• 01.07.2009

Mitnahme-Effekt

Senatorin wackelt

Weil sie einen geräuschärmeren Abgang von Uni-Präsidentin Auweter-Kurtz vermasselte, ist Wissenschaftssenatorin Gundelach jetzt selbst unter Beschuss.von Marco Carini

  • 02.07.2009 12:26 Uhr

    von David Perteck, Bundestagsspitzenkandidat der ödp Hamburg:

    Der seit langem absehbare Rücktritt von Uni-Präsidentin Auweter-Kurtz bedeutet eine Niederlage für den schwarz-grünen Senat. Unter Bürgermeister von Beust wurde sie engesetzt und Wissenschaftssenatorin Gundelach sowie der Senat inklusive des grünen Mehrheitsbeschaffers haben sie bis zuletzt mitgetragen. Erst als der breite Protest von Studierenden und Lehrenden gegen den autoritäten Führungsstil und den Demokratieabbau an der Uni nicht mehr zu ignorieren war, hat der Senat angefangen einzulenken. Nun versucht der Senat - Beust, Gundelach, Grüne -, sein Gesicht zu waren, denn Politiker sind in dieser Hinsicht geschickter als Wissenschaftler. Anja Hajduk etwa war als Landesvorsitzende der Grünen zurückgetreten, nur um das Amt der Umweltsenatorin zu übernehmen. Und Bürgermeister Beust könnte nach der Bundestagswahl zurücktreten, um Umweltminister in Berlin zu werden. Dann braucht er die absehbaren Folgen der schwarz-grünen Koalition nämlich nicht persönlich auszubaden. Wie die Zukunft der u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz und von der Airforce ausgezeichneten Raketenforscherin Auweter-Kurtz aussieht, ist hingegen ungewiss. Ebenso, wer künftig auf dem inzwischen durchaus "heißen Stuhl" der Universitäts-Präsidentschaft Platz nehmen soll. Denn eines ist durch den einmaligen Vorgang klar geworden: Lehrende und Studierende lassen sich nicht alles gefallen und treten geschlossen und konsequent für Freiheit in Lehre und Forschung sowie demokratische Kommunikationsformen an der Uni ein. Und zu ihren Forderungen gehört ebenfalls die Abschaffung der von Schwarz-Grün zementierten Studiengebühren!

    Die sichtbaren Folgen von Studiengebühren sind bürokratischer Irrsinn, soziale Ungerechtigkeit und weiterer Bildungsabbau. Sie fördern ebenso wie Büchergeld die soziale Auslese bei den Bildungschancen, die in Deutschland ohnehin der Geldbeutel der Eltern bestimmt. Ein Großteil der Jugend wird vom Studium abgeschreckt und ganze Bevölkerungsschichten werden über Generationen hinweg von besseren Bildungs- und Berufschancen ausgegrenzt. Dies beweisen immer wieder Umfragen und Studien, die daraufhin von konservativen und neoliberalen Politikern vertuscht oder schöngeredet werden. Studiengebühren fördern jedoch eindeutig Bildungsabbau und soziale Spaltung. Allenthalben werden Bildungseliten gefordert, aber unsere Hochschulen werden zugleich an Wirtschafts- und Finanzeliten verscherbelt. Studium und Bildung sind in erster Linie Selbstzweck und nutzen daneben auch der Witrtschaft und der Gesellschaft insgesamt. Die gänzliche Ökonomisierung und die absurde Bürokratisierung der Bildung zum Schaden der Lehrenden und Studierenden muss endlich aufhören. Stattdessen haben Beschäftigte im Erziehungs- und Bildungsbereich eine angemessene Bezahlung und Würdigung verdient. Ich setze mich deshalb mit der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) für kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule ein, sowie für nachhaltige Qualitätsentwicklung in Kitas, Schulen und Universitäten. Studiengebühren jedoch sind Anti-Bildungsgebühren!

    David Perteck, Bundestagsspitzenkandidat der ödp Hamburg

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