Militärnutzung des Leipziger Flughafens

Piano und forte gegen Kriegstransporte

Das Orchester Lebenslaute musiziert gegen die militärische Nutzung des Flughafens Leipzig-Halle. Der Airport ist ein strategisches Drehkreuz militärischer Interventionen.

Musikalischer Protest in der Empfangshalle. Bild: dpa

LEIPZIG/ HALLE taz | Ein musikalisch-politisches Zeichen gegen Kriegstransporte hat das Protest-Orchester Lebenslaute am Sonntag in der Abflughalle des Flughafens Leipzig-Halle gesetzt: Bei ihrem jährlich stattfindenden Protestkonzert führten die Musiker das "Waffenhandwerk schafft nur Unheil" von Georg Friedrich Händel sowie das "War Requiem" von Benjamin Britton auf.

Etwa 150 Demonstranten klärten die Reisenden auf dem Flughafen zusätzlich mit Transparenten und Antikriegsparolen darüber auf, worum es ihnen bei ihrer Aktion geht: Die Initiative fordert die Beendigung der militärischen Nutzung des Flughafens Leipzig-Halle.

Jährlich werden seit 2006 von hier aus knapp eine halbe Million Soldaten und Soldatinnen der US-Army zu Kriegseinsätzen in Afghanistan und den Irak geflogen.

Ebenfalls im Jahr 2006 beauftragte die Nato die am Flughafen Leipzig-Halle angesiedelte private Betreiberfirma Ruslan SALIS GmbH mit dem Transport übergroßer militärischer Ladung in verschiedene Länder.

Im Juli 2011 verschiffte das Unternehmen gepanzerte und bewaffnete Fahrzeuge der Bundeswehr des Typs Boxer nach Masar-i-Scharif in Afghanistan.

Auch andere private Firmen sollen mit dem Transport militärischer Güter befasst sein, darunter nach Angaben des Sprechers der Initiative, Marcus Beyer, auch das deutsche Logistikunternehmen DHL.

Das mache den offiziell ausschließlich zivilen Flughafen zu einem strategisch wichtigen Drehkreuz derzeitiger militärischer Interventionen westlicher Staaten, kritisiert der Initiativen-Sprecher. Die Militarisierung der Gesellschaft werde so weiter vorangetrieben. Beyer: "An diesem Ort verschwimmt die Grenze zwischen dem Zivilen und Militärischen."

25 Jahre Protest

Die Lebenslaute, ein loses Ensemble von 60 bis 100 professionellen und HobbymusikerInnen, veranstaltet seit 25 Jahren Konzert-Blockaden oder -Besetzungen. Der Protest gegen Militäreinrichtungen steht im Vordergrund, gefolgt von Konzerten an Atomanlagen wie Wackersdorf, Gorleben oder Biblis.

Ein Konzert auf dem Frankfurter Flughafen 2001 richtete sich gegen Abschiebungen und die Flüchtlings- und Asylpolitik der Bundesrepublik.

Die Bundeswehr ist nach eigener und nach Auffassung der schwarz-gelben Regierung in Afghanistan in friedlicher Absicht unterwegs und leistet an anderen Einsatzorten der Welt hauptsächlich humanitäre Hilfe. Als der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2009 von "kriegsähnlichen Zuständen" in Afghanistan sprach, galt dies deswegen zunächst als Tabubruch.

Ausnahmsweise dürfte er in diesem Punkt mit Friedensinitiativen einer Meinung gewesen sein. "Sogenannte humanitäre Einsätze bleiben militärische Operationen, die von konsequenter ziviler Konfliktbearbeitung unterschieden werden müssen", betont Beyer.

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