• 04.07.2010

Präsidentschaftswahl in Guinea

Spannungen bei Stichwahl erwartet

Die Vertreter der beiden größten Volksgruppen erhalten die meisten Stimmen. Unruhen blieben aus, Beobachter sprechen von den freiesten Wahlen seit der Unabhängikeit.von Marc Engelhardt

  • 05.07.2010 16:11 Uhr

    von Daniel Preissler:

    Es gibt in Guinea noch zwei weitere Argumentationslinien gegen die Wahl eines Pheul zum Präsidenten.

    Die eine (rein ethnisch) lässt sich grob zusammenfassen mit der häufigen Aussage: "Ein Pheul darf niemals Präsident in diesem Land werden, den die Pheul sind eigentlich gar keine Guineer!" Die Pheul sind tatsächlich gleichzeitig die größte Bevölkerungsgruppe und diejenigen, die zuletzt zugewandert sind - vor etwa 200 Jahren.

    Die andere (sozial/ökonomisch/ethnisch) besagt, dass die Pheul, die witschaftlich dominante Gruppe, die der Sage nach sämtliche (legalen und illegalen) Geschäfte im Hafen von Conakry abwickelt, deren Mitglieder die Fahrer, Mitarbeiter und Angestellten der Weißen im Land sind (weil sie als zuverlässig gelten), die die besten Schulabschlüsse haben und am meisten Geld verdienen, wenn sie nun auch noch den Präsidenten stellen, wirklich das ganze Land kontrollieren und der Rest hinten runterfällt.

    Diese zweite Linie ist nicht ganz von der Hand zu weisen, fügt sich aber andererseits in den westafrikanisch/guineisch-muslimisch-mandestämmigen (keine Ahnung, was dabei den Ausschlag gibt) "Entschuldigungsdiskurs" ein, bei dem die andern (meistens die Franzosen) einen immer übers Ohr hauen wollen oder einfach mehr Glück haben, als man selber.

    Vorbehalte gegen die Pheul in Guinea folgen häufig tatsächlich antisemtischen Vorlagen bei uns (zumindest, wie es sie früher gab). Gleichzeitig gesteht ihnen aber jeder zu, die Qualitäten des "strebsamen deutschen Arbeiters" ebenfalls in die Wiege (bzw. auf de Rücken der Mutter? :-) ) gelegt bekommen zu haben.

    Letztendlich wird Diallo aber höchstwahrscheinlich gewählt werden, entweder, weil ausreichen Wähler unterlegener Kandidaten zuhause bleiben, oder weil ausreichen Bewohner der Waldregion für ihn stimmen, um einen Malinke zu verhindern. Die Vorbehalte der Waldguineer den Malinke gegenüber wiegen m.M. schwerer als ihre Komplexe den Pheul gegenüber.
    Einzige Hoffnung Condés wird sein, dass die Susu aus der Hauptstadtregion sämtlich für ihn stimmen, um einen Pheul zu verhindern. Aber das wird wohl nicht reichen. Guinea wird vermutlich nach einem Malinke, einem Susu (und, wenn man ihn mitzählt, einem Camara aus dem Wald, also wohl einem Mischling) einen Pheul zum Präsidenten bekommen. Und das ist - wiederum ethnisch gedacht - ja auch irgendwie ok. Ein guter Präsident wird er vermutlich nicht sein. Dazu sind ihm die Wirtschaftsleute zu wichtig und das Volk zu egal.
    Aber wir werden sehen...

    Grüße, DP

    PS: Meine letzte Bemerkung zur Herkunft Condés muss ich nach Rücksprache mit einem Bewohner des genannten Dorfes etwas korrigieren: Es kommt wohl nur sein Opa oder Vater oder Ur-Opa aus Baro, er selbst hat in Niederguinea (und rankreich) gelebt und spricht Malinke mit einem Susu-Akzent.

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