In 80 Ländern haben Kapitalismuskritiker für diesen Samstag Proteste angekündigt. Dabei unterscheidet sich die Situation in den einzelnen Ländern gewaltig.von MARTIN KAUL

Vorbild für die ganze Welt: Protestmarsch der "Occupy Wall Street"-Aktivisten in New York am Freitag. Bild: dpa
BERLIN taz | Aus einer Aktion von US-Aktivisten entsteht nun offenbar eine weltweite Bewegung. In 80 Ländern haben Linke für Samstag Proteste angekündigt. Bei dem globalen Aktionstag geht es um die Stärkung der Demokratie und eine Zügelung der Finanzmärkte. Doch trotz des gemeinsamen Auftretens, unterscheidet sich die Lage in den jeweiligen Ländern erheblich.
Für besonderes Aufsehen sorgten zuletzt die Proteste der Occupy-Wallstreet-Bewegung ("Besetzt die Wallstreet!") in den USA. Besonders nachdem die Polizei in New York vor zwei Wochen rund 700 Demonstranten festgenommen hatte, ist dort der Zulauf enorm. Dort richtet sich der Protest explizit gegen Banken und Spekulanten. In etlichen Städten haben zuletzt zehntausende Menschen demonstriert.
Von dieser Protestwelle erhofft auch die Initiative "Occupy Frankfurt" einen Mobilisierungsschub für ihre Demonstration vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Über zahlreiche Verteiler wurde zu Demonstrationen in deutschen Großstädten und vielen kleineren Städten aufgerufen. Hier richtet sich der Appell an die Politik: für eine stärkere Finanzmarktregulierung.
Ob der gewünschte Effekt auch eintritt, lässt sich schwer voraussagen. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt ähnliche Aktionstage. Meist hatte sich das globalisierungskritische Netzwerk Attac in der Verantwortung gefühlt, auch in Deutschland Solidaritätsaktionen zu organisieren - und meist blieb davon, anders als in anderen Ländern, anschließend nicht viel übrig.
Deshalb sind die Organisatoren des Occupy-Frankfurt-Protests mit Prognosen zurückhaltend. Sie gehen davon aus, dass in Frankfurt "eine niedrige vierstellige Zahl" von Demonstranten zusammenkommt. Anders als in den vergangenen Tagen in zahlreichen Medien suggeriert wurde, hielt sich die Debatte in den sozialen Netzwerken zu den deutschen Protesten bislang in Grenzen.
Dabei bemühen sich insbesondere kleine Aktivistengruppen der spanischen Demokratiebewegung "Democracia Real Ya!" ("Echte Demokratie jetzt!") auch in Deutschland seit Monaten darum, mehr Menschen für den Demokratieabbau in Europa zu sensibilisieren. Die spanische Bewegung war es auch, die den Anstoß zu dem heutigen globalen Aktionstag gegeben hat.
Neben Ländern wie Spanien, Griechenland und Portugal, wo es in den letzten Monaten immer wieder zu Großprotesten kam, gibt es auch in Ländern wie Albanien, Ägypten, Island, Mexiko, Taiwan, Tunesien, Sri Lanka oder Panama Aufrufe zu Aktionen. Ob das mit der Weltrevolution klappt, ist ungewiss. Kaum eine der Dynamiken, mit denen in den letzten Monaten in vielen Ländern Protestbewegungen entstanden, war so vorherzusehen - oder herbeizuschreiben.
Mehr Informationen unter: bewegung.taz.de
Wie stark darf man die Verbote der Blockupy-Proteste verurteilen? Die Grünen sind sich nicht wirklich einig. Sie regieren in Frankfurt in einem Bündnis mit der CDU. von Timo Reuter

Das Geld muss in ökologische und soziale Zukunftsbereiche fließen, fordert der EU-Abgeordnete der Grünen Sven Giegold. Mehr falsches Wachstum mache die Krise schlimmer.

Im Juli 2011 schlug die Redaktion der kanadischen antikonsumeristischen Adbusters-Zeitschrift vor, angesichts der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich die Wall Street zu besetzen. Als Protestbeginn schlugen sie den 17. September, den Verfassungstag der USA vor. Die Idee wurde von vielen Aktivisten aufgegriffen und am 17. September wurde die Wall Street tatsächlich besetzt. So begann die Protestbewegung "Occupy Wall Street", die inzwischen zahlreiche Länder erfasst hat.
Doch die Wurzeln der Occupy-Bewegung sind vielfältiger. Zu Beginn des Jahres 2011 wurde die Weltöffentlichkeit von mehreren demokratischen Proteste in arabischen und nordafrikanischen Ländern überrascht. Im Sommer begannen in krisengebeutelten europäischen Ländern Proteste gegen Einsparungen durch die Regierungen. Der Tenor: Banken bekommen in der Krise Milliardensummen zugesprochen während Renten und Sozialausgaben gekürzt werden.
Schon im Mai gab es von den spanischen Protestierenden den Aufruf für einen weltweiten Protest am 15. Oktober. Und so kam es. An diesem Tag gingen Menschen in fast 1.000 Städten in zahlreichen Ländern und Kontinenten auf die Straße.
Die Forderungen und Ziele der Bewegungen sind vielfältig, häufig geben sie auch vor, keine eindeutigen Ziele zu haben: Es geht um Partizipation, um Diskussion, um Gemeinsamkeit, um ein Unbehagen mit der Welt. Das Unbehagen wird durch den weltweit verbreiteten Slogan „We are the 99 percent“ ausgedrückt, dass trotz Demokratie und Freiheit eine kleine Anzahl von Menschen den Großteil der ökonomischen Produktionsmittel und der politischen Macht besitzen.
Hier finden Sie Berichte, Reportagen und Kommentare zur globalen Protestbewegung. Unser Reporter Jannis Hagmann bloggt aus Frankfurt am Main über die dortigen Proteste.
Kita-Ausbau, Betreuungsgeld, Flexi-Quote - nix klappt bei der Familienministerin. Keine Schnute ziehen, Frau Schröder. taz.de hat Vorschläge für andere Aktivitäten.

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.


Leserkommentare
15.10.2011 13:55 | Christel Plümer
Was mich ungemein stört, ist dieser Medien-Hype, die Demos vom 15-10-11 auf die Wall-Street-Bewegung zurückzuführen."... es ...
15.10.2011 13:20 | Lara González
Wir haben mit Aufregung Ihren Artikel gelesen und es tut uns leid aber wir sind sehr enttäuscht. In diesem sieht es so aus, ...
15.10.2011 13:05 | Hugo
"In 80 Ländern haben Kapitalismuskritiker für diesen Samstag Proteste angekündigt." ...