Der Papst predigt sitzend im Olympiastadion, die Stimmung ist ausgelassen. Und Erzbischof Rainer Maria Woelki nennt Berlin "Stadt der Märtyrer".von PHILIPP GESSLER

"Die Kirche ist das schönste Geschenk Gottes": Papst Benedikt XVI. bei der Predigt im Olympiastadion. Bild: dpa
BERLIN taz | Auf der gut zehnminütigen Fahrt auf der blauen Rennbahn des Olympiastadions küsste der Papst ein halbes Dutzend Babys, die ihm sein Privatsekretär in das Papamobil reichte. Das wurde im vollen Stadionrund bejubelt – rund 70.000 Gläubige waren versammelt.
Alles, was der Katholizismus an Pracht aufzubringen in der Lage ist, wurde hier aufgefahren: Musik, Talare, Weihrauch, Messdiener, Bischöfe. Ausgelassene Stimmung am Anfang, sogar mitten in der Messe gab es "Benedetto"-Rufe.
Der neue Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, nannte in seiner Begrüßungsansprache des Besuch von Benedikt XVI. ein "Jahrtausendereignis" für Berlin, dieser Metropole, die vielen als gottlos gilt. Woelki aber betonte: Berlin sei nicht gottlos, sondern vielmehr eine "Stadt der Märtyrer", denn nirgendwo sonst seien so viele Menschen während der NS-Zeit für ihren christlichen Glauben von den Nazis ermordet worden – übrigens Christen unterschiedlicher Konfessionen. Die Ökumene sei für die Katholiken der Stadt keine Nebensache, sondern "überlebenswichtig".
Als Geschenk erhielt der Papst vom Bistum in Erinnerung an die christlichen Märtyrer ein künstlerisch gestaltetes Fenster des ehemaligen Gefängnisses Plötzensee, wo die Nazis auch christliche Widerständler hingerichtet haben. Die MessdienerInnen der Stadt hatten ein Geschenk mit etwas weniger Pathos für den Papst: einen Bauarbeiterhelm, der wohl den Pontifex Maximus vor Angriffen schützen soll – aber ausgesprochen wurde das nicht.
Dann die Predigt des Papstes, die er im Sitzen vortrug: Sie war ein einziger Appell, der Kirche trotz aller "Verfolgungen" die Treue zu halten. Denn die Kirche sei mehr als eine ganz normale gesellschaftliche Organisation, auch wenn es in ihr "gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut gibt". Man sollte jedoch nicht nur den "Blick auf das Negative" fixiert halten, sonst komme keine Freude mehr auf: "Die Kirche ist das schönste Geschenk Gottes", sagte der Papst. Es war eine Predigt zum Aufrichten der deutschen Kirche. Sie geht durch die größte Krise ihrer Geschichte.
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Benedikt der XVI. kommt nach Deutschland und zieht wieder viele Katholiken an – sei es im Berliner Olympiastadion, in Erfurt oder im Reichstag. Aber nicht alle werden ihn mit einem Frohlocken empfangen: auf seinem Weg durch das Land stösst er auch auf Protest.
taz.de behält die päpstliche Tour durchs Land im Blick – in Reportagen und Analysen. Mit im Flugzeug des Papstes ist unser Korrespondent Philipp Gessler, der von seinen Eindrücken im taz-Blog berichten wird.
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Leserkommentare
24.09.2011 21:12 | Lincoln
Oh man, was werden hier Vorurteile und Urteile auf Grund Hörensagen gefällt. Wer sich einmal intensiv mit der Bundestagsred ...
24.09.2011 11:33 | Mirek M.
Wieso ist der Artikel unter "Politik Deutschland" abgedrückt. "Relli" ist keine Politik, auch wenn es sich um Massenverblö ...
23.09.2011 19:56 | NotorischerNoergler
@ Horst Schwabe ...