Die Berliner S-Bahn, Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, leidet unter winterlicher Kälte. Die rot-rote Landesregierung erwägt nun, das Unternehmen zu kaufenvon RICHARD ROTHER

S-Bahn-Haltestelle Potsdamer Platz, Berlin. Dahinter auch zu sehen: der "Bahn Tower". Bild: Lisa Larsson – Lizenz: CC-BY-ND
BERLIN taz | Die pannengebeutelte Berliner S-Bahn, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG, kommt nicht in die Spur. Versagte bei einem Wintereinbruch vor genau einem Jahr die Technik in zahlreichen Wagen, führt auch die derzeitige Kälte zu einem zusätzlichen Ausfall von Zügen. Die Folge zu Beginn der ersten Arbeitswoche im neuen Jahr: längere Wartezeiten und überfüllte Züge. Im Berufsverkehr müssen teilweise sogar Fahrgäste auf dem Bahnsteig zurückbleiben, weil sie nicht mehr in die Waggons passen.
Ein kalter Winter ist in Berlin allerdings nichts Ungewöhnliches – die Probleme bei der S-Bahn sind hausgemacht. Das Unternehmen galt jahrelang als Melkkuh des Bahnkonzerns, den Ex-Chef Hartmut Mehdorn an die Börse bringen wollte. Um aus der Berliner S-Bahn höhere Gewinne herauszupressen, wurden Werkstätten geschlossen, Reservezüge verschrottet und Personal abgebaut.
Das alles fehlt jetzt – zumal im Sommer massive Sicherheitsprobleme bei den Rädern aufgetaucht sind. Diese hatten das Eisenbahn-Bundesamt dazu gebracht, einen Teil der Wagenflotte aus dem Verkehr zu ziehen und auf häufigere Sicherheitskontrollen zu bestehen. Zuletzt verlängerte die Bahnaufsichtsbehörde die Betriebsgenehmigung für die S-Bahn nur um ein Jahr, üblich wären 15 Jahre gewesen. Wann die S-Bahn zum normalen Fahrbetrieb zurückkehrt – im Sommer hatte sie dies für Dezember versprochen –, ist völlig unklar.
Dem rot-roten Berliner Senat sind in gewisser Weise die Hände gebunden. Der geltende Verkehrsvertrag, der der Bahn einige Schlupflöcher bietet, läuft noch bis zum Jahr 2017. Aber selbst eine – mittlerweile sicherlich gerechtfertigte – außerordentliche Kündigung würde nicht viel bringen, besitzt die S-Bahn doch quasi ein natürliches Monopol. Technisch bedingt können die Berliner S-Bahn-Züge, die der Bahn gehören, nur in Berlin fahren. Eine Ad-hoc-Neuausschreibung würde also nicht viel bringen, da es keinen Konkurrenten zur Bahn gibt, der solche Züge hat.
Für die Zeit nach 2017 prüft der Senat aber eine offene Ausschreibung. Allerdings gäbe es auch dann das Problem der S-Bahn-Monopolstellung. Deshalb erwägt der Senat nun, die S-Bahn zu kaufen. Das Modell: Das Bundesland besitzt die Züge, nur der Betrieb würde ausgeschrieben und privatwirtschaftlich organisiert.
Dabei könnten auch die landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zum Zuge kommen. Immerhin bietet die BVG seit Jahren einen stabilen und zuverlässigen Service - und ohne ihre U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen hätte das S-Bahn-Chaos der vergangenen Monate die Hauptstadt in den Verkehrskollaps geführt.
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Leserkommentare
24.01.2010 00:23 | keene ahnung oder so
In so einem Laden oder so ähnlich, welcher für den (durchaus auch nötigen & erzwungenen) Transport von Menschen zuständig ...
08.01.2010 06:14 | Karin Haertel
Áls Buerger Deutschlands, Bewohner Berlins und vor allem Steuerzahler lehne ich dieses Ansinnen ab. Ich moechte nicht Mitei ...
06.01.2010 07:29 | avelon
Waehlerhascherei? ...