• 21.12.2007

Printmedien gegen Web 2.0

Die Arroganz der Papierverfechter

Mühelos kann heute jeder seine Meinung ins Netz posaunen. Davon fühlt sich mancher Profi auf den Schlips getreten - doch das spricht für einen merkwürdigen Minderwertigkeitskomplex.von Stefan Niggemeier

  • 31.12.2007 10:31 Uhr

    von Bernd:

    Stefan Niggemeier hat den bekannten Positionen zwischen Zeitungen und Bloggern aus meiner Sicht nichts Neues hinzugefügt. Durch Neuformulierungen gelangt man nicht zu einem verbesserten Erkenntnisgewinn oder gar zu einer Problemlösung.

    Sein Satz "Was sie beanspruchen, ist Teilhabe" hätte augebaut werden müssen zu der wirklichen Innovation der Diskussion, ich beschrieb es als "Leben ist Brückenschlagen" und komme zu dem Schluß, dass man zwischen Printmedien und Bloggern durch eine offene Diskussion zu Inhalten einer Informationssymbiose kommt: http://www.deutschland-debatte.de/2007/12/31/die-blog-nabelschau-ii/#comments.

    Was bringt es, wenn die Printmedien den Bloggern vorhalten, wie ungeschliffen oder sogar grob Blogger sind und Blogger entgegnen, die Printmedien würden nur Artikel der großen Nachrichtenagenturen mehr oder weniger aufgepeppt verarbeiten? Es wird mit dieser Position ein Kampf geführt, der die Tendenz zur Eskalation hat.

    Wir sollten von beiden Seiten erkennen lernen, dass jeder von uns in dieser Informationsgesellschaft eine Daseinsberechtigung hat. Nochmals: "Leben ist Brückenschlagen". Ich fordere Sie auf: Helfen Sie mit, Brücken zu schlagen!

  • 26.12.2007 16:14 Uhr

    von Manuel Hilderband M.A.:

    "federn" - Printmedien ./. WEB 2.0
    ach, das ist´s ja gar nicht...
    es ist das Flüchtige! Und es ist die Masse.
    Beim Flüchtigen hört man ungenau hin - bei Masse heißt´s hin und wieder Ausmisten.
    Literatur und Buch, einst, derzeit und weiter beständiger als Presse und Web-Blog.
    Zitieren wir Goethe, frühe Griechen, "alte" Ägypter. Sie wußten auch schon viel von Öffentlichkeit! Schön, dass es sie gibt.
    Neu und aktuell: Demokratie... von unten, oben, hinten vorn, direkt oder indirekt.
    Macht halt Spaß, Volkes Meinung.
    Guten Rutsch
    M. Hildebrand aus 14197

  • 24.12.2007 00:02 Uhr

    von Lothar Baier:

    Das musste mal gesagt werden. Genau so. Danke!

  • 23.12.2007 10:41 Uhr

    von David West:

    Sehr guter Kommentar. Beide Kommunikationsformen haben Vor- und Nachteile, beide sind sinnvoll, beide ergänzen sich. Die Intelligenz der Masse meint nicht die Intelligenz jedes Mitgliedes der Masse. Das kann man auch Demokratie nennen.

    Doch eigentlich würde ich lieber Herrn DOKTOR Graff kommentieren - doch da gibt es natürlich keine Kommentarfunktion. Deshalb möchte ich gerne Herrn DOKTOR Graff zitieren:

    "Schirrmacher hat auf die Polemik und die Eskalation im Netz reagiert und bei Spiegel Online eine Art kommentierter Lesehilfe nachgereicht. Auch diese Gebrauchsanweisung wurde natürlich wieder kommentiert. Unter anderem so: "Was soll man denn davon halten, wenn Schirrmacher . . . die Vorteile der Tageszeitungen quasi als Gegenmittel gegen die negativen Momente und Folgen des Internets anpreist? Hier wird natürlich ein Qualitätsgegensatz zwischen beiden Medien herbeigeredet."

    Nein, ihr Lieben, der wird nicht herbeigeredet. Der besteht. "

    Bei so viel unangebrachter Arroganz wird einem schlecht. Ich bitte alle Beteiligten darum, solch einen Artikel nur noch der qualitativ hochwertigeren Print-Leserschaft zukommen zu lassen.


  • 22.12.2007 23:05 Uhr

    von T. Gerdes:

    Danke!

    Der Artikel war ein schönes Weihnachtsgeschenk!

    Rund, ausgewogen, humorvoll und sachlich.

    Danke!

  • 22.12.2007 19:36 Uhr

    von Yadgar:

    Wenn ich mir ansehe, was in ungezählten Foren und Blogs an Dummheit, Ignoranz, Paranoia, Hass und unverhohlener Menschenverachtung herumschwappt, dann wünsche ich mir durchaus die Zeit zurück, als der Mob allenfalls im Mief der Vorstadtkneipen seine niederen Instinkte auslebte und der moralisch zurechnungsfähige Teil der Gesellschaft von diesem Dreck verschont blieb! Heutzutage hingegen kann jeder noch so kaputte Soziopath ein Blog aufmachen und seinen geistigen Giftmüll in die Welt kippen, was noch vor 20 Jahren in den allermeisten Fällen an Druckkosten und mangelnder Vertriebsinfrastruktur scheiterte - oder kann sich hier jemand erinnern, dass z. B. antisemitische Literatur im deutschen Buchhandel der 1980er Jahre eine nennenswerte Rolle spielte?

  • 22.12.2007 19:32 Uhr

    von polyphem:

    Ebenfalls: Klatsch Klatsch.

    Etwas Faust geht immer.

    ".....Der Mensch, der recht zu wirken denkt,
    Muss auf das beste Werkzeug halten.
    Bedenkt, Ihr habet weiches Holz zu spalten.

    Und seht nur hin, für wen ihr schreibt.
    Wenn Diesen Langeweile treibt,
    Kommt Jener satt vom übertischten Mahle.
    Und was das allerschlimmste bleibt,
    Gar Mancher kommt vom Lesen der Journale."

  • 22.12.2007 18:07 Uhr

    von Chefarztfrau:

    Ich bevorzuge den Begriff des Dilettantentums (ital. dilettare aus lat. delectare "sich ergötzen")

    Das Wort ist dabei keineswegs abwertend gemeint, sondern dient vielmehr dazu, die Tätigkeiten der Bohème? von denen derjenigen abzugrenzen, die sie zum Broterwerb ausüben müssen, den Lohnknechten also. Es besteht eben einfach ein Unterschied zwischen angewiesener Arbeit als Ware und freier menschlicher Tätigkeit.

    Schon die Berner Patrizierin Madame de Meuron fragte die Leute:

    "Syt dr öpper oder nähmet dr Lohn?" (Seit Ihr jemand oder nehmt ihr Lohn?)

    - das könnte man/frau/kind irrtümlich als Arroganz werten, tatsächlich ist es aber die alte Frage nach dem "Cui boni?" - und die ist eben absolut entscheidend für die Bewertung einer Information.

    Grüße

  • 22.12.2007 14:39 Uhr

    von Wilfried J. Klein:

    Gut auf den Punkt gebracht Stefan -weder Web2.0 noch 'Bürgerjournalismus' wird auf Dauer überleben. Nur wer qualifiziert recherchiert und seine Arbeit gut macht, wird be- und erlesenes Clientel haben, denke ich ... gilt sicherlich auch in den Online-Medien.

    In diesem Sinne frohe und besinnliche Weihnachten und ein gesundes, erfolgreiches 2008

    Wilfried J. Klein, freier Journalist Heuchelheim

  • 22.12.2007 14:12 Uhr

    von Eberhard Schneider:

    Lasst uns noch den Faktor Zeit bedenken. Wie jung ist das Mitmach-Netz und wie alt der Journalismus?
    Ich vermute, das Mitmach-Netz wird sich beruhigen und das Wertvolle wird besser findbar werden, wenn sich die Kurzatmigen, die nur einer neuen Mode hinterherlaufen, der nächsten Mode zuwenden.

  • 22.12.2007 10:28 Uhr

    von icke berlin:

    Alles richtig, und zum Teil auch nachzulesen unter > Medientheorien. Will sagen: eine publizierende Masse ist weder gut noch schlecht, sie i s t einfach im Medium - die Einlösung von B. Brecht Radiotheorie-Utopie. Die sich im Zusammenhang mit dem Mitmachweb stellende Frage ist für mich weniger die nach vermeintlicher Qualität, als vielmehr die nach dem Medium Internet und dem Umgang damit/der Meinungsbildung dort. Da liefern die Medienwissenschaften Erklärungen, die sicher noch verfeinert werden. Und hier noch ein geschlaumeierter Beweis dafür, dass Leser auf das Unwichtige achten: sekundäre Geschlechtsorgane? gibt es meines Wissens nach zum Glück noch nicht, gemeint sind wohl vielmehr sekundäre Geschlechtsmerkmale. Das ändert nichts an der Tatsache: guter Artikel.

  • 22.12.2007 09:51 Uhr

    von Antje:

    Wie wahr! Wer gelernt hat, Informationen zu sortieren, der kann mit einem zugemüllten Internet umgehen. Wer nicht sortieren kann, den macht auch das Printmedien-Angebot nicht unbedingt klüger.

  • 22.12.2007 08:53 Uhr

    von Michel Fried:

    Sie haben es auf den Punkt gebracht. Absolut korrekte Behandlung des Themas. Eine meiner Nutzungserfahrung in Foren fehlt allerdings. In schwierigen Themenstellungen helfen kluge und nachvollziehbare Analysen weiter. Kaum ein Journalist ist zur Analyse begabt, ihm fehlt das Sensorium. Er ist Redner, er ist Posaune, aber selten der tiefschürfende Denker.

    Ich habe in den Foren von Menschen, die sich oft lange auch beruflich mit einem Thema beschäftigten, brillante Analysen gelesen, die mir in meinem Streben nach Klärung weiterhalfen. Das Nachgeplapper der Medien in Zeiten der politischen Korrektheit zwecks Karriereförderung ist ja zumeist nur weiße Salbe auf schwärenden Wunden.

  • 21.12.2007 23:21 Uhr

    von Michael Reuter:

    "Es ist ein Missverständnis, anzunehmen, dass all die Leute, die nun als Mini-Publizisten haltlose Interpretationen des Weltgeschehens in ihre Webcams sprechen, damit gleich die Meinungsführerschaft beanspruchen. Was sie beanspruchen, ist Teilhabe: eine Stimme von vielen sein zu dürfen. Und das ist nichts weniger als das, was als Freiheit jedes einzelnen, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten ein zentraler Wert unseres Gemeinwesens ist, bislang aber mangels technischer Möglichkeiten oft nur Theorie blieb."

    Sie sprechen mir aus der Seele ;-)
    Genau das ist es, was die Nutzer von Yigg daran reizt, "mitzumachen". Rang- und Machtkämpfe mit Profi-Journalisten sind uns fremd. Mitmachen, seiner Stimme Gewicht verleihen - und das unzensiert - das macht den Reiz aus.

    Gruss aus München
    Michael Reuter

  • 21.12.2007 22:00 Uhr

    von polyphem:

    Wunderbar. Ich danke Detlef Guertler, der mich durch wiederholte Hinweise in seinem Wortistik-Blog auf Stefan Niggemeier neugierig gemacht hat. Man kann die obige Analyse zusammen fassen mit "Etwas Schund ist immer" Das gilt offensichtlich für alle Medien. Großartig, wie S.N. dann noch nebenbei seine "Freunde" von 9live als TV-Hütchenspieler tituliert.

  • 21.12.2007 18:22 Uhr

    von D.Deinert:

    Klatsch,Klatsch....... Jetzt tun mir die Hände weh vom Applaus:-)

    Demokratie ist schrecklich. Vor allen Dingen wenn die ungewaschene, dummen Leser/Hörer auch noch ihre Meinung herausposaunen können.

    Ich habe mal eine hübsche Definition von Amateur gehört:

    Amateur und Profi sollten beide ihr Fachgebiet beherschen. Es unterscheidet sie nur eine Sache: Der Amateur tut es wenn er mag, der Profi muss auch mit 1.5 Promille noch brauchbare Leistung bringen.
    Wiki schreib es ähnlich:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Amateur

    In den Printmedien ist so etwas ja noch manchmal zu finden, aber bei vielen habe ich das Gefühl, die Kollegen haben >1.5 Promille :-)

    Nochmal Klatsch Kaltsch
    Grusse

    Ps. Viel Glück in der 2. Instanz!

  • 21.12.2007 18:20 Uhr

    von Thomas Schmelzer:

    Großartiger Artikel. Besonders die Wiedererkennung des heutigen "Profi-Journalismus" in der Beschreibung des "2.0-Journalismus" trifft den Kern der Sache sehr genau: Kaum ist eine Debatte angeklungen, wird schon die nächste befeuert. Auf ein stimmiges Echo, oder gar ein Ergebnis wartet man vergebens!

  • 21.12.2007 18:10 Uhr

    von Jewgenij Protas:

    Sicherlich gibt es gute und qualifizierte Journalisten. Aber es gibt die sogenannten Unqualifizierte Journalisten. Vor etwa 1 oder 2 Monaten habe ich ein Interview mit dem Herrn Gorbatschow (die Zeitung will ich jetzt mal nicht nennen,es war nicht die taz.), dann habe ich wieder ca. 2 Wochen später wieder in einer anderen Zeitung das gleiche Interview gelesen und da hat der Gorbatschow auf die Frage gleichen Fragen wie bei einer anderen Zeitung ganz andere Antworten gegeben. In unserer heutigen Zeit hat fast alles mit Geld zu tun, deshalb schreiben die meisten Journalisten alles wenn das gut bezahlt wird. Man muss die Journalisten die Blödsinn niederschreiben bestrafen und den Presseausweis wegnehmen. Damit die endlich kapieren, dass wir Leser qualifizierte Informationen erwünschen.

    Jewgenij Protas

Ihr Name (wird angezeigt):*

Email (wird nicht angezeigt):*

Kommentar* - bitte beachten Sie unsere Netiquette:

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung Wenn Sie das Wort nicht lesen konnten, bitte hier klicken.

CAPTCHA Bild zum Spamschutz

Wenn Sie auf "Abschicken" klicken, wird ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an taz.de verschickt. Er wird veröffentlicht, sobald einRedakteur ihn freigeschaltet hat. taz.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus ähnlichen Gründen unangemessene Beiträge nicht zu publizieren.

*Pflichtfelder