Nach Shimon Peres' Rede im Bundestag erhoben sich sämtliche Anwesenden. Nur Sahra Wagenknecht und Christine Buchholz blieben sitzen. Jetzt hagelt es Kritik an ihnen.von STEFAN REINECKE

Wollte nach der Peres-Rede im Bundestag nicht aufstehen: Sahra Wagenknecht. Bild: dpa
BERLIN taz | In der Linkspartei gibt es Streit um die Haltung zu Israel und das Gedenken an den Holocaust. Am vergangenen Mittwoch redete Schimon Peres, der israelische Staatspräsident, anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz im Bundestag. Peres Großvater wurde von den Nazis ermordet. Nach seiner Ansprache erhoben sich die Parlamentarier - doch die Linksparteipolitikerinnen Sahra Wagenknecht und Christine Buchholz blieben demonstrativ sitzen.
Solche Verweigerungsgesten sind im parlamentarischen Raum am Auschwitz-Gedenktag bislang nur von der NPD bekannt. Wagenknecht ist Wortführerin der Kommunistischen Plattform und will im Mai zur Vizechefin der Linkspartei gewählt werden. Buchholz kommt aus dem trotzkistischen Marx21-Umfeld.
Wagenknecht veröffentlichte am Montag eine Erklärung, in der sie ihr Verhalten rechtfertigt. "Zum Gedenken an die Opfer des Holocausts" sei sie im Bundestag selbstverständlich aufgestanden - nach Peres Rede allerdings nicht, weil sie "einem Staatsmann, der selbst für Krieg mitverantwortlich ist, einen solchen Respekt nicht zollen kann". Wagenknecht weiter: "Mein Verhalten bedeutet in keinster Weise, dass ich dem Anlass der Rede, dem Gedenken an das von Deutschen verübte Verbrechen des Holocausts, den Respekt versage. Vor den Opfern der Schoa verneige ich mich in tiefer Demut."
Ähnlich will, laut einer Mitarbeiterin, auch Buchholz ihr Verhalten verstanden wissen, die derzeit im Ausland ist. Von Sevim Dagdelen, deren Name auch genannt wurde, war keine Stellungnahme zu erhalten. Auch sie ist derzeit im Ausland. Heike Hänsel, der in der FAS vorgeworfen wurde, nach Peres Rede sitzengeblieben zu sein, bezeichnete dies als Falschmeldung. Sie war am Mittwoch nicht im Plenum.
Klaus Lederer, Landeschef der Linkspartei in Berlin, kritisiert Wagenknecht und Buchholz scharf. Der taz sagte er: "Wenn der Staatspräsident Israels am 27. Januar im Bundestag redet, dann ist es absolut inakzeptabel, ihm die Ehre zu verweigern." Dies sei, unabhängig davon, was man von der konkreten Politik Israels hält, "politisch kleingeistig".
Der Linkspartei-Abgeordnete Michael Leutert bekundete, er halte Wagenknecht als Vizeparteichefin für ungeeignet. Dieses Verhalten, so Leutert zur taz, war "einfach nur peinlich".
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
04.02.2010 19:01 | vic
@ Henryk Wirtz ...
04.02.2010 18:46 | vic
@ Jacek Szczerba ...
04.02.2010 15:17 | Anneliese
Wenn es um die Demonstration der Ablehnung gegangen waere, haetten die Damen der Veranstaltung komplett fern bleiben sollen ...