Missbrauch an der Odenwaldschule
Eine Bedürfnisbefriedigungsanstalt
Die Odenwaldschule, das Vorzeigeinternat der Reformpädagogik, ins Mark getroffen durch systematische sexuelle Missbräuche, wagt den Versuch einer Wahrheitskommission.von Christian Füller
Leserkommentare
12.07.2010 18:52 Uhr
von rita:
@geschockt:
Natürlich ist Differenzieren wichtig, darum geht es doch nicht. Es scheint nur eben diese Deals gegeben zu haben und ein Lehrer, der ein Verhältnis mit einer volljährigen Schülerin anfängt, darf doch nicht ernsthaft denken, er wasche seine Hände in Unschuld.
@denniger: gut auf den Punkt gebracht! Sexualisierte Gewalt gibt es selbstverständlich überall, auch in Familien, in Altenheimen und - wie dieses Jahr klar wurde auch in den heiligen Hallen der katholischen Kirche und hoch gepriesener Reformpädagogen. Nur warum haben sich letztere so schwer damit getan, Berichte von Kindern ernst zu nehmen? Warum wurde das alles so lange vertuscht? Warum war es so viel wichtiger, das Außenbild und das eigene idealisierte Bild zu bewahren?
12.07.2010 14:01 Uhr
von geschockt:
liebe taz, lieber christian füller,
danke dafür, dass ihr so hartnäckig am thema dranbleibt!
@rita
ich denke, differenzieren ist da schon angebracht.
12.07.2010 13:30 Uhr
von denninger:
@ "Überlebende":
In meinem Kommentar geht es um das Konzept Geheebs einer "freie(n) Gemeinschaft, in der die verschiedenen Generationen unbefangen miteinander umgehen und voneinander lernen können..."
Sorry aber das ist eine offene Einladung an pädosexuelle Pädagogen. Und wie gut Sexualstraftäter lügen, täuschen und manipulieren können weist Du ja selbst.
Das jahrzehntelange Wegsehen und Vertuschen durch Leitung und Beirat war die eigentliche Bankrotterklärung dfer Schule.
Zu Deiner These der Familie: Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung noch vor 50 Jahren ist die Familie kein rechtsfreier Raum. Auch in sie kann und muss bei Bedarf staatlischerseits eingegriffen werden. Die Abschaffung der Familie als gesellschaftliche Basis hat AFAIK bisher nur die Khmer Rouge betrieben - mit 1,5-2,5 Millionen Toten in 4 Jahren.
Eine breite Diskussion ob und in wie weit die deutsche Gesellschaft ein Patriarchat ist sprengt wohl den Rahmen deser Kommentare. Sicherlich begünstigen patriaraische Gesellschaftsformen den sexuellen Missbrauch der Kinder in der Familie.
Die Täter sind hier aber keine von Außen eingesetzten und gedecken Autoritäten sondern Familienmitglieder.
Das Fazit ist doch, das diese Schule in den letzten 100 Jahren angetreten ist, die Gemeinschaft, die Persönlichkeit und das selbstbestimmte Handeln ihrer Schüler zu fördern. Als es wirklich darauf ankam, nämlich ein System sexueller Gewalt und Unterdrückung zu verhindern, hat sie schlicht versagt. Darüber hinaus hat sie bei der Aufarbeitung der Taten geschwiegen, abgewiegelt und vertuscht.
12.07.2010 11:21 Uhr
von rita:
Der Artikel spielt ein vermeintliches Raushalten des Autors aus der ganzen komplizierten Chose vor. Auf den ersten Blick wirkt es vernünftig, die Atmosphäre darzustellen und selbst für sich sprechen zu lassen, auf dem zweiten Blick fallen schon Formulierungen wie "Verhältnis mit erwachsener Schülerin" auf. Soll das heißen, wenn eine Schülerin 18 ist und der Lehrer mit ihr ein Verhältnis anfängt, ist das eine Beziehung unter Erwachsenen und hat mit der ganzen Diskussion über Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen nichts zu tun?
12.07.2010 09:06 Uhr
von Überlebende:
Zitat von denninger: "Wie wäre es, endlich zuzugeben dass das gesamte System "Odenwaldschule" verfault und krank ist und dass das Experiment Reformschule mit diesem Konzept gescheitert ist."
Wenn man jetzt bedenkt, dass die überwiegende MEHRZAHL von sexueller Kindesmisshandlung in der FAMILIE geschieht, dann würde ich (als Betroffene) obige Frage gerne erweitern:
Wie wäre es, endlich zuzugeben dass das GESAMTE System verfault und krank ist und dass das Experiment "Männer regier'n die Welt" gescheitert ist?
11.07.2010 19:44 Uhr
von cif:
@erschüttert pardon, aber der odenwald hat nichts mit hamburg zu tun. in hamburg versucht man ja gerade mehr auf die bedürfnisse der schüler einzugehen und sie nicht mehr nach der vierten klasse sinnfrei auseinanderzureißen; damit einher geht eine verbesserung des unterrichts. sorry, aber ich sehe keine parallelen. der autor
11.07.2010 18:01 Uhr
von Eva:
Es ging in deutschland noch nie um kinder-sprichwörtlichw kinderfeindlichkeit.Kinder werden bestenfalls instrumentalisiert.Deshalb ist Kindermissbrauch in unserer gesellschaft auch in solchem grossen umfang möglich.Denn wer interessiert sich wirklich für die Bedürfnisse und den schutz der kinder.Selbst solche institutionen wie die odenwaldschule tun und taten es nicht.Es geht in erster linie um den grundsätzlichen umgang mit kindern in unserem land und in diesem kontext auch sie vor missbrauch zu schützen.Oder wie sagte neulich ein kleines mädchen zu mir:Die Menschen mögen lieber autos und hunde.
11.07.2010 14:53 Uhr
von Erschüttert:
"Wir haben uns nur um uns selbst gekümmert", sagte Salman Ansari gleich zu Beginn des Wahrheitsabends. "Die Kinder waren zweitrangig." Jetzt, drei Stunden später verstehen viele, was er gemeint hat. "Wir stritten uns über unsere Ideologien von Erziehung. Und Gerold Becker hat es genossen, uns zu teilen in Kinderfreunde und Kinderfeinde. Wir waren die ganze Zeit mit uns selbst beschäftigt."
Wie sich die Argumente gleichen:
Schaut man sich zum Beispiel die Hamburger Schuldiskussion an, hat man den Eindruck, es geht nicht um den Wissenserwerb der Schüler, sondern, wie beim Vorbild Odenwaldschule, allein um das Abbild des Pädagogen von sich selbst.
Zum Teil werden identische Schulmethoden gehandelt. Methoden, die an der Odenwaldschule der sexuellen Aquise dienten, sollen jetzt Garant für besseres Lernen sein.
11.07.2010 14:16 Uhr
von Ex-Odenwaldschüler:
Und jetzt soll Frau Süssmuth eine Komission zur Aufarbeitung leiten-sie die auch zum Freundeskreis von Hentig und Co zählte.HA HA HA.
11.07.2010 13:24 Uhr
von Alexander Raesfeld:
Wie schön für die katholische Kirche, daß es die Odenwaldschule gibt.
So geraten die skandalösen Verhältnisse im Aloisiuskolleg, Canisiuskolleg, Sankt Blasien und Kloster Ettal in den Hintergrund, und die Republik kann genüßlich über die 68'er herziehen.
Wunderbar.
Am Ende wird es vielleicht die Odenwaldschule nicht mehr geben und die katholischen Klitschen werden weiter unsere Elitekaderschmieden sein.
Die im Artikel beschriebene Veranstaltung könnte in den genannten Institutionen einen Anfang machen. Aber dazu fehlt dort der Wille. Aussitzen lautet die Devise.
11.07.2010 13:07 Uhr
von BIFFF...:
Was unterscheidet eigentlich das OSO-Motto "Werde wer du bist!" vom "Erwache!" (und aufs Kollektiv: "Deutschland erwache!"). Ein linkes und emanzipatorisches Motto ist doch nur: "Entwickele dich allseitig in und mit der Gesellschaft der Anderen, auch mal revolutionär!", statt aufzufordern, mitten im Wald in Knusperhäuschen nach einem statischen Sein zu suchen.
Mehr zur Nazi-Tradition der Odenwaldschule:
http://www.bifff-berlin.de/McBIFFF_14.html
11.07.2010 12:25 Uhr
von martin:
Wo waren nur die Eltern.Es kann doch nicht sein das man seine Kinder in einem teuren internat abliefert und sich dann schlicht und einfach um nichts mehr kümmert.Oder war man was mit dem dort geschah einverstanden?Denn gewusst haben es viele auch Eltern auch wenn das keiner zugeben wollte und will.
11.07.2010 12:14 Uhr
von Betroffene:
Ich finde es zynisch wenn hier von verhältnissen oder beziehungen zwischen teils noch minderjährigen-auch unter 18 und unter 14 jahren alten -schülerinnen und ihrer damaligen lehrer gesprochen wird.Es gab lehrer die vielen über die mädchen her-kurz sexuelle gewalt.Die taz schreibt schwerpunktmässig nur von missbrauch bei jungen.Es gab auch viele mädchen-wohlgemerkt minderjährige mädchen an denen sich 20,30 und 40 jahre ältere männer auch mit körperlicher gewalt vergriffen.Und auch wenn einzelne schülerinnen bereits volljährig waren so war das immer noch ein Abhängigkeitsverhältnis.
11.07.2010 12:03 Uhr
von denninger:
"Deutschlands beste Pädagogen" (Zitat taz) leiten einen Pädophilenclub und haben "nichts gesehen und nichts bemerkt" (Wo habe ich das in den letzen 65 Jahren nur schon mal gehört?)
Und jetzt wird nach alter Soz-Päd.-Manier so lange "darüber geredet" bis man "damit leben kann".
Gaanz toll!
Wie wäre es, endlich zuzugeben dass das gesamte System "Odenwaldschule" verfault und krank ist und dass das Experiment Reformschule mit diesem Konzept gescheitert ist.
11.07.2010 11:56 Uhr
von Schulz:
Dann kann man wirklich nur noch denken und sagen:
Sei froh, wenn Du in Deutschland arm bist,
Armut ist ein Reichtum, denn dann wird wenigstens
niemand fuers ganze Leben unfaehig gemacht....
auf Schulen ohne Internat kann es einfach
soooooooooooooooooo nicht passieren.
Sind alle Eliteschulen versaut?
Also ich als armes zu armes DDR-Kind
hatte wenigstens Lehrer, die aus anderen Berufen,
einen Zweitberuf lernten und uns Schueler
(psychologisch) brauchten,
damit wir mitteilten, was wir als richtig
und was wir als falsch verstehen.
Jeder redet in Ich oder Wir-Form.
Wahrscheinlich waren wir in der Ausbildung
der Ausbilder als Programmteil enthalten,
haben es genossen, ohne zu wissen,
was woanders besser oder schlechter sein kann.
Natuerlich haben wir auch an Schule gelitten.
Kann dies heute anders gemacht werden?
Fuer sexuelle Lehrer-Schueler-Kontakte
"flog" man damals von der Schule,
manche wurden natuerlich schon
in der 4.Klasse schwanger?
Wo sind die naechsten Heime?
Keine Ahnung.
Kann es heute anders gemacht werden?
11.07.2010 11:43 Uhr
von kerstinsnichte:
" Wir haben doch von nichts gewußt", das war auch die Standardausrede meiner Nazieltern. Dabei hatten sie nicht nur zugeschaut, wenn die Juden zum Bahnhof geführt wurden, einige hatten sogar aktiv mitgemacht. Jedes Täterkollektiv ist wohl auch gut im perfekten Verdrängen, bei dem der eine Schweiger dem anderen zum "Vorbild" gereicht.
Übrigens beschränkt sich der sexuelle Mißbrauch in den 70ern und 80ern nicht auf Männer in christlichen oder pädagogischen Kontexten. In der forensischen Psychiatrie waren meiner Erfahrung nach ca. 30% der dort tätigen Frauen sexuelle Mißbraucher der ihnen anvertrauten psychisch kranken Straftäter. Eine Geschichte, die noch auf ihre Aufarbeitung wartet.