13:53 Uhr
von Frank:
Das mit dem Drogenbericht stimmt nicht. Laut dieses Drogenberichts ist der Konsum von Drogen und Alkohol unter Jugendlichen im allgemeinen zurück gegangen. Nur das Pränomen des "Komasaufens" kam häufiger vor...der gesamt Konsum ist aber gesunken.
Leserkommentare
12.05.2009 08:49 Uhr
von Dennis P.:
OHHHH JAAA !!!
12.05.2009 08:32 Uhr
von hto:
Sicher, mit dem Kind fängt die "individualbewußte" und gesellschaftliche Bildung / Bewußtseinsbetäubung zur Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche an, aber die zentrale Frage / der Tanz um den heißen Brei / Kommunikationsmüll lautet doch immer: "WER SOLL DAS BEZAHLEN?"!?
12.05.2009 00:15 Uhr
von Nik:
Die räumliche Zentrierung von Kindern in Kitas und Schulen ?
Das Zentrieren des Lebenssinn der Eltern auf ihre Kinder ?
Das Zentrieren der Wahrnehmung der Erwachsenen auf Kinder als gesellschaftliche Zukunft in Bezug auf Arbeit, Bildung, Rente ?
momo fragt was gemeint ist:
"das Zentrieren der Wahrnehmung der Erwachsenen auf Kinder als soziale Zukunft in Bezug auf die eigene Familie ?
Oder Kindzentrierung als Gegenkonzept zur Ichzentrierung ?
Oder zur Wirtschaftszentrierung, gerade in der Wirtschaftskrise und der dadurch ausgelösten Existentialistischen Krise?"
Hallo Momo,
gemeint ist Zentríerung als Fixierung. Das Objekt ist beliebig. Kinder sind ideal, weil vermeintlich neutral - eine unvderbindliche Abreaktion. Die Konstruktion von Kindheit - wessen Werk ist das? Frag doch bitte weiter. N.
11.05.2009 16:22 Uhr
von Momo:
Ich gestehe, ich verstehe nichts !
Was ist mit Kindzentrierung denn hier gemeint ?
Die räumliche Zentrierung von Kindern in Kitas und Schulen ?
Das Zentrieren des Lebenssinn der Eltern auf ihre Kinder ?
Das Zentrieren der Wahrnehmung der Erwachsenen auf Kinder als gesellschaftliche Zukunft in Bezug auf Arbeit, Bildung, Rente ?
Das Zentrieren der Wahrnehmung der Erwachsenen auf Kinder als soziale Zukunft in Bezug auf die eigene Familie ?
Oder Kindzentrierung als Gegenkonzept zur Ichzentrierung ?
Oder zur Wirtschaftszentrierung, gerade in der Wirtschaftskrise und der dadurch ausgelösten Existentialistischen Krise?
Schon an der Überschrift verzweifle ich.
Ich verstehe unter Kindzentriertheit eine bestimmte Art sich mit dem kindlichen Gegenüber auszutauschen.
Nicht die Beziehung ob ich Mutter, Vater, Lehrer oder ein Fremder bin, hat Einfluß auf meine Kindzentriertheit, sondern allein ob ich dem kindlichen Menschen auf Augenhöhe und mit Respekt für seine induviduell kindlichen Bedürfnisse gegenübertrete. Ausschlaggebend für die Bewertung der Kindzentriertheit ist das Erwachsenen-verhalten. Dieses kindzentrierte Verhalten ist aber von Natur aus eher demütig dienend, kräfteaufreibend, zeitaufwendig und abwartend passiv. Hier geht es um Impulse zu setzen und positive Entwicklungen zu stärken. Es ist ein emanzipatorisch induviduelles Erziehungsideal, was sich der persönlichen Reife und Situation des Kindes anpasst, nicht nach Pisa-Ergebnissen schielt und auch nicht das systemrelevante Kind bevorteilt.
Somit gibt es für mich kein Pro und Contra.
Sehr wohl gibt es die Frage, ob wir uns gesellschaftlich ein solches Erziehungsideal leisten können oder wollen.
Steht es doch im Widerspruch zu allen anderen von mir genannten Arten der Kindzentriertheit und im völligen Gegensatz zur Ichzentriertheit, dem eigentlichen Motor des Neoliberalismus und des Dünkeldenkens.
Kindzentrierung
11.05.2009 12:47 Uhr
von Nik:
Kindzentrierung ist Teil einer doppelbödigen Leitkultur - auf der einen Seite fallen die Spielräume für Kindheit dank Stadt - und Landschaftsplanung/gestaltung, Bildungs & Sozialpolitik immer enger aus bzw. auseinander und machen lokale / soziale Bezüge nahezu unmöglich, auf der anderen Seite folgt die Kind/Jugendzentrierung in der Öffentlichkeit - im öffentlichen Raum - sowohl ideologischen wie kommerziellen Interessen. Die Freiheit des Kindes / Jugendlichen als (von Eltern finanzierter) Konsument und Marktteilnehmer - nicht als künftiger Produzent und handlungsfähiger Akteur in Betrieb und Gesellschaft steht im Vordergrund.
Kindzentrierung mit pseudohumanist. Anstrich ist Teil der middle-class Phantasien vom privaten Glück - zu dem Kinder als "unsere Zukunft" hinzu genommen werden - damit die selbstbezogene borniert-biedere Substanz nicht allzu sichtbar wird. Mit Kindzentrierung ist immer auch ein mutterzentriertes Familienleben gemeint - was bei den Akteurinnen einerseits Fortschreibung von Besitzstandsdenken bedeutet, andererseits an die Adresse der Herren der Schöpfung die Alimentierung - ohne nennenswerten Einfluss dieser Zahlväter - dieses Familienidylls einfordert. "Die" Väter bleiben im Diskurs ebenso abstrakt wie "die" Kinder - das ist auch eine Form der Ideologisierung.
Kindzentrierung ist durchweg ein Frauen/Mütterthema - eine repressive Aneignung, nicht eine Zueignung und als solche ganz und gar unabhängig von pro oder contra,
und:
bar jeden Veränderungspotentials - weil die weibliche Welt sich in ihren jeweiligen Halbwelten mehr oder weniger selbstgenügsam eingerichtet hat und lediglich oberflächlich an ihren Widersprüchlichkeiten laboriert. Kindzentrierung ist ein Symptom von Unzufriedenheit bei den Müttern, hier findet eine Konfliktverschiebung statt - diese verdeckt häufig die partiellen Partnerersatzfunktionen von Kindern / Kindheit etc. in diesen ach so harmonisch-geschlechtsexklusiven bzw. aufgeklärt gegenderten / desexualisierten Kontexten.
Hinweis: es handelt sich um Mädchen und Jungen - meine Damen und Herren! Deren Perspektiven hängen von der Gestaltungskraft beider Geschlechter in der Gesellschaft ab, der Kindzentrierungsdiskurs ist aber lediglich in einem Teil einer Gesellschaft in der Gesellschaft wirksam - d.h. es existiert eine institutionalisierte Parallelgesellschaft (Mutter-Kind-Bezugssysteme) die mit o.g. Diskursen nur versucht sich gegen die eigenen Ambivalenzen zu immunisieren. Viel Erfolg!
10.05.2009 18:53 Uhr
von Norman Frey:
Pro und Contra? Die Resumee beider Meinungen sagen doch genau das selbe aus...Leute werdet (wieder) erwachsen!
10.05.2009 10:43 Uhr
von Fleur:
Um Kinder können wir gar nicht genug Wind machen, sie sind unsere Zukunft. Was gibt es da noch zu erörtern? Anderer Meinung kann eigentlich nur eine Anhängerin der „no future“ - Sekte sein.
@Pro: Kinder machen keine Politik und das ist auch gut so. Was dabei heraus kommen könnte sehen wir an der aktuellen Wahlkampfschlacht auf Kindergartenniveau (nä-nä-nä-nänää-nää!). Höhere Bildungsabschlüsse sind nicht die billigere Variante, die Lehrer sind teurer, die Ausbildung länger.. etc. Die Hauptschule ist am billigsten, ihre Absolventen finanzieren mit Steuern, die sie bereits als Minderjährige zahlen auch höhere Schulen mit – Kinderarbeit, wenn man so will. „Väter sind wiederum nur als Männer interessant“ - wie bitte? Frauen an die Vaterschaft!
@Contra: Was sollen denn bitte „Migrantenkinder“ sein? Kinder die im Ausland geboren wurden und dann eingewandert sind oder Kinder von Eltern, die eingewandert sind oder Kinder einer Familie die aus dem Ausland stammt und eingewandert ist? Was ist mit den Adoptierten und den Adoptierenden, mit internationalen Familien? Schubladendenken vom feinsten. Alleinerziehend, der Begriff ist schon ein Unding, als könnte irgendwer Kinder alleine erziehen. Das deutsche Familienrecht sorgt dafür, dass alles beim Alten bleibt, was für die Kinder eine echte Katastrophe bedeutet, für die Eltern, je nach Kooperationsgrad beider Seiten alles drin sein kann aber nichts drin sein muss. Für die deutschen Familiengerichte eine ABM ohne Übernahme von Verantwortung. Rechtssicherheit ist in Deutschland oft ein höheres Gut als die Rechte von Kindern oder Eltern.
08.05.2009 15:39 Uhr
von Beate:
"Niemand bekommt Kinder, um durch sie den "Wirtschaftsstandort" oder das Rentensystem zu retten - Stefan Fuchs hat es im Interview mit FreieWelt.net klar gestellt:
http://www.freiewelt.net/nachricht-1011/weitreichende-%22de-familialisierung%22-in-deutschland.html
08.05.2009 15:00 Uhr
von SieSuchtDieBeauftragte:
@Frank
Du hast recht! Wurde auch in vielen Medien falsch dargestellt. Hier das Original:
http://www.bmg.bund.de/cln_153/nn_1191726/sid_728686F52B5A311BFA64BFBB397EBADE/nsc_true/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/Drogenbeauftragte/2009/09-05-04_20Drogen-_20und_20Suchtbericht_202009.html?__nnn=true
08.05.2009 14:44 Uhr
von Erzieher:
Kinderwunsch dürfte schon immer mehr oder weniger ferngesteuert gewesen sein, ob nun im Rahmen arrangierter Ehen auf Stammesniveau (bis hinauf in die Adelshäuser vordemokratischer Gesellschaften) oder durch Bestechungsgelder von Seiten des Staates. Es ist sicher nicht zu erwarten, dass die Politik in Zukunft von solchen Versuchen ablassen wird, jedenfalls nicht, solange die Bevölkerung in deren Sinne mechanisch reagiert.
Den Kindern selbst ist das später zum Glück egal, außer es findet nach abnormen Maßnahmen eine (selbst-)Stigmatisierung statt, wie z.T. bei "Kraft durch Freude"-Kindern aus der Nazizeit. Solange jemand die eigene Existenz gesellschaftlich anerkannten Motiven verdankt, bleiben diese Einflüsse wahrscheinlich unbeachtet, wenn es später zu emotionalen Schieflagen im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern kommt. Die können wohl eintreten, wenn z.B. die technischen Voraussetzungen wegbrechen, die zum Kinderwunsch geführt haben, ohne dass an deren Stelle eine nachträgliche Annahme des Kindes auf rein emotionaler Ebene zustande kommt.
Dass es nur um "Vermehrung deutschstämmiger Mittelklassekids" geht (Zitat Contra), wäre vielleicht mit Fakten zu untermauern. Sonst hieße das, dem demokratischen Diskurs rassistische Ambitionen anzudichten. Und selbst wenn dem so wäre, müsste sich ja noch lange keiner daran halten. Die deutschstämmige Bevölkerung würde sich vielleicht ganz gerne mit Dazugekommenen gemeinsam vermehren, wenn dies nicht immer noch in weiten gesellschaftlichen Räumen geächtet wäre - dies leider auch unter Zuwanderern.
08.05.2009 14:44 Uhr
von monika domke:
Pro und Contra widersprechen sich m.E. nicht, sondern ergänzen sich. Die meisten Medien und die Mainstream-Politik sorgen sich nicht wirklich um die Kinder als Kinder, denn Vorschläge zur Verbesserung ihrer Situation gibt es genug. Dass die real volkswirtschaftlich begründete Sorge sexistische, rassistische und klassenspezifische Anklänge hat, wie in der Contra-Position aufgezeigt wird, ist nicht neu, sollte aber immer wieder aufgezeigt werden. Allerdings ist es wirklich notwendig sich Sorge um Kinder zu machen, sowohl um die 20%, die von Armut betroffen sind als auch um die, die von Zukunftslosigkeit, Schulstress, Konsumstress, Klimagefährdung etc. etc. bedroht sind. Und darum müssen wir Erwachsene uns sorgen, denn Kinder siond num aml in einer abhängigen Position.
08.05.2009 14:44 Uhr
von xxxfem:
Dass die Ausrufung der "Bildungsmisere" (z.B. PISA von OECD=wirtschaftlich motiviert) vor allem ökonomischen Interessen zur Durchsetzung im Zuge des "Humankapital-Ansatzes" dient, wird hier nicht reflektiert.
Zum Koma-Saufen, Binge-Drinking, Alkoholabusus lese man:
http://www.bildblog.de/7793/im-rausch-der-schlechten-zahlen/
Ist der Autor von "contra" da nicht selbst einer Ideologie aufgesessen?
08.05.2009 14:09 Uhr
von Anne Gilles:
Jeder von uns war mal ein Kind. Jeder kennt die Leiden und Verbiegungen welche jedem wiederfahren. Ist es da nicht geboten - aus Erfahrung - sich um die Kinder besonders zu sorgen. Das Leiden in der Welt zu vermindern - gerade für die Zukunft - das kann frau/man am besten ganz am Anfang. Und der Anfang ist nun mal die Kindheit für uns Menschen.
Eine liebevolle Kindheit für alle Menschen schafft die Voraussetzung für eine lebenswerte, positive Gesellschaft. Angefangen von materieller Grundlage (Kindergrundeinkommen!) bis freier kostenloser Bildung (Chancengleicheit) und Anspruch auf eine intakte Umwelt.
08.05.2009 13:53 Uhr
von Frank:
Das mit dem Drogenbericht stimmt nicht. Laut dieses Drogenberichts ist der Konsum von Drogen und Alkohol unter Jugendlichen im allgemeinen zurück gegangen. Nur das Pränomen des "Komasaufens" kam häufiger vor...der gesamt Konsum ist aber gesunken.