Hamburg ist gut beim Wasserverbrauch und schlecht beim Flächenfraß: Der Zukunftsrat der Hansestadt bewertet das Umwelthauptstadtjahr vorsichtig positiv.von Sven-Michael Veit

Reichen saisonal und regional für ganz Hamburg und umzu: Äpfel aus dem Alten Land Bild: dpa
HAMBURG taz | Die Äpfel machen Hoffnung. Drei von vier im vorigen Jahr in Hamburg verzehrte Äpfel stammten aus heimischer Produktion, zu Beginn des Jahrtausends lag dieser Wert noch bei etwa 60 Prozent. Für den Zukunftsrat Hamburg ist dies ein gutes Beispiel für eine regionale Versorgung ohne zu viele überflüssige Transporte. Rein rechnerisch indes könnte das Alte Land, Europas größtes Obstanbaugebiet, Hamburg und Umgebung vollständig mit Äpfeln und anderem Obst beliefern - Versorgungsgrade von 80 Prozent im Jahr 2020 und 99 Prozent 2050 fordert der Zukunftsrat deshalb.
Am Freitag stellte die Organisation ihren sechsten Nachhaltigkeitsbericht seit 2005 vor. Die "Hamburger Entwicklungs-Indikatoren Zukunftsfähigkeit" (Heinz) sollen zeigen, ob sich Hamburg auf einem nachhaltigen Entwicklungspfad im Sinne der Agenda 21 von Rio de Janeiro befindet. Dabei sollen ökologische, ökonomische und soziale Ziele in Einklang gebracht werden. Dem 1994 gegründeten Rat gehören rund 100 Mitglieder an - der Bund für Umwelt und Naturschutz ebenso wie die Handwerkskammer.
Auf 30 Themenfeldern von Energie, Verkehr oder Müll bis hin zur demografischen Entwicklung destilliert der Zukunftsrat aus den Ergebnissen des Vorjahres die Perspektive für das neuen Jahr - geschmückt mit roten, gelben und grünen Ampeln. Letztere gibt es nur einmal: Der geringe private Wasserverbrauch von nur 107 Litern pro Tag und Einwohner ist bundesweiter Spitzenwert.
Der Zukunftsrat Hamburg wurde im April 1994 als Konsequenz aus der Welt-Umweltkonferenz in Rio de Janeiro im Jahr 1992 gegründet.
Motto: Global denken, lokal handeln.
Mitglieder: Etwa 100 Organisationen, Institutionen und Unternehmen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen - vom Umweltverband über die Handwerkskammer bis zum Drogeriemarkt.
Ziel: Eine ökologisch, ökonomisch und sozial auf lange Sicht tragfähige Entwicklung zu ermöglichen.
Mittel: Der Zukunftsrat Hamburg veranstaltet mehrere Themenkonferenzen, er nimmt Stellung zur Politik und erarbeitet einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht namens Hamburger Entwicklungs-INdikatoren Zukunftsfähigkeit - kurz: Heinz.
Insgesamt zeigten die Daten "mehrheitlich in die richtige Richtung", sagte der stellvertretende Sprecher des Zukunftsrats, Jochen Menzel.
Die größten Sorgen bereitet dem Rat der ungebremste Flächenverbrauch. Auch im Vorjahr seien etwa 500 Hektar für Straßen und Gebäude versiegelt worden. Hier sei die Flächenkonversion, also die Umnutzung bereits genutzter Areale für neue Zwecke, eine vordringliche Zukunftsaufgabe. Auch der geringe Anteil der Natura-2000-Gebiete mit nur 8,6 Prozent der Landesfläche wird kritisiert. Hamburg drohe die "ökologische Überschuldung", warnt der Zukunftsrat.
Schlusslicht ist Hamburg weiterhin beim Müll. Mit 451 Kilogramm pro Einwohner und Jahr produziert der Stadtstaat soviel Abfall wie kein anderes Bundesland, und weil die Hamburger auch noch Deutschlands größte Mülltrennungsmuffel sind, liegt die Recyclingquote gleichfalls im Argen. Als positiv hingegen wird vermerkt, dass der Ausstoß an Luftschadstoffen sinke und der Anteil erneuerbarer Energien steige - wenn auch beides nur langsam.
Alles in allem sei das "eine durchwachsene Bilanz", sagt Menzel. Gerade für ein Jahr, in dem Hamburg Europas Umwelthauptstadt war, "müsste man mehr verlangen können".
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Leserkommentare
07.02.2012 18:41 | Gerd Mertens
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