Gepriesen sei die Finanzkrise für solche Abende! Elfriede Jelineks "Die Kontrakte des Kaufmanns" in einer "Urlesung" am Wiener Akademietheater.von Robert Misik
taz_akt_16960831931
18.03.2009
Neues Jelinek-Stück in Wien
Fürchtet den Unternehmergeist!
Gepriesen sei die Finanzkrise für solche Abende! Elfriede Jelineks "Die Kontrakte des Kaufmanns" in einer "Urlesung" am Wiener Akademietheater.von Robert Misik
Lieber Herr Misik, ist der freie Unternehmergeist mit Elfriede Jelineks Drama „ Die Kontrakte des Kaufmanns“in die Bankrott beißenden Klauen des Drachens der Geld- Despotie geraten? Wer hat uns verraten? “Nicht beredte Sozialdemokraten oder Margarete, sondern unredlich treuwidrig stumme Aufsichträte““Was ist die eilige Gründung einer Good- Bank gegen die Einsegnung einer Bad- Bank als eine scheinheilig wertentlastende Kirche für Gläubige und Ungläubige durch die Bank?“
Plötzlich bedarf es für das freifloatierend, vagabundierende Kapital in erfundenen Weltfinanzkrisen per Heimrufung von Verlusten keiner Steueroasen, keiner Deregulierung mehr, weil per Verwertungsrechte auf Patente der legalisierten Herstellung von fiktivenVerlusten, diese steuerlich öffentliche Kassen leerend, auf Jahrzehnte überschießend echte Gewinne verheißen? So kommt am Ende gar heraus, wir erleben gar keine Kernschmelze an den Finanzmärkten in irgendeinem September, sondern die fiskalische Entkernung, das aggressive Abschmelzen der Bedeutung monetärer Souveränität, Integrität von Staaten wie Ländern, als ob diese frei gesetzte Reste von polaren Eismeeren im Schock verzockter Derivate auf den Klimawandel wären? Aus Unternehmern/innen werden über Nacht, von amtswegen, Call by Call, Put, Put, gedungene Vermögens- Zwangsvollsteckungs- Wächter/innen, die wildgewordenen Personen in ihren insolventen Privatuhaushalten ungefragt unter die Arme greifen, um sie aus Good- Lands in Bad- Lands, getarnt als monetäre Abenteuer- Reise, ausgewildert zu deportieren?
Die eigentliche Krise beginnt gerade als Krise der Existenz bestehender Staaten, Städte, Kommunen mit ihren verpfändeten Landes- und Stadtarchiven? War der Untergang des Stadtarchivs zu Köln in diesem unheilvollen Sinne und Tagen ein Menetekel?, erst der Beginn? Wird aus einer kleinen Krise so im medialen, theatralen Krisen- Getriebe eine Große Krise mit Gewinn für wenige Letzte auf Kosten der Vielen Vorletzten? tschüs JP
Leserkommentare
17.03.2009 21:50 Uhr
von Joachim Petrick:
Lieber Herr Misik,
ist der freie Unternehmergeist mit Elfriede Jelineks Drama „ Die Kontrakte des Kaufmanns“in die Bankrott beißenden Klauen des Drachens der Geld- Despotie geraten? Wer hat uns verraten?
“Nicht beredte Sozialdemokraten oder Margarete, sondern unredlich treuwidrig stumme Aufsichträte““Was ist die eilige Gründung einer Good- Bank gegen die Einsegnung einer Bad- Bank als eine scheinheilig wertentlastende Kirche für Gläubige und Ungläubige durch die Bank?“
Plötzlich bedarf es für das freifloatierend, vagabundierende Kapital in erfundenen Weltfinanzkrisen per Heimrufung von Verlusten keiner Steueroasen, keiner Deregulierung mehr, weil per Verwertungsrechte auf Patente der legalisierten Herstellung von fiktivenVerlusten, diese steuerlich öffentliche Kassen leerend, auf Jahrzehnte überschießend echte Gewinne verheißen?
So kommt am Ende gar heraus, wir erleben gar keine Kernschmelze an den Finanzmärkten in irgendeinem September, sondern die fiskalische Entkernung, das aggressive Abschmelzen der Bedeutung monetärer Souveränität, Integrität von Staaten wie Ländern, als ob diese frei gesetzte Reste von polaren Eismeeren im Schock verzockter Derivate auf den Klimawandel wären?
Aus Unternehmern/innen werden über Nacht, von amtswegen, Call by Call, Put, Put, gedungene Vermögens- Zwangsvollsteckungs- Wächter/innen, die wildgewordenen Personen in ihren insolventen Privatuhaushalten ungefragt unter die Arme greifen, um sie aus Good- Lands in Bad- Lands, getarnt als monetäre Abenteuer- Reise, ausgewildert zu deportieren?
Die eigentliche Krise beginnt gerade als Krise der Existenz bestehender Staaten, Städte, Kommunen mit ihren verpfändeten Landes- und Stadtarchiven?
War der Untergang des Stadtarchivs zu Köln in diesem unheilvollen Sinne und Tagen ein Menetekel?, erst der Beginn?
Wird aus einer kleinen Krise so im medialen, theatralen Krisen- Getriebe eine Große Krise mit Gewinn für wenige Letzte auf Kosten der Vielen Vorletzten?
tschüs
JP