• 27.01.2010

Mehr Recht auf Regelschulen für Behinderte

Unter Schurkenstaaten

Ein Gutachten gesteht behinderten Kindern Rechte auf Regelschulen zu - und erklärt Bundesländer indirekt zu Schurkenstaaten, weil sie Menschenrechte verletzten.von Christian Füller

  • 30.12.2010 18:15 Uhr

    von Peter Maier:

    Die Universität Mannheim ist keine Elite-Universität.

  • 09.02.2010 16:47 Uhr

    von mana:

    herr cuno,
    schöner wäre es freilich, wenn sie, als nicht-schreibtisch-täter, ihre reichlich vorhandene sonderpädagogische kompetenz in das regelschulwesen einbringen würden ...

  • 01.02.2010 22:41 Uhr

    von tineup:

    So ein Gutachten gab es vor über zehn Jahren schon mal, und leider hat es nichts bewirkt, die Verwaltungsgerichte haben den klagenden Eltern was gehustet. Der verheerende Bruch in der Biografie unseres behinderten Sohnes, der nach der integrativen Grundschule in die Sonderschule zwangseingewiesen wurde, hat unsere ganze Familie zutiefst traumatisiert. Es ist halt einfach so: Der Kontakt zu den nichtbehinderten Mitschülern ist durch nichts und niemand und auch durch keinerlei sonderpädagogische Akrobatik zu ersetzen.

  • 28.01.2010 17:33 Uhr

    von tom:

    Ich finde Sonderschulen für körperbehinderte nicht diskriminieren, weil Kinder mit Handicap in normalen Schulen häufiger diskriminierungen ausgesetzt sind.

    Aufgrund der größe der Klassen in normalen schulen können die Lehrer dort leider nicht gut eingreifen.

    Ich habe dieses selbst erlebt, nur auf grund meiner Körperlichen größe und gestörter Feinmotorik wurde ich von meinen mitschülern verfolgt und bespuckt.
    Das ging bis zur 7. Klasse, daraufhin wurde ich in eine Sonderschule für Körperbehinderte überwiesen.

    Dort machte ich meinen Realschulabschluss.

    Ich bin froh das solche Einrichtungen existieren, denn ohne die kleinere Klassen hätte ich vermutlich nicht mal einen Hauptschulabschluss geschafft,weil die permanente
    Schikanen meiner Mitschüler mich vom lernen abhielten.

  • 27.01.2010 18:09 Uhr

    von sontag:

    "Der taz liegen dramatische Berichte betroffener Eltern vor, die von den Schikanen der Schulbehörden erzählen - und von den Lernbehinderungen, die von den sogenannten Förderschulen ausgehen können."

    Ich möchte Sie bitten, hiervon etwas zu veröffentlichen, weil ich glaube, dass die meisten Eltern mehr Angst um das "Niveau" im Hinblick auf Leistung in den Klassen ihrer Kinder haben als um das Niveau an Mitmenschlichkeit in Deutschland

  • 27.01.2010 17:58 Uhr

    von Martin Cuno:

    Bei jedem neuen von Christian Füllers regelmäßigen Ergüssen, die er über die Arbeit zigtausender Sonderpädagogen und – wichtiger – über die Lebenssituationen hunderttausender Kinder und Jugendlicher in Deutschland auskübelt ("Sonderschulwesen"), versuche ich erfolglos einen Punkt zu entdecken, wo dieser Mann aus praktischer Berührung mit behinderten Menschen und ihren Problemen spricht. Das gleiche gilt für die redaktionelle Zusammenstellung der Beiträge zum Thema Inklusion: dass es auch ganz andere Erfahrungen von Schülern und Eltern geben könnte als die aus dem Umkreis von "Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen", scheint tabu. – In zehn zwanzig Jahren heißt es vielleicht, die diesbezügliche Umsetzung der UN-Konvention sei an der Trägheit des Systems gescheitert. Es ist aber nicht das System, sondern bunte Realität vielfältigsten menschlichen So-seins. Ich bin nicht der einzige Sonderschullehrer, der nun schon über Jahrzehnte hin zig Schüler als Seiteneinsteiger in seine Schule hat kommen sehen, bei denen in unserm gescholtenen "geschützten Rahmen" das große existenzielle Aufatmen stattfand nach dem Motto "gemeinsamer Unterricht: nie wieder". Bei uns an der Schule findet auch "Gemeinsam Leben, gemeinsam Lernen statt", stellt euch mal vor. Vielleicht sogar mehr als bei Euch da draußen, sogar mit Sicherheit. Drehen wir den Spieß doch mal um: "Dass behinderte Kinder ab sofort das Recht haben, gemeinsam mit nicht behinderten Kindern eine allgemeine Schule zu besuchen", ist eine handfeste Diskriminierung, wenn nicht gleichermaßen das Gegenteil gilt, nämlich dass nicht behinderte Kinder das Recht haben, auf eine Schule zu gehen, in der Behinderte eben nicht in der Minderheit sin. Herr Füller, ob behindert oder nicht, kann jedenfalls gern bei uns hospitieren.
    Die Diskussion hat immer wieder ätzende Züge von Schildbürgerei und "Des Kaisers neue Kleider". Alle Menschen sind gleich, nämlich letztlich darin gleich, dass sie höchst verschiedene Individualitäten sind, worauf dann eben ihre Rechtsansprüche beruhen sollen. Aber worauf denn nun: auf der Gleichheit oder auf der Individualität? Das nennt man eben ein Paradox, und ein Paradox kann man entweder durch Tabuisierung auflösen, worauf die TAZ sich eingeschossen hat, oder eben durch Kreativität, wie sie die hunderttausenden Familien aufzubringen haben, sie sich nicht am grünen Tisch, sondern existenziell mit der Frage auseinandersetzen zu haben, was ihr Kind braucht.
    Ist der Rollstuhlfahrer diskriminiert, weil es extra für ihn eine Rampe gibt? Idiotische Frage. Aber sobald es aus dem Bereich körperlicher Behinderungen auf andere Formen menschlichen Andersseins übergeht, ist diese Idiotie unter Schreibtischtätern weit verbreitet.
    Das Umdenken findet im Kopf und im Herzen von Menschen statt, und nicht in UN-Sälen und an Schreibtischen. Ich z.B. arbeite an einer Waldorf-Förderschule, will heißen: da wird Wert darauf gelegt, dass im Zusammentreffen von Schüler- und Lehrerpersönlichkeiten Urphänomene menschlicher Beziehung geschehen, die den Wert alles Lernens begründen und gegenüber denen Schul- und sonstige Vorschriften zurückzutreten haben. Der Staat hat sich rauszuhalten, sagen wir. Aber auch andere Schulen haben ihr Berufsethos, mit dem sie sich gegen Vergewaltigung von oben wehren werden, und sei es, des Ermüdungsfaktors wegen, als "träge Masse".

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