Militante Neonazis rufen für Samstag erneut nach Magdeburg. Der Aufmarsch wird immer mehr zum Großkampftag der rechtsextremen Szene.von Andreas Speit

Der Gegenprotest ist sicherlich bunter: Nazis beim Demonstrieren. Bild: dpa
HAMBURG taz | Durch die Straßen dürfte wieder Richard Wagners "Götterdämmerung" schallen: eine Trauerinszenierung allein für die deutschen Opfer während des Nationalsozialismus. Seit Monaten plant die rechtsextreme "Initiative gegen das Vergessen", in Magdeburg einen sogenannten Trauermarsch wegen der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg auszurichten.
Ein breites Bündnis will dieses Gedenken nicht zulassen. "Unser Signal gegen die Geschichtsverdreher soll stärker sein", sagt Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Bis zu 7.000 Besucher erwartet das "Bündnis gegen Rechts" in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt auf der "Meile der Demokratie", die zum vierten Mal ausgerichtet wird. Über 160 Vereine und Initiativen gestalten das Programm.
"Die Meile ist gut und richtig. Reicht uns aber nicht. […] Wir wollen den Nazis aktiv etwas entgegensetzen", heißt es allerdings in einem Aufruf, den auch Grünen-Politiker unterstützen. Es werden Versuche erwartet, die Mahnwache lautstark zu stören, die Neonazis gar später auf der Route zu blockieren. Schließlich gelang es zuletzt auch in Dresden, den rechten Gedenk-Aufmarsch zu stoppen.
"Ein gesellschaftlicher Konsens für Blockaden ist nicht gegeben", sagt David Begrich vom "Miteinander e.V." in Magdeburg. Noch nicht, schiebt er hinterher. Mit der "Meile" seien in Magdeburg immerhin schon mehr Menschen gegen die Neonazis auf die Straße gelockt worden als mit den Gegendemonstrationen.
Der Marsch in Magdeburg hat für die einschlägige Szene stark an Bedeutung gewonnen. 1994 legten noch vereinzelte NPD-Kader bei einer öffentlichen Gedenkfeier auf dem Westfriedhof einen Kranz nieder. 2001 meldeten Freie Kameradschaften und NPD erstmals einen Trauermarsch an, 140 Kameraden kamen. In den folgenden Jahren trat bundesweite Neonaziprominenz auf, bis zu 1.000 Teilnehmer wurden gezählt.
Unter dem Motto "Ehrenhaftes Gedenken statt Anpassung an den Zeitgeist" rufen 2012 über 30 meist militante Kameradschaften zur Teilnahme auf. Für die regionale Szene ist es ihr wichtigster örtlicher Termin, sagt Begrich. Er erwartet bis zu 1.200 Neonazis. Mit dem "Aktionsbündnis gegen das Vergessen" für den Marsch in Dresden arbeitet die Magdeburger Initiative seit zwei Jahren zusammen.
Begrich befürchtet, sollten die Neonazis in Dresden 2012 scheitern, könnten sie 2013 in Magdeburg ihre zentrale "Trauerveranstaltung" ausrichten wollen. Am Samstag ist der Testlauf.
Außergewöhnlich: Zum Parteitag der Linken am Wochenende gibt es einen alternativen Leitantrag. Der soll die Streitkultur in der Partei wiederbeleben, sagt Linkspartei-Politiker Jan Korte.

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Leserkommentare
16.01.2012 12:26 | Rizo
@ Flipper: ...
16.01.2012 10:18 | Wolfgang Banse
Neonazis gelten als unerwünscht in der Landeshauptstadt Madgeburg ...
15.01.2012 14:17 | flipper
@Rizo: ...