Die Polizeiführer einer geschlossenen Einheit sollen sich mit verbotenen Schlägerhandschuhen ausgerüstet haben. Untergebene erstatteten Anzeige. Polizeipräsident Glietsch: Die Selbstreinigungskräfte funktionieren.von PLUTONIA PLARRE
Erst Thor-Steinar-Klamotten, nun Schlägerhandschuhe - die Polizei hat einen neuen Skandal. Sieben Polizisten der sogenannten geschlossenen Einheiten sollen bei Einsätzen verbotene Quarzsandhandschuhe getragen und mit äußerster Härte agiert haben. Bei allen Verdächtigen handelte es sich um Beamte der unteren Führungsebene.
Der Vorfall ist von Untergebenen bei der zuständigen Direktion 4 (Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf) angezeigt worden. Polizeipräsident Dieter Glietsch wertet dies gegenüber der taz als Beleg dafür, dass die "Selbstreinigungskräfte in der Polizei funktionieren".
Die Quarzsandhandschuhe waren am Donnerstag in mehrfacher Ausfertigung bei einer Kontrolle auf der Dienststelle gefunden worden. "Aus meiner Sicht ist das eine Waffe", sagte Glietsch. "Der einzig bekannte Zweck ist, anderen Verletzungen zuzufügen." Die im Knöchelbereich mit Sand gefüllten Handschuhe würden von Teilen der gewaltbereiten Szene, auch von Neonazis, eingesetzt. Ob die Polizisten die Handschuhe wirklich trugen und damit Menschen verletzt wurden, werde ermittelt. Untersucht würden zurückliegende Einsätze bei Fußballspielen oder Demonstrationen.
Im Fokus der Ermittlungen steht ein aus rund 30 Beamten bestehender "Zug" - genauer gesagt der Zugführer, Gruppenführer, diverse Stellvertreter sowie der Hundertschaftsführer. "Wenn die Vorwürfe zutreffen, wofür einiges spricht, hat in dem Zug eine Fehlentwicklung stattgefunden, die von den unmittelbaren Führungskräften zu verantworten ist", so der Polizeipräsident. Er spricht von "einem Schlag in das Gesicht aller Polizeibeamten, die sich um ein besonnenes Verhalten bemühen". Der Vorfall sei ein Rückfall in alte Zeiten, in der die Einsatzhundertschaften wegen eines überharten Vorgehens kritisiert wurden. PLUTONIA PLARRE
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