Hungerlohn und Gefahren für die Gesundheit: Bananenernter in Ecuador haben es schwer. Schuld sind Supermarktketten wie Aldi und Lidl, sagt Oxfam. von Sebastian Fischer

Kein Fairtrade: Bananen aus Ecuador. Bild: dpa
BERLIN taz | Wer im Supermarkt nach Bananen greift, freut sich über den niedrigen Preis. Wer aber die Früchte in Ecuador vom Baum hackt, schimpft auf die deutschen Handelsketten. Die Plantagenarbeiter sind nämlich durch die niedrigen Preise gezwungen, für einen Lohn zu schuften, mit dem sie ihre Familien kaum ernähren können.
Am Freitag veröffentlichte die Hilfsorganisation Oxfam eine Studie, in der sie schwere Vorwürfe gegen die großen deutschen Supermarktketten erhebt. Ihre Marktmacht und der damit verbundene Kostendruck auf Lieferanten seien mitverantwortlich für die unwürdigen Arbeitsbedingungen.
Für ihre aktuelle Studie hat Oxfam die Aussagen von 117 Arbeiten zusammengefasst, die bei ecuadorianischen Bananenproduzenten oder deren Zulieferplantagen arbeiten. Ecuador ist der weltgrößte Bananenlieferant, Oxfam schätzt, dass jede dritte in deutschen Supermärkten verkaufte Banane von hier stammt. In Deutschland kontrollieren Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro fast den gesamten Lebensmitteleinzelhandel.
Die befragten Plantagenarbeiter bekamen laut Studie einen durchschnittlichen Nettolohn von 237 US-Dollar im Monat. Deutlich weniger als die 390 US-Dollar, die Ecuador selbst als Existenzminimum für eine Familie definiert. Dazu kommt, dass die Arbeiter zusätzlich zu 40-Stunden-Wochen noch im Schnitt 24 bis 32 unbezahlte Überstunden pro Monat arbeiteten.
Sozialleistungen, die ihnen zustünden, würden vorenthalten, Urlaub nicht bezahlt. Im Vergleich zu 2008, als Oxfam eine ähnliche Studie veröffentlichte, habe sich die Einkommenssituation jedoch leicht gebessert.
Nach wie vor katastrophal sei jedoch die Gesundheitsgefährdung der Arbeiter. Obwohl es gesetzlich verboten sei, versprühten die Plantagenbesitzer hochgiftige Pestizide per Flugzeug. "Wir bedecken uns mit unseren Hemden, weil der Verwalter der Plantage uns nicht erlaubt, die Felder zu verlassen", zitiert die Studie einen Arbeiter.
Ein von Oxfam befragter Exporteur sprach auch direkt die deutschen Discounter an: "Das Einkaufsvolumen der Supermarktketten ist inzwischen so groß geworden, dass sie den Preis bestimmen können." Die Mehrheit der deutschen Importeure sage: "Verkaufe mir Bananen zum Aldi-Preis minus oder plus 1 Prozent."
Rewe teilte der taz mit, der Anteil ecuadorianischer Bananen liege bei ihnen bei lediglich 5 Prozent. Die Metro-Gruppe gab an, dass zu Produzenten und Exporteuren von Bananen keine direkten Lieferbeziehungen bestünden. Edeka teilte mit, dass lediglich 1 Prozent der Bananen Ecuadors bei ihnen landen würden. Lidl teilte mit, man nehme die Studie "sehr ernst". Weder Aldi Nord noch Aldi Süd reagierten auf Anfragen.
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Leserkommentare
16.01.2012 17:20 | Ronkwer
@Fair ...
02.01.2012 09:21 | Matt
@JZV - "Ecuador soll kein Oel im Yasuni-Gebiet bohren." Das sind Forderungen von mehr als 80% der ecuadorianischen Bevölker ...
31.12.2011 04:41 | jan z. volens
Ecuador soll kein Oel im Yasuni-Gebiet bohren. Peru soll kein Goldbergbau betreiben. Bolivien soll kein Lithium ausbeuten. ...