• 01.01.2010

Ortstermin bei der Piratenpartei

Nachhilfe in Sachen Urheberrecht

2009 ist die Piratenpartei zu einem Medienphänomen geworden, nicht zuletzt dank ihrer Erfolge bei der Bundestagswahl, und die Frage ist jetzt, was im neuen Jahr davon bleiben wird.von René Martens

  • 07.01.2010 13:05 Uhr

    von Matthias Wuttke:

    Mal wieder Spitzenklasse der Artikel.

    Oder doch eher eine Kolumne ???

    Kolumne = Meinungsbeitrag eines Autors
    Artikel = Nachrichtenbeitrag

    Definition Nachrichten:

    "Die Auswahl der Themen erfolgt nach dem Nachrichtenwert, der sich zusammensetzt: a) aus der Aktualität und b) aus dem Wissens-, Unterhaltungs- und Nutzwert. Mehr als alle anderen Darstellungsformen sind Nachrichten und Berichte am Ziel der Objektivität orientiert; sie müssen sich jeder Wertung enthalten. Nachrichten und Berichte zu schreiben, ist das journalistische Kernhandwerk."


    Egal ob man die Piraten mag oder nicht, hier drängt sich auf das es eben bei der Kompetenz "Journalistisches Kernhandwerk" arg mangelt.

    Oder ist etwa die FAZ ohne das wir es gemerkt haben an den Axel-Springer-Verlag verkauft worden? Sie schreibt ja immer mehr auf dem journalistischen Niveau der BILD.



  • 06.01.2010 02:17 Uhr

    von atlas:

    @robin
    du hast die tendenz erkannt doch leider ist die piraten partei nicht geeignet diese bewegung zu tragen auf dauer sehe ich sie eher als blockade da sie nicht mehrheitsfaehig werden kann und auch als koalitionspartner nicht kompatibel ist. wenn schon der parlamentarische weg eingeschlagen wird der geistige stroemungen einer groessenordnung beinhaltet wie sie ohne frage durch die mitglieder der piratenpartei vorhanden sind dann sollte dies mit mehr ernst. doch schon jetzt zeichnet sich die piratenpartei als klientepartei der nerds und gutmenschen mit guten materiellen verhaltnissen ab auf dauer wird sie den jenigen die versuchen die gesamte stroemung die von ihnen angedeuted wurde stimmen klauen und wenn dann bereits aemter und mandate verteilt sind sogar bekaempfen. daher kann die piratenpartei nur der erste schritt zu einer weltweiten heterogenen aber sehr viel groesseren und einflussreicheren bewegung sein die sich z.B in deutschland als erste kosmopolitische partei manifestieren koennte dann haetten wir zwar die kpd wieder aber das hat ja auch einen gewissen humor.

  • 05.01.2010 15:31 Uhr

    von Andy0815:

    Die Piratenpartei hat ihre Wurzeln in Schweden und dort wurde sie von den "thepiratebay.org" (Tauschbörsenseite) gegründet.

    Ihr zentrales Thema war das Urheberrecht und zwar die Legalisierung von Raubkopien im nicht kommerziellen Umfeld. (Irgendwie logisch, wenn man eine Tauschbörsenseite betreibt und deshalb auch schon in U-Haft war)

    Der Rest (Bürgerrechte, Kampf gegen Überwachung/Zensur) kam erst später hinzu, vermutlich weil man sich gedacht hat: "Hmm ist doch nicht so gut, wenn man nur ein einziges Thema hat".

    Ich verstehe eh nicht, warum sie groß was beim derzeitigen Urheberrecht ändern wollen, schließlich zahlen genau die Leute, die auch konsumieren, bzw. sollten das tun.

    Bei den anderen Vorschlägen (wie Kulturflatrate) würden die Kosten auf eine breitere Masse umverteilt werden, somit würde ich die "hardcore" Sauger mitfinanzieren.

    Natürlich spielen sich die Mitglieder selber als Experten in auf dem Gebiet auf und suggerieren, dass ihre Vorschläge vor allen den Musikern helfen, nur komisch, dass sich in deren Forum noch keiner der Künstler positiv zu den Vorschlägen geäußert hat. Auch gibt es in der Piratenpartei keinen einzigen Künstler, der auch wirklich seinen Lebensunterhalt alleine durch seine Kunst verdient.

    Spaß- oder Protestpartei bezeichnet die Piratenpartei ganz zutreffend.

  • 05.01.2010 04:48 Uhr

    von Robin:

    Ich muss zugeben,

    Piraten- oder Piratensymathisantenstatements in Kommentarfunktionen wie hier sind mir bisher auch oft als Trollerei erschienen, besonders das argumentlose, isolierte "Piraten wählen!" vor den Wahlen (bin selbst Piratenparteimitglied übrigens). Man darf allerdings eines nicht vergessen, viele der Mitglieder sind sehr jung und entsprechend spontan und aufbrausend in Politikforen. War sicher bei den Grünen früher nicht anders, nur gabs dann keine Forenpöbeleien, sondern statt dessen Pöbeleien auf der Straße gegen Pelzmantelträgerinnen usw.

  • 05.01.2010 04:42 Uhr

    von Robin:

    @tee jay
    Da geb ich dir absolut Recht mit deinen Bemerkungen hinsichtlich der Frage nach der Nerdpartei. Hervorragender Beitrag!

    Ich möchte hinzufügen: die Piratenpartei ist eines der ersten Symptome für eine neue 68er Bewegung, zusammen mit anderen außerparlamentarischen Strömungen.

    Diese neue 68er-Bewegung ist vielleicht weniger links als die damalige, oder sowohl von linken wie auch von wertkonservativen Kräften bestimmt. Jedenfalls geht es hier in erster Linie um den Kampf gegen (Politiker-)korruption, für Solidarität und gegen Neoliberalismus, für individuelle Freiheit statt Überwachungsstaat. Vieles davon ist politisch flügelübergreifend.

    Diese neue Bewegung ist noch im Embryonalstadium, eine enthusiastische und unprofessionelle Parteigründung hier, heftige Bolognaproteste dort, allgemeines Murren in der Bevölkerung usw. Und diesmal ist es kein Kampf der progressiven gegen die konservativen Mächte. Sondern ein Ekel des Volkes, wertkonservativ bis linksextremistisch, gegen die weltfremden und korrupten politischen Eliten, die sich für Großkonzerne prostituiert haben und dafür bereit sind, unser Land zu verscherbeln und den gierigen und spielsüchtigen Großkonzernen Hunderte von Milliarden in den Rachen zu schmeißen - auch auf Kosten von kleinen und mittelständischen Betrieben.

    Die Situation ist fast wie kurz vor 1789 in Frankreich, denn in diesem Geldhurenstaat werden nicht nur die Reichen immer reicher, sondern es verarmen außerdem immer mehr Familien und sie werden teilweise von den Politikern als Schmarotzer diffamiert, obwohl es nicht genug Jobs gibt für alle und es auch genug Hartz-IV-Aufstocker gibt.

    Und wir wissen alle, was 1789 in Paris passierte. Es wird echt mal Zeit, die Guillotine wieder aus dem Keller zu holen.

  • 05.01.2010 04:22 Uhr

    von Robin:

    Woran machen Sie bitteschön fest, dass Aaron König ein Rechtspopulist sein soll? Bisher ist mir nichts dergleichen untergekommen.

  • 05.01.2010 04:18 Uhr

    von Robin:

    @Christian Alexander Tietgen
    >>Erzähl doch die ganze Geschichte. Die ebooks waren illegale Versionen von "1984" und "Animal Farm"

    Genau das ist ja der Witz bei der Sache, auch wenn ich deine Argumente hierbei nachvollziehen kann - es ging ja gerade eben um Bücher, die für ihre Horrorvisionen vom Überwachungsstaat berühmt wurden.

    >>Wenn du Hehlerware kaufst und man sie bei dir findet, musst du sie auch zurückgeben. Stell dir mal vor, jemand klaut dein Fahrrad, verkauft es auf dem Flohmarkt und du siehst es dann beim neuen Besitzer wieder. Da würdest du es doch auch ganz gern wiederhaben, oder? Und in dem Fall würde der Käufer nicht mal sein Geld wiederbekommen.

    Im Rechtslehreunterricht Anfang der 90er hab ich das ganz anders beigebracht bekommen:
    nämlich wenn bei Hehlergeschichten Geld illegal weitergereicht wird und der Endkäufer ist arglos, geht also davon aus, dass alles legal verlief, dann darf man sich als beklauter Eigentümer zwar das Geld vom Endabnehmer zurückholen, denn Geld ist was beliebiges.

    Hingegen bei Waren nicht, denn dann kann sich der Eigentümer höchstens den Geldwert beim Dieb holen, evtl. noch beim Hehler, aber nicht beim arglosen Endabnehmer. Ging einfach darum, dass man als argloser Käufer bei einer stolzen "Flohmarkt-Eroberung" einigermaßen die Rechtssicherheit haben soll, dass er das neue Eigentum nicht einfach wieder entrissen kriegt.

    Um auf dein Beispiel zurückzukommen: den Verkäufer deines Fahrrads, wenn er arglos handelt und das Fahrrad im guten Glauben vom Dieb gekauft hat, dass es ihm gehörte - den kannst du nicht auf Rückgabe verklagen, ebensowenig den Dieb, wenn das Fahrrad mittlerweile verkauft ist. Du kannst nur den Dieb auf Schadensersatz verklagen, evtl. noch den Hehler (weiß ich nicht mehr so genau), aber dein Fahrrad ist futsch, auch wenn sein Geldwert gerettet werden kann. Falls der Dieb selbst der Hehler ist, gilt das alles natürlich ebenso.

    Entsprechend: wenn ich als argloser Käufer mir von XY irgendwelche ebooks runterlade in der irrigen Annahme, sie seien legal, darf sie mir der Eigentümer nicht einfach wieder wegschnappen nach dem Motto "die sind aber geklaut!". Erst recht nicht ohne Vorwarnung und Nachfrage. Sondern der Eigentümer muss das Thema Schadensersatz mit dem Dieb klarmachen, der mir die E-books geklaut hat.

    Also: bei illegalen E-Books darf der Käufer nicht für seinen Kauf haften, nur der Dieb und/oder Hehler. Umso schöner, dass das gerade mit "1984" geschehen ist.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich das BGB seit meiner Rechtsausbildung großartig geändert haben soll, denn dieses Prinzip ist in den westlichen Rechtssystemen spätestens seit Napoleons Code Civil gültig, also international, größtenteils sogar in den arabischen Scharia-Ländern (!).

  • 05.01.2010 00:20 Uhr

    von Singapur2:

    10 Monate schrieb ich nun an meinem Buch - es wurde phantastisch, doch dann wurde es nicht gedruckt, da der lektor es gescannt hatte und es nun sehr schnell weltweit verbreitet wurde.
    prima- ich bin nun überall bekannt, aber wovon lebe ich nun, denn kein Verleger will ein buch drucken, das jeder schn kennt.

    Das Fazit - ich muss hunger leiden , und werde sicher keine neuen Bücher mehr schreiben.

  • 04.01.2010 22:44 Uhr

    von Johann Quassowski:

    "Was ihr aber offensichtlich fehlt, ist der Kontakt zu jenen, die Kultur produzieren."

    Sind Blogger nicht mitlehrweile teilweise "kulturell"? oO :P

  • 02.01.2010 20:42 Uhr

    von Christian Alexander Tietgen:

    Also manchmal habe ich schon das Gefühl, zwischen den Stühlen zu stehen. Man muss doch den richtigen Mittelweg finden. Die Künstler müssen honoriert werden, aber das gegenwärtige System ist doch nicht das Wahre. Dass die Künstler verhungern liegt doch nicht daran, dass die bösen Piraten alle Leute dazu ermuntern, fleißig raubzukopieren. Es liegt vielmehr daran, dass die großen Plattenfirmen viel in die eigene Tasche stecken und sich nicht auf neue Vertriebswege einstellen. Wenn die Plattenfirmen viel mehr im Bereich des Internets anbieten würden, würden die Künstler auch wieder Geld verdienen. Und wenn sie überhaupt mal neue Vertriebswege suchen, dann landet meistens herzlich wenig davon in der Tasche der Künstler.

    Und jetzt noch mal zum Persönlichen. Ich finde es schon etwas erschreckend, wenn manche Piraten nur darauf fixiert sind, dass alles kostenlos sein soll. Aber sie haben doch recht damit, dass man etwas am System ändern muss. Raubkopierer sind keine Kinderschänder.

    Eigentlich sind die Piraten doch relativ links. Sie würden ja auch am ehesten mit den Grünen oder der Linken koalieren. Wenn sich Linke untereinander aufs Blut bekämpfen, ohne dass es einen echten inhaltlichen Anlass gibt (bis auf Egoismus vielleicht), dann ist das ziemlich kontraproduktiv. So rennen die Leute am Ende noch zur CDU. Die Piraten sind ganz bestimmt nicht rechtsextrem. In der CDU gibt es etliche Leute, die bedenkliche Äußerungen von sich geben, das kann also auch bei den Piraten mal passieren. Entscheidend ist doch, was im Parteiprogramm steht.

  • 02.01.2010 19:46 Uhr

    von milhouse:

    @tee jay

    "Wenn mir Amazon nachträglich und ohne mich zu fragen ein von mir ordentlich gekauftes Buch wieder wegnehmen kann, geht etwas schief."

    Erzähl doch die ganze Geschichte. Die ebooks waren illegale Versionen von "1984" und "Animal Farm". Der Verkäufer besaß keinerlei Rechte an ihnen und hat sie trotzdem verkauft (offenbar waren es Scans einer Papierausgabe). Die Käufer bekamen ihr Geld von Amazon zurück.

    Wenn du Hehlerware kaufst und man sie bei dir findet, musst du sie auch zurückgeben. Stell dir mal vor, jemand klaut dein Fahrrad, verkauft es auf dem Flohmarkt und du siehst es dann beim neuen Besitzer wieder. Da würdest du es doch auch ganz gern wiederhaben, oder? Und in dem Fall würde der Käufer nicht mal sein Geld wiederbekommen.

    Die unangekündigte Löschaktion war unglücklich, darum hat sich Amazon für sein abruptes Vorgehen entschuldigt und wird sich in einem neuen Fall noch kundenfreundlicher verhalten.

    Also alles etwas weniger skandalös, als es in deinem Post rüberkommt. So baut man Legenden auf, die sich dann in den Köpfen festsetzen. Muss ja nicht sein.

  • 02.01.2010 18:00 Uhr

    von tee jay:

    Da hatte ich gehofft, einen Artikel zu lesen, in dem die konzeptionellen Schwächen der Piratenpartei ausführlich behandelt werden, finde aber statt dessen die -zigste Abhandlung zum Thema "Arme Rechteinhaber, die bösen Piraten wollen euch verhungern lassen". Das Urheberrecht ist in der Tat ein Thema in dieser Partei, aber es ist nicht das Einzige. Die Piraten mögen ja vielleicht noch keine brauchbare Antwort auf die Fragen der digitalen Rechteverwertung haben, aber man braucht nur die vorhandenen, bis an den Rand der Unbenutzbarkeit verkrüppelten Aufzeichnungs- und Abspielgeräte ansehen, um zu wissen, dass das der Status Quo nichts taugt. Wenn mir Amazon nachträglich und ohne mich zu fragen ein von mir ordentlich gekauftes Buch wieder wegnehmen kann, geht etwas schief.

    Doch es geht nicht allein ums Urheberrecht, und das geht meiner Ansicht nach aus dem Artikel nur andeutungsweise hervor. Die Piraten haben sich im vergangenen Jahr als Partei der digitalen Bürgerrechte profiliert, haben viel Anerkennung beim Protest gegen Internetzensur und Überwachungsgesetze gewonnen. Das ist viel für Nerds, aber wenig für den Durchschnittswähler, den man braucht, um in Parlamente einziehen zu können. Die Frage, die sich der Partei stellt, ist vor allem die, ob sie es von der Nerdpartei zur Allgemeinpartei mit Nerdschwerpunkt schafft oder ob sie an diesem Wandel zerbricht. Schade, dass dies im Artikel kaum betrachtet wird.

  • 02.01.2010 16:35 Uhr

    von horstigall:

    mitglieder der partei werden vornehmlich als trolle wahrgenommen - ahja. oder eben als raffkes, auf das gute, wiewohl superbillige, sonntagsessen schielend. und hui wie heikel ist es, wenn der it-berater den einfluß der industrie begrenzen will. ach taz, wat machste nur. schlicht falsch ist die sache mit dem ersten werk als ebook, man google zum beispiel mal nach "riesenmaschine+buch" auch der lottmann hat damals sein buch als pdf für umme bereitgestellt, hatte ich damals übrigens aus eurer zeitung. naja.

  • 02.01.2010 14:19 Uhr

    von Ragism:

    Sehr wahr, Max Meier!

    Viele halten die Piraten noch immer für eine klassische Partei, deren Komplettpaket an Meinungen, Urteilen und Lügen man abzukaufen habe. So liest man auch häufig, die Piraten seien ein Haufen Spinner, der sich nur über Raubkopien Gedanken macht.

    Weit gefehlt! Die Piraten haben die große Chance, die erste wahrhaft demokratische Partei zu werden! Jeder, ausnahmslos jeder kann das Parteiprogramm sinnvoll mitgestalten und seine Anliegen vortragen.
    Wenn also Anhänger des bestehenden Urheberrechts über die Partei schimpfen, dann haben sie grundsätzlich nicht verstanden, daß auch sie zum Dialog und Mitgestalten eingeladen sind. Wer gerne einfach nur passiv über Parteien und Gruppierungen schimpft, der sollte sich besser mit den bestehenden Parteien befassen.

  • 02.01.2010 02:27 Uhr

    von Aaron Koenig:

    "Pantoffelpunk" sollte diesen Artikel von mir im FREITAG lesen, dann wird er erkennen, dass ich mit Rechtspopulisten rein gar nichts zu tun habe: http://www.freitag.de/positionen/0952-direkte-demokratie-schweiz-minarette

  • 01.01.2010 20:45 Uhr

    von Doc:

    Lieber Christian,

    es ist ja erfreulich, daß sich die Piraten mit den Kulturschaffenden auseinandersetzen wollen, aber ich habe auch öfter das Gefühl, daß ihnen dabei oft einen, nennen wir es freundlich, idealisierter Ablauf vorschwebt. Es gibt ein paar grundsätzliche Meinungen, Ideen wäre hier in meinen Augen schon zu konkret, aber keine auch nur ansatzweise ausgereiften Modelle. In diesem Punkt ist die Musikindustrie selbst übrigens auch noch keinen entscheidenden Schritt weiter.

    Zu ihrem letzten Absatz: Demjenigen, der die Leistung erbringt, darf doch wenigstens kein Schaden entstehen. Jede Form der Kultur-"Produktion" kostet Zeit und Geld. Das ist bis zu einem gewissen Punkt als Hobby machbar und die meisten Musiker und sicher auch viele unabhängige Filmemacher usw. betreiben ihre Leidenschaft auf nur auf Amateurniveau und kommen, das kann ich zumindest für den Musikbereich sicher sagen, nicht mal auf ihre Kosten.
    Ab einer gewissen Intensität kostet das Ganze aber so viel Geld und verlangt auch so viel Zeit, daß es zum Einen als Hobby nicht mehr finanziell tragbar ist und zum Anderen zeitlich auch keine volle Erwerbstätigkeit zulässt. Also muss mit der "Kunst" (in welcher Form auch immer) Geld verdient werden.
    Gleichzeitig bedarf es bei dieser gestiegenen Intensität auch einer anderen Maschinerie im Hintergrund, so ist auch heute im Internet immer noch wenig ohne einen professionellen Vertrieb, der dafür sorgt, daß die Musik auch zu erhalten ist, und eine professionelle Promotion, die dafür sorgt, daß der Interessent auch etwas von dieser Musik erfährt (ich beziehe mich hier wieder auf den Bereich, in dem ich mich leidlich auskenne), möglich.
    Dazu kommt, daß trotz einfacher erreichbarer Technologie die wirklich professionelle Produktion eines Albums auch heute noch Kosten im fünfstelligen Bereich verursacht. Wer die nicht aufbringen kann oder will, kommt wieder an einem Plattenlabel nicht vorbei. Und an diesem Punkt hätten wie die gesamte Plattenindustrie schon wieder im Booot.

    Hinweisen möchte ich noch auf diese recht interessante Diskussion, bei der sich sogar ein Vertreter einer Indy-Labels zu Wort meldet.: http://www.burnyourears.de/blogs/thorsten-mein-senf/6200-ausgepoppt

  • 01.01.2010 20:04 Uhr

    von Lothar:

    Vielen Dank für den durchaus lesenswerten Artikel. Allerdings gibt es bei den Piraten durchaus Kontakte zu den Kreativen im Bereich der Kultur. Dabei sollte man aber beachten, daß die Kultur aus wesentlich mehr besteht als aus dem Mainstream. So wurde z.B. Der Verein Musikpiraten e.V. gegründet, um freie Kultur zu fördern.

    Etwas verwunderlich finde ich, daß Herr Martens jemanden als "Rechtspololististen" bezeichnet ohne denjenigen vorher kontaktiert zu haben um sich selbst ein Bild zu machen.

    Gruß, Lothar

  • 01.01.2010 19:53 Uhr

    von Martin:

    a) Gerade die Ausrichtung auf links und rechts wollen die Piraten nicht. Sie sind sachlich und dies müssen Sie bleiben.
    Der angebliche Rechtspopulist ist keiner, sondern jemand der historische Fakten genauestens wiedergibt und dies wird leider falsch interpretiert.

    b) Zur Sozialpolitik: Den Piraten habe ich den Vorschlag unterbreitet zu fordern, alle Staatsbürger den Beamten gleichzustellen, erst bei Krankheit und Pflege und dann mal weitersehen. Dies ist die einzige Möglichkeit dem potentiellen Wähler ein verstehbares Angebot zu unterbreiten.
    Bedingungsloses Grundeinkommen nach dem Soziologen Oevermann (warum wird der nicht genannt)
    ist sehr interessant, aber schwer zu vermitteln.

    Vom Beamtentum haben eigentlich alle Wähler eine Vorstellung.

  • 01.01.2010 19:45 Uhr

    von cosmo atlas:

    das urheberrecht ist ueberholt. schon bald wird der aufwand das urheberrecht zu schuetzen nicht mehr rentabel sein, dem internet sei dank. das bedeutet den tod fuer die grossen labels aber auch buch verlage etc.
    musiker werden ihr geld wenn ueberhaupt ueber konzerte verdienen, dementsprechend wird die atraktivitaet dieses gewerbes deutlich abnehmen. ein verlust ist das allerdings nicht umbedingt, denn die jenigen welche weiterhin buecher veroeffentlichen songs schreiben werden sich nicht mehr nach dem markt richten was ja zu einer gewissen konformitaet innerhalb der kunst fuehrt sondern ihre motivation aus der liebe zu dem produkt ihrer schaffenskraft ziehen. und nach angaben der derzeitigen musiker lieben sie die musik ja sie ist ihr leben.
    die kunst wird wie man befuerchten koennte nun aber nicht wieder zu einem betaetigungsfeld der reichen kommen, da mitlerweile die kosten fuer produktion und veroeffentlichung dank modernster technologie weitaus geringer sind als noch vor 10 jahren.

  • 01.01.2010 19:08 Uhr

    von Calvin:

    ich bin ja überrascht, dass die TAZ auch halbwegs sachlich über die Piraten berichten kann. Es gibt zwar einige Punkte im Artikel, die ich anders sehe, aber ansonsten ok. Dann fallen auch die bösen Trolls nicht mehr über euch her.

  • 01.01.2010 16:34 Uhr

    von Akbar:

    Aron König als "Rechtspopulisten" zu bezeichnen ist schon sehr weit hergeholt. Das lässt sich weder auch nur ansatzweise aus der Realität begründen, noch lässt sich diese Beleidigung irgendwie mit pfiffigem Journalsmus begründen.

  • 01.01.2010 16:18 Uhr

    von Fabian Jung:

    Schön ist, dass sich die taz auch nach dem Medienhype zwischen den diversen Wahlen nochmal der Piratenpartei annimmt und eine Zwischenbilanz zieht. In mehreren Gesprächen mit Piraten musste ich ähnliches feststellen wie das im Artikel angedeutet wurde: Es gibt eine zu starke Fokussierung auf die NutzerInnenperspektive.

    Als 20-jähriger Drummer in einer inzwischen regional bekannten Band (existiert seit etwa dreieinhalb Jahren) muss ich aber auch mal die Kehrseite sehen: Schon heute können nicht mal 2% der KünstlerInnen von ihrer Kunst leben - der ständige Blick auf die großen Musiklabels ist an sich nicht verkehrt, verkennt aber die Wirklichkeit im Kunst- und Musikgeschäft, in dem schon heute die Überzahl eben nicht von ihren Werken leben können.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Als Musiker regt es mich wahnsinnig auf, wenn wir (natürlich v.a. aus Spaß an der Sache) monatelang an Stücken arbeiten, diese zu Preisen weit unterhalb der aufgewendeten Konsten auf CDs verewigen und diese dann trotz der nutzerInnenfreundlichen Preise offensichtlich dutzendfach kopiert weitergegeben werden. Dass diese Unsitte laut der Piraten auch noch legalisiert werden soll, ist für mich dann doch eine zu einfache Antwort auf das Problem und führt letzten Endes dazu, dass der schöne Slogan "Kultur verbreiten" in Wirklichkeit möglicherweise ins Gegenteil verkehrt wird.

    Gut ist, dass das Thema "Urheberrechte in einer digitalisierten Welt" durch das Aufkommen der Piraten in den anderen Parteien überhaupt wieder ernsthaft bearbeitet wird und den EinzelkämpferInnen in den größeren Parteien wieder deutlich mehr Beachtung erfahren (die Grünen fallen hier inzwischen positiv auf, in geringerem Maße FDP und SPD, bei Linken und CDU scheint das offensichtlich bis heute kein ernsthaftes Thema zu sein.)

  • 01.01.2010 16:14 Uhr

    von scardanelli:

    Wie kommen Sie zu der Behauptung, Aaron Koenig sei ein "Rechtspopulist"??? Das geht meiner Meinung nach zu weit und so würde sich weder Aaron Keonig selbst verorten, noch kann man von seinen Äußerungen darauf schließen (und wenn sie jetzt eine einzige Äußerung herausziehen, die man so deuten könnte, dann sage ich, Lafontaine ist ein Rechtspopulist wegen seiner "Fremdarbeiter"-Rede - zu solch einer Verortung gehört ein Gesamtbild in dieser Richtung) - für mich ist das üble Nachrede ...

  • 01.01.2010 15:59 Uhr

    von Fritz Teich:

    Die Diskussion ist zu formal. Das Internet beschleunigt nur informelle Prozesse, die ganz normal sind. Im Uebrigen darf man nicht verallgemeinern. Zum Beispiel Google, Buecher und Musik in die gleiche Kiste schmeissen. Die Leseprobe aus dem Humbold-Buch ist schoen, aber in keiner Weise sensationell. Und es macht keinen Unterschied, ob das Urheberrecht eines Mikropaymentsystems verletzt wird oder das eines Major Labels. Wie immer sich die Big Player einigen, ihre Zeit ist abgelaufen, wenn man rigorose Masstaebe anlegt. Daran fuehrt kein Weg vorbei. Fraglich ist aber, was diese rigorosen Ansaetze sollen. In Wirklichkeit hat sich naemlich nichts geaendert. Der Markt ist lediglich ein anderer. Alles sieht aber nur anders aus. Analoge Umgehungen gab es auch. Das Verleihen von Buechern, Schallplatten etc. Usw.

  • 01.01.2010 15:58 Uhr

    von Simon Lange:

    Und wieder eine meinungsschwangere Kolumne, aber leider kein journalistischer Beitrag. Vielleicht sollte die taz zukünftig Sammelbände an Kurzgeschichten und Meinungslektüren publizieren und das journalistische Tagesgeschäft Journalisten überlassen. Es gibt zwar einen Hauch von Berichterstattung ab der Mitte des Artikels und eine gewisse Objektivität wird zumindest angedeutet. Nur leider werden zum einen falsche Schlussfolgerungen gezogen und zum anderen das eigene Fehlverhalten ausgeblendet. Denn Mitwirken ist nicht nur mitlesen. ;)

    Interessant wäre auch mal zu erfahren, wer wann und wo mit wem gesprochen hat.

    ich "troll" mich dann mal.

  • 01.01.2010 15:26 Uhr

    von Max Maier:

    Wer hindert Fr. Kilz daran ihre Meinung im Piratenwiki zum Besten zu geben wenn ihr etwas daran liegt? Ich muss mich doch wundern dass sie anscheinend dort mitliest aber wenn sie etwas stört oder laut ihr angeblich falsche Behauptungen im Umlauf sind keine Kommentare dort dazu abliefert.

  • 01.01.2010 15:15 Uhr

    von Werner Friebel:

    Im Zusammenhang mit der GEMA-Petition vergangenen Sommers und den damit verbundenen urheberrechtlichen Fragen gab sehr wohl viele Kontakte und Diskussionen zwischen Kulturschaffenden und Piraten.

  • 01.01.2010 15:10 Uhr

    von Christian:

    Lieber René,

    ich wollte dem Artikel ja eigentlich zustimmen. Aber der letzte Satz ist doch ein wenig daneben.

    "Was ihr aber offensichtlich fehlt, ist der Kontakt zu jenen, die Kultur produzieren."

    Die Piratenpartei hat durchaus Kontakte. Es gab diverse Veranstaltungen, auf den Piraten sich mit Vertreten von Indie- aber auch Major-Labels auseinandergesetzt haben. Es gab Diskussionsrunden mit Schriftstellern, Musikern, Fotographen. Diverse Kreative sind auch Mitglied in der Piratenpartei.

    Andererseits zeugt die Wortwahl "Kultur produzieren" davon, wessen Geistes der Artikel ist. Hier wird ganz klar das Weltbild der Musik- und Filmindustrie aufgegriffen. Kultur muss wirtschaftlich rentabel produziert sein und ist nur dann etwas wert, wenn damit bares Geld verdient werden kann. Damit passt der Artikel doch eher zur FAZ als zur TAZ...

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