Tonbänder belasten Italiens Regierungschef Berlusconi. Sie zeigen, was er tat, als politisch Interessierte die Wahl von US-Präsident Obama verfolgten: Er traf sich mit einer Prostituierten.von MICHAEL BRAUN

"Ich geh jetzt auch duschen, und du wartest im großen Bett auf mich": Italiens Premier Berlusconi. Bild: dpa
Eine Tonbandaufnahme belastet den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. "Ich geh jetzt auch duschen, und du wartest im großen Bett auf mich, wenn du vorher fertig bist." - "In dem Bett von Putin?" - "Ja, in Putins Bett." - "Ach wie schön, das mit den Vorhängen …"
Die zur Verlagsgruppe der Tageszeitung La Reppublica gehörende Wochenzeitschrift LEspresso hatte den Mitschnitt des italienischen Callgirls Patrizia D'Addario online gestellt. Gut genug ist die Tonaufnahme, um Silvio Berlusconis Stimme zu identifizieren, um Italiens Premierminister dabei zuzuhören, wie er das Callgirl in "Putins Bett" dirigiert.
Es war der 4. November 2008, gebannt schaute die ganze Welt auf die USA - an jenem Tag wurde Obama gewählt. Bloß Italiens Ministerpräsident Berlusconi hielt es wohl in der Nacht nicht vor dem Fernseher.
Aber nicht bloß diese Gespräche hat die D'Addario mitgeschnitten. Ihr Tonband lief auch, als sie am gleichen Morgen Gianpaolo Tarantini anrief, jenen jungen Mann aus Bari, der sie Berlusconi zugeführt hatte. Die beiden sprechen recht offen miteinander. "Barbara (ein zweites Callgirl, die Red.) hat mich gefragt, hast du denn den Umschlag mit den 5.000 Euro bekommen?' Ich hab Nein gesagt, gar nichts habe ich bekommen." Dann kommt die D'Addario noch mal auf Berlusconi zurück: "Er sagte, er hat eine Freundin, und er möchte mich von seiner Freundin lecken lassen." Tarantini lacht vergnügt in den Hörer - und in D'Addarios Aufnahmegerät.
Seit gut einem Monat hatte das Callgirl der Staatsanwaltschaft Bari ebenso wie den Medien vom recht freizügigen Treiben am Hofe Silvios berichtet. Berlusconi hatte seinerseits behauptet, er kenne die Dame überhaupt nicht.
Nun sind die Bänder online - und sie bestätigen Punkt für Punkt D'Addarios Aussagen. Erneut richten sich damit in Italien die Scheinwerfer auf Berlusconis Partys in Sardinien genauso wie in Rom; auf die Frage, zu welchen Konditionen ganze Bataillone junger Mädchen daran teilnahmen, auf die Frage schließlich, ob in "Putins Bett" auch politische Karrieren auf den Weg kamen. Das stadtbekannte Callgirl Patrizia D'Addario fand sich wenige Monate nach ihrem Rendezvous mit Silvio als Kommunalkandidatin in ihrer Heimatstadt Bari aufgestellt.
"Material ohne jeden Wert, völlig unglaubwürdig", befindet jedoch Berlusconis Rechtsanwalt - und Parlamentsabgeordneter - Niccolò Ghedini selbst angesichts der Mitschnitte. Auch Politiker aus dem Berlusconi-Lager lassen sich nicht irritieren. So beklagte die Staatssekretärin Margherita Boniver, da werde "bloß im Müll gewühlt", und der Staatsminister Paolo Romani beschwerte sich über "Brunnenvergifter".
Die Koalition hält an ihrer Verteidigungslinie fest, den Skandal einfach auszusitzen. Das Ansinnen der Opposition, über die pikanteren Seiten von Berlusconis Amtsführung in dieser Woche eine Debatte zu führen, schmetterten die Regierungsfraktion ab; die Aussprache wird frühestens im Herbst stattfinden. Laut einer Umfrage vertrauen nur 49 Prozent der Bürger Berlusconi, im Mai waren es 53 Prozent gewesen.
Der Freispruch für einen Richter wird aufgehoben, der einen Angeklagten zur Einschüchterung in eine Gefängniszelle gesperrt hatte. Der Prozess wird nun wiederholt. von Christian Rath

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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
22.07.2009 17:30 | tazitus
Wenn es den "Richtigen" "trifft", ist das Rechtsempfinden schon dahin. Sollten wir nicht empört sein, dass illegal abgehört ...
22.07.2009 10:25 | Unzeit-gemäß
Ich finde der Skandal ist nicht, dass Silvio sich gegen Bezahlung sexuell vergnügt hat. Es handelt sich ja nicht um den Dro ...
22.07.2009 08:32 | Georg Halfas
Ich finde sowohl Ihren Bericht wie auch die Veroeffentlichung der Tonbaender geschmacklos. Man mag zu Berlusconi politisch ...