Personalabgang im Weißen Haus

Hope Hicks kündigt Trump

Die Kommunikationsberaterin des US-Präsidenten geht. Kurz davor gibt sie bei einer Anhörung „Notlügen“ für Trump zu.

Eine Frau mit langen Haaren

Hope Hicks nach einem Treffen mit dem Geheimdienst in Washington Foto: reuters

WASHINGTON taz | Donald Trump war am Mittwoch noch unruhiger als gewöhnlich. Das lag vor allem an drei Personalien aus dem engsten Kreis des US-Präsidenten, die in innerhalb eines Tages das Weiße Haus in Aufruhr brachten. Zudem setzte Trump öffentlich auf Streit mit seinem Justizminister Jeff Sessions: Auf Twitter bezeichnete er dessen Versuch, missbräuchliche Schnüffeleien der US-Geheimdienste zu untersuchen, als „erbärmlich“. Der Minister, der schon länger auf Trumps Abschussliste steht, berief sich auf seine „Ehre“ und „Integrität“.

Die Personalien: Trumps ehemaliger Kampagnenchef Paul Manafort bekam einen Prozesstermin. Außerdem wurde bekannt, dass Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, den der Präsident für tauglich hält, den Israel-Palästina-Konflikt zu lösen, seinen Zugang zu Top Secret Informationen verlor. Und: Trumps Kommunikationsberaterin Hope Hicks gab bei einer fast neunstündigen Anhörung im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses gelegentliche „Notlügen“ für den Präsidenten zu. Am Morgen danach reichte sie ihre Kündigung im Weißen Haus ein.

Die 29-Jährige Hicks hat seit drei Jahren täglich mit Trump zusammengearbeitet: Bevor er seine Kandidatur bekanntgab, in der Wahlkampf-Phase und während der ersten 13 Monate im Weißen Haus war sie überall dabei. Damit gehörte Hicks zu Trumps längsten Mitarbeitern im Weißen Haus. Sie trug seine Dokumente, führte Journalisten zu ihm, stieg mit ihm in Hubschrauber und formulierte Erklärungen, mit denen das Weiße Haus versuchte, sein internes Chaos vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Hicks war auch beteiligt, als das Weiße Haus versuchte, seinen Stabssekretär Rob Porter zu retten, den zwei Ex-Gattinnen und eine Ex-Freundin gewalttätiger Übergriffe beschuldigten. Hicks' Problem im Fall Porter war allerdings, dass sie nicht nur ihrem Chef diente, sondern gleichzeitig auch privat mit Porter verbunden war.

Niemand kennt mehr Interna über den amtierenden US-Präsidenten in den zurückliegenden drei Jahren als Hicks. Trump hat sie oft sehr gelobt – wie auch jetzt nach der Kündigung. Das alles deutet nicht darauf hin, dass Trump seine Mitarbeiterin loswerden wollte. Zugleich ist schwer vorstellbar, dass ihm daran gelegen war, Hicks in seinem Stab zu halten, nachdem sie zugegeben hatte, für ihn gelogen zu haben.

Das Weiße Haus bemühte sich nach der Kündigung um Schadensbegrenzung. Hicks habe schon lange vorgehabt, das Weiße Haus zu verlassen. Dieselben Stimmen bestreiten auch, dass ein Zusammenhang mit den „Notlügen“ bestehe. Doch von einer neuen Stelle für Hicks ist bislang nichts bekannt und es ist nicht einmal klar, wie lange sie noch im Weißen Haus arbeiten wird und wer ihre Nachfolge antreten soll.

Hicks war nie politisch tätig, bevor sie zu Trump kam. Ihr erster Job war Modelling. Dann stieg sie in die PR-Arbeit ein und arbeitete für Ivanka Trump. Die Tochter reichte die junge Frau an den Vater weiter.

Der privilegierte langjährige Zugang zu Trump macht Hicks für die Russland-Ermittler interessant. Sie war auch an dem Versuch beteiligt, ein Treffen zwischen engen Trump-Mitarbeitern und einer russischen Anwältin zu vertuschen. Die Trump-Gefolgsleute waren zu dem Treffen gegangen, weil sie Informationen über „Dreck von Hillary“ erhofften. Als das Treffen bekannt wurde, behauptete Trumps Büro, es sei um die „Adoptionen von russischen Kindern“ gegangen. Bei ihrer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus am Dienstag machte Hicks „Exekutivprivilegien“ geltend, um nicht über russische Kontakte ihres Bosses und andere heikle Themen sprechen zu müssen.

Wenn sie nicht mehr im Weißen Haus arbeitet, wird es schwerer werden, gegenüber den Ermittlern „Exekutivprivilegien“ in Anspruch zu nehmen.

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