Nachrichtenanalyse im Netz

Fliegen irren nicht

Täglich neue News-Charts: Auf der Website 10000flies.de wird analysiert, wie oft und welche Nachrichtenartikel in sozialen Netzwerken diskutiert und geteilt werden.

Boulevard geht immer – auch bei der Socialmedia-Analyse.   Bild: screenshot: 10000flies.de

Berlin taz | Welche Nachrichten und Themen sind wichtig und welche nicht? Diese subjektive Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Aber welche Themen die Nutzer in sozialen Netzwerken diskutieren, mögen und mit anderen teilen, lässt sich schnell ermitteln.

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Am Mittwoch startete die Website 10000flies.de, die Nachrichten – nach ihrer Relevanz – in einem Chart-System der meist diskutierten Online-Artikel in sozialen Netzwerken auflistet. Damit kann jeder Online-Journalist, Redakteur und Blogger – ebenso wir der Leser – sehen, wie oft sein Artikel im Web diskutiert, geliked, geteilt und retweetet wurde.

Hinter der neuen Seite steckt der Journalist und Blogger Jens Schröder (Popkulturjunkie). „Ich habe jahrelang die „deutschen blogcharts betrieben und war immer auf der Suche nach besseren Auswertungsmechanismen.“ Aus diesem Grund tat sich Schröder mit den Programmierern von Active Value zusammen und realisierte das Projekt.

Wie 10000flies.de funktioniert, beschreibt Anton Klees, Geschäftsführer des Düsseldorfer IT-Unternehmens Active Value folgendermaßen: „Durch umfangreiche Recherchen ermitteln wir ständig, welche Medien und Blogs in den sozialen Netzwerken eine gewisse Resonanz erreichen.“ Das heisst im Klartext: 10000flies.de zählt, welche Artikel wie häufig bei Facebook, Google+ und Twitter geteilt, kommentiert und empfohlen werden.

Dem Grunde nach lässt sich die Arbeitsweise mit einem Webcrawler, einem automatisierten Computerprogramm, das das Netz nach Inhalten durchkämmt, vergleichen. Google macht nichts anderes.

Nicht das ganze Web abgesucht

Der Unterschied zu Google und anderen Suchmaschinen besteht darin, dass 10000flies.de nicht das ganze Web absucht, sondern sich nur auf die sozialen Netzwerke und Online-Artikel beschränkt, die sowohl von den Medien selbst, als auch von den Usern geposted werden.

„Mit Hilfe der offiziellen API-Schnittstellen von Facebook, Twitter und Google werden anschließend die Zahlen der Likes, Shares, Comments, Tweets und +1s ermittelt und daraus die täglichen Charts erstellt“, erklärt Klees. Diese werden jeweils in der Nacht ermittelt und stehen um 9 Uhr morgens zur Verfügung. Zudem findet man Wochen-, Monats- und Alltime-Charts auf der Seite.

Die Idee ist nicht neu: Rivva, eine Webseite, die ebenfalls das Netz nach Nachrichten durchsucht, ist schon seit 2007 online. Zudem gibt es für spezielle Themengebiete vergleichbare Memetracker: Dienste, die das Netz in Echtzeit durchsuchen und Nachrichten sammeln.

Einen entscheidenden Unterschied sieht aber Klees zu den üblichen Memetrackern: 10000flies.de sei kein „Echtzeit-Nachrichten-Aggregator“ wie Rivva, sondern will mehr Hintergründe bieten. Das soll in Form von Analysen, Trends und einem umfangreichen Archiv realisiert werden. Man will bald noch weitere soziale Netzwerke und Mikroblog-Systeme wie Tumblr in das System von 10000flies miteinbinden.

Generierter Nachrichtenwert

Hinter dem Projekt steckt kein reiner Servicegedanke: „Wir denken dabei vor allem an Möglichkeiten, Angebote für Leute zu stricken, die sich beruflich für Themen, Trends und Daten aus den sozialen Netzwerken interessieren.“ Die Charts an sich, wie man sie auf 10000Flies.de findet, sollen aber kostenlos bleiben.

Solche Geschäftsmodelle bringen aber auch Risiken mit sich. Der bereits erwähnte Platzhirsch Rivva ging bereits einmal offline, kam allerdings wenig später dank eines Sponsors wieder zurück. Ein Nachrichtenwert lässt sich aus Schröders Sicht  auf „vielfältige Art und Weise“  generieren: Vor allem die Charts, die sich auf seiner Website befinden, würden dem Nutzer zeigen, welche Themen den Menschen im Web „am Herzen liegen“. Das Niveau der Artikel „von Trash über Humor“ bis hin zu relevanten Themen, spiegele die Nutzerschaft der sozialen Netzwerke wieder. 

Konkrete Zahlen

Insoweit kann man durch solche Dienste Themen aufgreifen, die von hoher Relevanz sind. Allerdings sollte man dabei verschiedene Dienste nutzen, um einen Vergleich zu haben. Der Vorteil an solchen Nachrichtenanalysen ist, dass sie konkrete Zahlen liefern, die nicht lediglich auf Schätzungen basieren.

Am Tag als 10000Flies.de online ging, war erstaunlicherweise kein Artikel der führenden Nachrichtenseiten ganz oben, sondern ein Beitrag von VeganBlog. Einen Tag später sind allerdings die üblichen Medien wieder in die Top-Ten der Charts hochgeklettert.

Werden solche News-Aggregatoren (Mediendienste) populärer, erhalten gerade die etablierten Medien weiteren Traffic, so dass sie noch mehr Klicks erhalten und mit diesen Media-Daten ihr Anzeigengeschäft verbessern können. Aber auch unbekannte Blogs haben die Chance sich dadurch weiter zu profilieren.

 

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