Norwegen und Klimaziele

Grün ist die Hoffnung

Technikwandel soll Fahrzeuge mit fossilem Antrieb unattraktiv machen. Bis 2050 möchte Norwegen klimaneutral sein. Skepsis bleibt.

US- Verkehrsminister Anthony Foxx (L) und sein norwegischer Pendant Ketil Solvik -Olsen fahren mit dem Fahrrad

Am wenigsten Emissionen macht immer das Fahrrad Foto: reuters

STOCKHOLM taz | „You guys rock!!“, twitterte Elon Musk, Chef der Elektroautofirma Tesla Motors am Wochenende begeistert. Er meinte Norwegen. Dortige Medien hatten gerade die Nachricht verbreitet: „Verkaufsstopp für Benzin- und Dieselautos ab 2025.“ Doch die Meldung wurde von der Regierung eilig als „irreführend“ dementiert: Von einem Verbot könne keine Rede sein.

Worauf sich Regierung und Parlamentsmehrheit nun tatsächlich geeinigt haben: Das Ziel, dass ab 2025 alle neu zugelassenen privaten Pkws, Busse und leichte Lastwagen nur noch „Nullemissionsfahrzeuge“ sein sollen. Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselantrieb will man bis dahin mit einer Zuckerbrot- und Peitsche-Taktik aus dem Markt drängen. Über weitere Gesetze sollen Autos mit fossiler Antriebstechnik so unattraktiv werden, dass sie niemand mehr kauft.

Die Regierung folgt damit dem „Nationalen Transportplan“, den die Behörden für Land-, See- und Luftverkehr kürzlich vorgelegt hatten. Norwegen hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Bis 2050 möchte das Land „klimaneutral“ sein. Als Zwischenetappe will die Regierung bis 2030 den Ausstoß schädlicher Klimagase im Transportbereich halbieren. Dazu enthält der „Transportplan“ Neuzulassungshürden für Benzin- und Dieselfahrzeuge. Ab 2030 soll die Hälfte aller neuen Lkws „Nullemissionen“-Antriebe haben. Der Luft- und Schiffsverkehr soll bis dahin zu 30 und 40 Prozent mit „Agro­treibstoffen“ betrieben werden.

Doch es gibt einen Haken: Weder BürgerInnen noch Unternehmen sollen durch die Umstellung auf eine „fossilfreie“ Technik finanziell belastet werden. Ist das nicht illusorisch? Nein, beteuert Lars Fredrik Lund vom strategischen Planungsstab der Straßenbehörde Vegvesen. Er räumt allerdings ein, dass die Verantwortlichen von einer „recht technikoptimistischen Perspektive“ ausgehen.

Sie rechnen damit, dass bis 2025 „grüne“ Antriebstechniken „zu konkurrenztüchtigen Preisen“ zur Verfügung stehen: mit vergleichbaren Anschaffungskosten und im Betrieb sogar billiger als Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb. Der Technikwechsel würde sich dann quasi von selbst vollziehen.

Skepsis bei Umweltschutzorganisationen

Norwegen „bekräftigt seine klimapolitische Führungsposition“, lobt die Öko-NGO Bellona das Vorhaben und fordert die übrigen europäischen Länder auf, nachzuziehen. Andere Umweltschutzorganisationen sind skeptischer. Der angepeilte Technikwechsel hin zu fossilfreien Antrieben ist nämlich nur ein Aspekt des norwegischen „Transportplans“. Der andere: Es soll massive Investitionen in neue Straßeninfrastruktur geben, gleichzeitig aber nur relativ bescheidene in Kollektivverkehrsangebote.

Die ganze Richtung, die Oslo eingeschlagen habe, stimme nicht, kritisiert Lars Haltbrekken, Vorsitzender des Naturschutzverbands Naturvernforbundet: Hauptziel dürfe nicht sein, den individuellen Autoverkehr „grüner“ zu machen, sondern ihn zu vermindern.

So habe der Zulassungsboom bei Elektroautos – im vergangenen Jahr fast jeder vierte neu zugelassene Pkw – zum höchsten Verkehrswachstum in Norwegen seit zehn Jahren beigetragen. Der Klimagasausstoß des Transportsektors sei dank der Elektroautos nicht gesunken, sondern allenfalls etwas weniger angestiegen. Alle Autos produzieren Partikel, Lärm und Staus betont auch Holger Schlaupitz, Verkehrsexperte beim Naturvernforbundet. Sie benötigten Fläche zum Fahren und Parken. „Auch wenn es relativ gesehen besser ist, dass die Menschen ein ‚Nullemissionen‘-Auto kaufen, sollte das nicht oberste Priorität sein“, sagt er. „Sie sollen gar kein Auto mehr kaufen.“

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