• 09.02.2010

Nicht nur Hegemann hat abgeguckt

Der erste Tadel

Der eigene Sohn wurde in der Schule beim Abgucken erwischt und fürchtet Bestrafung. Da hilft nur ein Brief an die Lehrerin, der das Abschreiben zur zentralen Kulturtechnik erklärt.von Wladimir Kaminer

  • 16.02.2010 22:05 Uhr

    von Ottilie:

    Danke "von Peli", das ist auch meine Meinung! Da ist endlich mal ein Beitrag, der dieses unappetitliche Thema "Klauendes Wunderkind Hegemann mit großer Klappe" nicht als Grundlage für philosophische, linguistische, literaturhistorische, etc. Abhandlungen, sondern selbiges einfach nur auf die Schippe nimmt. Und was passiert? Es stürzen sich tatsächlich Leute auf diesen ganz offensichtlich ironisch gemeinten Beitrag, um diesen unter philosophischen, pädagogischen, juristischen etc. Gesichtspunkten zu kommentieren. Wie sagte doch Kurt Tucholsky? "Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel". Inzwischen ist das offenbar nicht nur bei politischen Witzen so. Armes Deutschland!

  • 10.02.2010 18:26 Uhr

    von 25-jähriger:

    Also der Sohn des Autors kann mir nur mehrfach leid tun.
    Wenn sein Vater ihn nach den von ihm geäußerten Ansichten erzieht, reiht er sich lückenlos in seine Generation ein, der durch solche Eltern jegliches Gefühl für moralisches Handeln und Anstand abhanden gekommen ist.
    Die Argumentation, dass Diebstahl geistigen Eigentums geradezu üblich ist in der Weltgeschichte hinkt massiv, da es keine Gleichheit gibt im Unrecht. Doch wer wie der Autor argumentiert, ist sich wohl nicht mal einem unrechten Handeln bewusst.
    Zudem behauptet der Autor in seinem zitierten Brief an die Lehrerin, dass er stets versucht habe seinem Sohn Selbstvertrauen beizubringen. Dies scheint ebenfalls gründlich in die Hose gegangen zu sein, wenn der Sohn im Gymnasialalter wegen eines drohenden Tadels "dem Nervenzusammenbruch nahe" ist und nachts nicht schlafen kann.
    Ich habe in meiner Schulzeit mehr als einmal nicht abgeschrieben, obwohl die Gelegenheit dazu bestand, weil ich schließlich selber Schuld an der Tatsache war, dass ich eine Klausuraufgabe nicht selber lösen konnte.

  • 10.02.2010 14:55 Uhr

    von peli:

    Kann es nicht auch möglich sein , dass hier einige Leser überreagiert haben?
    War nicht Kaminer schon für so manche Satire gut?

  • 10.02.2010 14:31 Uhr

    von wow! echt? krass!:

    irgendwie scheinen mir hier alle völlig überreagiert zu haben, die lehrerin, der schüler und der vater

  • 09.02.2010 21:45 Uhr

    von Kamu:

    Ist taz.de jetzt eigentlich ein Blog oder die Webseite einer Tageszeitung?
    Meinem Empfinden nach werden hier immer mehr persönliche Artikel über die SMS-Sprache der kleinen Schwester, die finanzielle Ausstattung der Praktikantin, oder die Schummelerfahrungen der Sprößlinge veröffentlicht. Sammelt diese Artikel doch bitte in einer eigenen Rubrik, so das man diese ggf. schnell überspringen kann. Blogs mit persönlichen Empfindsamkeiten gibts schließlich im Netz schon genug...

  • 09.02.2010 20:30 Uhr

    von Tom:

    Ja, Thomas Fliederlocher, so verstehe ich das auch. Das Versagen des Sohnes wäre wohl kaum eine Meldung in einer überregionalen Zeitung wert.

    Aber es kommt halt sehr darauf an wer etwas schreibt (sagt, oder meint) auch, wenn es nur abgeschrieben oder nachgequatscht ist. Hätte der wahrscheinlich geistige Vater des Hegemannschen Roman sein Werk an einen Verlag geschickt, wäre es wahrscheinlich ungelesen im Müll gelandet. Weil er ein niemand, ein unbeschriebenes Blatt ohne intelektuellen bzw. in der Literatur ausgebildeten Hintergrund ist. Und dann auch noch solch eine haarsträubende Geschichte, welche niemals jemand auch nur ansatzweise für gut oder in irgendeiner Weise wertvoll finden würde, sofern dieser Hype nicht entstanden wäre.

  • 09.02.2010 18:38 Uhr

    von einschüler:

    Auch wenn mir der Tadel übertrieben scheint, muss ich doch sagen, dass es für Abschreiben selbstverständlich eine 6 geben muss, denn die eigene Leistung, die überprüft, wurde schließlich nicht erbracht. Und wenn man schon meint, Kinder müssten eben das Leben lernen, müssen sie auch lernen, damit umzugehen, schließlich kann es beim gymnasialen Lernstil nicht erwartet werden, dass durchkommt, wer nicht bereit ist, eigene Leistung zu erbringen und selbst zu lernen, auch wenn manche Schüler damit durchzukommen scheinen.
    Die Frage ist doch, worum es in der Schule geht. Sie soll meiner Ansicht nach und in unserem aktuellen System, zumindest der Theorie nach immernoch, die Schüler zu mündigen, selbstständigen und kompetenten Menschen erziehen. Prioritäten in dieser Reihenfolge.
    Und das Abschreiben drückt nun einmal die mangelnde Bereitschaft aus, dies zu akzeptieren. Es ist dumm und kurzsichtig, nur auf die Verbesserung der Leistung zu setzen statt etwas zu lernen und auch damit umgehen zu können, nicht immer perfekt zu sein. Abschreiben ist Leistungsverweigerung, Punkt.
    Man kann natürlich über die Sinnhaftigkeit der Notengebung diskutieren, doch auf irgendeine Weise wird die Leistungsfähigkeit immer gemessen werden. Auf jedenfall aber die Bereitschaft, selbstständig zu denken und zu arbeiten. Wenn das nicht erreicht wird, wurde das gesamte Ziel der Schulbildung verfehlt, seien die Noten oder das Wissen noch so gut. Wer abschreibt oder sonstwie seine Schulzeit unkonstruktiv verbringt verweigert eben diese Bereitschaft zu selbstständigem Denken und Handeln. Diese Leute sollten erkennen, was für ein unglaublich wertvolles Geschenk diese (theoretisch) kostenlose und oftmals trotz überfüllter Klassen und anderer Probleme hochqualitative Bildung ist. Stattdessen verschwenden sie große Chanchen für persönliches Glück(hiermit meine ich explizit nicht wirtschaftliches Glück, sondern die Zufriedenheit, die dadurch entsteht, dass man beginnt, die Welt zu verstehen).
    Ich sehe in meinem Schulalltag viele Mitschüler, die abschreiben, stören und meinen, es sei cooler, sich gar nicht auf die Schule einzulassen. Doch in der Regel sind das die gleichen, die ein unmündiges Leben führen, also nicht selbst denken und handeln können und nicht einsehen wollen, das Bildung (humanistisch) ein elementarer Bestandteil des "geistigen Wohls" ist. Sie verbringen oftmals ein belangloses Leben.
    Ich will niemand individuellem die Kompetenz und Mündigkeit absprechen, dies sind aber Tendenzen die meiner subjektiven Erfahrung entsprechen.

  • 09.02.2010 17:42 Uhr

    von Schaps:

    Ist es ja auch, Thomas :)

  • 09.02.2010 15:35 Uhr

    von Thomas Fliederlocher:

    Liebe Co-Leser,
    ich hatte das Ganze jetzt nicht als Beitrag zum Abschreiben in der Schule, sondern zum literarischen Plagiat Frau Hegemanns verstanden, als Allegorie gewissermaßen....

  • 09.02.2010 15:03 Uhr

    von Dolph:

    Knorke Einstellung Herr Kaminer!
    Ich bin übrigens gerade damit beschäftigt "Die Blechtrommel" abzuschreiben. Das sollte doch eigentlich mindestens für irgendeinen wichtigen Literaturpreis reichen, oder nicht?

  • 09.02.2010 14:33 Uhr

    von Jens Schlegel:

    Okay, wenn´s half ne nette Geschichte. Heisst Frau Walzer wirklich so, oder haben sie anonymisiert? Fände ich gut.

    Überreagiert hat die Frau. Im veralteten Notensystem versucht man halt die Leistungen eines Schülers zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erfassen, das geht nicht wenn einer Abschreibt.

    Hab ICH deshalb niiieee getan. Ehrlich.

    Aber, und das vermittle ich meinen Schülern (zack, geoutet), dass eine 6 Nicht so schlimm ist. Hatte mehrere davon, aus mir wurde auch was. Zumindest bin ich zufrieden. Bei 4 Arbeiten pro Fach hat man im Jahr in Mathe, Bio, Erdkunde, Deutsch, Englisch, Physik, Chemie 28 Noten zusammen. Dazu kommen noch Kurztest, Sport, Kunst, Musik... von Klasse 5 bis zwölf also 224 + X Noten.

    Eine sechs? Vergiss es!

  • 09.02.2010 13:43 Uhr

    von Steffen Rühl:

    Haha genial! Lehrer und Mediziner nehmen sich nichts in Sachen Unfähigkeit *fg*

  • 09.02.2010 12:50 Uhr

    von roterbaron:

    Seit wann bekommt man für Abschreiben einen Tadel?
    Dafür habe ich höchstens ne 6 bekommen ....Diese Lehrerin sollte mal auf ne Haupt oder Realschule wechseln .... da lachen die Schüler diese Leherin aus wenn die Tadel verteilt.

    Das ist so eine beschränkte Art und Weise Schülern Benehmen bei zu bringen.... so richtig dämlich und aus dem letzten Jahrtausend!Das zieht eben nur bei Grundschülern...und auch da ist es mittlerweile einfach nur peinlich.

    Wenn eine Lehrerin so inflationär Tadel verteilt, was macht Sie dann wenn der Schüler mal wirklich was schlimmes tut? Ein Supertadel verteilen?

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