Kein in sich geschlossenes Meisterwerk: Jonathan Franzens neuer Roman "Freiheit" erzählt davon, wie schwierig es ist, in der US-Mittelschicht erwachsen und trotzdem gut zu sein.von Dirk Knipphals
Hallo Herr Knipphals, mir kommt es so vor als hätten sie den neuen Roman von Jonathan Franzen gar nicht gelesen, sodern nur hastig überflogen. Wie soll man sich den sonst erklären, dass Ihnen die unzähligen Nuancen vollkommen entgangen sind. Ich würde Ihnen auch die Originalfassung empfehlen. Grundsätzlicher Ratschlag: Erst aufmerksam lesen, dann kommentieren.
Freundliche Grüße
Colourede
08.09.2010 11:15 Uhr
von scream queen:
Leider versäumt es Diurk Knipphals - wohl aus Pietätsgründen -, in seiner Rezension auch das eine oder andere Wort zur Übersetzung obigen Romans zu verlieren, die recht eigentlich gar keine ist, weil sie sich dem nötigen Abstraktionsvorgang, der zur Herstellung einer adäquaten deutschen Fassung unabdingbar wäre, konsequent verweigert und sich die Frage, wie sich etwas womöglich auf Deutsch formulieren ließe, ohne sich sowohl auf lexikalischer als auch grammatikalischer Ebene stumpf am englischsprachigen Original entlangzuhangeln, der Einfachheit halber gar nicht erst stellt. Dabei entstehen nicht nur reihenweise Satzwracks wie dieses: "Man konnte sich einen Jux aus dem Versuch machen, Patty dazu zu bewegen, dass sie einem beipfichtete, wenn man jemandes Benehmen als 'schlecht' bezeichnete" - was zwar irgendwie wie Deutsch aussieht, aber im Grunde keines ist -, sondern der ganze Text mutiert zu einem einzigen undurchdringlichen Wortdschungel, der sich allenfalls mit der Machete lichten ließe, wenn man nach der Lektüre von 20 Seiten denn noch wüsste, wo einem der Kopf steht. Leider scheinen sich besonders die - im offenbar recht simplen Weltbild der meisten Feuilletonisten - "bedeutenden" Verlage (Suhrkamp, Rowohlt, Fischer etc.), die vor allem vermeintliche "Hochliteratur" unters nichtsahnende Volk bringen, entschlossen zu haben, derlei Murks als das Nonplusultra der Übersetzungskunst zu propagieren, der das Original scheinbar "genau" reproduziert, letztlich aber nur ein holpriges, stilloses, klang- und rhythmusfreies Wortmonstrum gebiert, das mit dem Originaltext im Grunde nichts mehr gemein hat. Die Folge ist, dass nicht zuletzt den Rezensenten nach regelmäßiger Lektüre dieses Unfugs die Fähigkeit abhanden kommt - und z.T. nachweislich längst abhanden gekommen ist -, solchen Stuss von Literatur zu unterscheiden. Schrieben manche der fraglichen Autoren (Ford, DeLillo, Franzen, Marías etc.) tatsächlich so schlecht, wie sie hierzulande übersetzt werden, hätte die Welt wohl noch nie von ihnen gehört.
Leserkommentare
19.10.2010 10:14 Uhr
von Colourede:
Hallo Herr Knipphals, mir kommt es so vor als hätten sie den neuen Roman von Jonathan Franzen gar nicht gelesen, sodern nur hastig überflogen. Wie soll man sich den sonst erklären, dass Ihnen die unzähligen Nuancen vollkommen entgangen sind. Ich würde Ihnen auch die Originalfassung empfehlen. Grundsätzlicher Ratschlag: Erst aufmerksam lesen, dann kommentieren.
Freundliche Grüße
Colourede
08.09.2010 11:15 Uhr
von scream queen:
Leider versäumt es Diurk Knipphals - wohl aus Pietätsgründen -, in seiner Rezension auch das eine oder andere Wort zur Übersetzung obigen Romans zu verlieren, die recht eigentlich gar keine ist, weil sie sich dem nötigen Abstraktionsvorgang, der zur Herstellung einer adäquaten deutschen Fassung unabdingbar wäre, konsequent verweigert und sich die Frage, wie sich etwas womöglich auf Deutsch formulieren ließe, ohne sich sowohl auf lexikalischer als auch grammatikalischer Ebene stumpf am englischsprachigen Original entlangzuhangeln, der Einfachheit halber gar nicht erst stellt. Dabei entstehen nicht nur reihenweise Satzwracks wie dieses: "Man konnte sich einen Jux aus dem Versuch machen, Patty dazu zu bewegen, dass sie einem beipfichtete, wenn man jemandes Benehmen als 'schlecht' bezeichnete" - was zwar irgendwie wie Deutsch aussieht, aber im Grunde keines ist -, sondern der ganze Text mutiert zu einem einzigen undurchdringlichen Wortdschungel, der sich allenfalls mit der Machete lichten ließe, wenn man nach der Lektüre von 20 Seiten denn noch wüsste, wo einem der Kopf steht. Leider scheinen sich besonders die - im offenbar recht simplen Weltbild der meisten Feuilletonisten - "bedeutenden" Verlage (Suhrkamp, Rowohlt, Fischer etc.), die vor allem vermeintliche "Hochliteratur" unters nichtsahnende Volk bringen, entschlossen zu haben, derlei Murks als das Nonplusultra der Übersetzungskunst zu propagieren, der das Original scheinbar "genau" reproduziert, letztlich aber nur ein holpriges, stilloses, klang- und rhythmusfreies Wortmonstrum gebiert, das mit dem Originaltext im Grunde nichts mehr gemein hat. Die Folge ist, dass nicht zuletzt den Rezensenten nach regelmäßiger Lektüre dieses Unfugs die Fähigkeit abhanden kommt - und z.T. nachweislich längst abhanden gekommen ist -, solchen Stuss von Literatur zu unterscheiden. Schrieben manche der fraglichen Autoren (Ford, DeLillo, Franzen, Marías etc.) tatsächlich so schlecht, wie sie hierzulande übersetzt werden, hätte die Welt wohl noch nie von ihnen gehört.