Wenn wir Politikern wie Norbert Röttgen nicht mehr gestatten sich zu verplappern, reden bald alle wie Merkel-Rhetorik-Automaten. Das sollten auch die Piraten wissen.von Felix Dachsel

Rhetorik-Automat Röttgen wird demnächst noch sehr viel mehr auf seine Rhetorik achten. Bild: dapd
Was wollen wir eigentlich? Wie soll er sein, der gute Politiker? Ein glatter Rhetorik-Automat, der perfekt austarierte Statements ausspuckt? Oder doch lieber ein Mensch, der hin und wieder Fehler macht, sich verplappert, schwitzt, danebengreift?
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Am Dienstag hatte Norbert Röttgen, Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein-Westfalen, einen folgenschweren Auftritt im ZDF. Eigentlich ist Röttgen ein Mann der ersten Kategorie. Typ Rhetorik-Automat. Das werfen ihm viele vor. Im ZDF hat er nun einen Fehler gemacht, sich verplappert, danebengegriffen. Das werfen ihm jetzt viele vor.
„Bedauerlicherweise“ entscheide nicht nur die CDU darüber, ob er Ministerpräsident in NRW werde, sondern der Wähler, sagte Röttgen. Auf Nachfrage des Moderators nahm er die Bemerkung zurück. Eine Dummheit war das. Ein Black-out, ein Aussetzer, wie ihn viele erleben, wenn sie aufgeregt sind.
Eigentlich stand der Ausrutscher für das, was die Piraten von Politikern fordern: Seid Menschen! Macht Fehler! Redet nicht so allwissend daher! Nun sind es auch Piraten, die sich per Twitter über Röttgen empören oder lustig machen.
Kein Wunder, lebt die Piratenpartei doch vom pauschalen Ressentiment gegen „die da oben“, die etablierte Politik – sie geben das ungern zu. Sie zehren von einem Gefühl, das in der gesamten Bevölkerung vorherrscht, vom Bauarbeiter bis zur Professorenwitwe: Politiker sind schlecht. Dabei steht dieses Gefühl eher für die Denkfaulheit der Bürger als für die tatsächliche Qualität der Berufspolitiker.
Die Empörung über Röttgens Patzer wird die Angst der Politik vor ihrer Sprache mehren, sie wird dazu führen, dass irgendwann alle wie Angela Merkel reden. Und das kann niemand wollen. Nur jene, die davon profitieren.
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Leserkommentare
11.05.2012 16:37 | immerweiterindiediktatur
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11.05.2012 07:26 | ruhrgeorg
Liebe taz,
11.05.2012 01:16 | Seb
Das war kein "Verplapperer", sondern ein waschechter "Freud´scher Versprecher". Nicht wahr?