• 10.11.2009

Linkspradikale Diskurse mit Glamour

Revolution mit Melancholie

Das Büchlein "The Coming Insurrection" (Der kommende Aufstand) ist der aktuellste Versuch, ultralinker Politik ein glamouröses Antlitz zu verpassen.von Aram Linzel

  • 13.11.2010 19:46 Uhr

    von Horst Schäfer:

    Vorab, ich habe das Buch noch nicht gelesen, weil derzeit nicht auslieferbar, dafür aber die überaus lesenswerten Rezensionen in FAZ und "Süddeutsche".

    Es ist an Stillosigkeit nicht zu überbieten, ausgerechnet einen Mitarbeiter einer grünen Bundestagsabgeordneten mit der Rezension zu betrauen. Verstehen kann man da kaum voraussetzen, geschweige denn eine andere Lebenspraxis. Man sollte diesem Menschen das immer noch lesbare Werk des Situationisten Raoul Vaneigem "Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen" an den Kopf werfen. Letzte Chance die Denkfähigkeit zu erhöhen.

  • 18.02.2010 11:18 Uhr

    von Chris:

    Es ist sehr schade, dass in dieser wirklich nicht guten Rezension (gerade ein Verriss sollte inhaltlich und mit Beispielen operieren, nicht einfach Haltungen anfeinden, das geht direkt auf Kosten der Begründbarkeit) keinerlei Referenz aufgemacht wird zu den Ursprüngen und direkten Orientierungswerken der Autoren (Dieser Kommentar bezieht sich nur auf den Band von Tiqqun.) Wenn von »Eigentlichkeit« und »Uneigentlichkeit« die Rede ist, sollte der Name Martin Heidegger fallen, zumal die Kapitalisierung des »MAN« im gesamten Text dessen Konzept noch einmal aufruft und damit verwendet, wie es überhaupt natürlich sich der Technik des »Bloom« bedient, die also nicht als einfache Textstruktur zu begreifen ist. Dass, wie in einem Kommentar festgestellt, natürlich »Kapitalismus und Schizophrenie« von Deleuze und Guattari sozusagen Pflichtlektüre für dieses Buch ist, aber auch Lyotards Theorie der libidinösen Ökonomie, also der psychoanalytische Diskurs und mit ihm eine der üblichen politischen Sprache enthobene, sollte dazu führen, dass man sich auch von anderer Seite mit dem Text beschäftigt und nicht einfach den Identifikationswünschen Ausdruck verleiht, indem man jede irgend politisch zu deutende Aussage direkt Volley nimmt und im PC-Netz versenkt.
    Die Theorie des Jungen-Mädchens ist eine sehr frische, diskurspralle, aber möglichst diskursiv zerschossene, daher angenehme Sprüchefibel für jeden, im der annehmbare Aussagen so lange auf den politbewussten Linksintellektuellen eindreschen, bis er sich selbst in diesen Zuordnungssystemen wiederfindet. Und ich glaube, »Eigenverantwortung« ist dort als Konzept sehr viel größer geschrieben, als in der »Rezension« vermutet. — Aber das könnte auch einfach mein eigenes Funktionieren mit dem Text bedeuten.
    Jedenfalls sehr, sehr schade, diese Chance so ungenutzt verstreichen zu lassen, Menschen dieses Buch anzuraten, um es – vielleicht persönlich abzulehnen.

  • 28.12.2009 14:18 Uhr

    von Dr. Harald Wenk:

    Ich habe auch den Eindruck, der Buchautor hat wesentlich mehr begriffen als der Kritiker.
    Die Repression durch das Sytem ist unter anderem wenig und unsicher Geld und zum Teil hochgradig entfremdete, auch im akademischen Bereich, Berufsperspktiven, dabei ein offener Antiintellektualismus, der nur die Spitze der Verachtung der Personen, sich bildender Subjekte [junge Mädchen sind das] ist, weil er die Möglichkeit, durch Quliafikation und Selbständigkeit [haben die und wir] Integrietät und soziale Annerkennung und Allierte zu finden abtötet.
    In der BRD haben 80 % aller Arbeitnehmer eine Ausbildung.
    Ich erinnere mich an eine Kritik des wohl auch inspierenden Anti Ödipus, dass der Ödipuskomplex doch auch "Differenzierunsmöglichkeiten böte".
    Wie so ein abgeschnitter Arm die Möglichkeit der Erforschung des Lebens mit nur einem Arm bietet.
    [Gibt es einen berühmten Kung Fu Film drüber, kulturamputierend]
    Wie larmoyant über effektive Einschränkung von Selbständigkeit und "Eigensinngen" im ganz ganz großen Masstab hinweggegangen und sogar mitbetrieben wird, gerade von den GRÜNEN einschliesslich ihrer Wähler, läßt ein moralischen Scharfblick für diese "Menschen" mit Verachtungsgravitationslinse entstehen, der man nur mit hoher emotionaler und intellektuelelr Geschwindigkeit entkommen kann.

  • 23.11.2009 14:43 Uhr

    von Hans Pron:

    Dass es die Grünen mit dem "Nichteinverstandensein" mit den Jahren und Legislaturen zunehmend schwer haben, das haben wir bereits gemerkt.

    Was in dem Artikel von Herrn Linzel fehlt, ist die Lesewarnung betreffs Alain Badiou, respektive die Leseempfehlung hinsichtlich Rainer Forst.
    (Dann wird es auch mit dem Nichteinverstandensein wieder komplizierter.)
    Soviel Leserservice sollte, online hin oder her, doch noch möglich sein.

  • 19.11.2009 16:18 Uhr

    von Schmill:

    Hat der Artikel irgendeinen Sinn? Irgendeine Aussage? Wird irgendwie auf das Buch, seinen Inhalt und seine Wirkung bzw. Ziele eingegangen? Was für eine fürchterliche Aneinanderreihung absolut unaussagekräftiger und zutiefst erklärungsbedürftiger Sätze. Da hätte der Chefredakteur besser mal genauer hingesehen.

  • 18.11.2009 22:34 Uhr

    von LJW:

    Dieser Beitrag liegt, den Eindruck habe ich zunehmend, auf der neuerlichen politischen Linie der Grünen und auch leider derjenigen der taz, die sich nach fast allen Seiten offen hält und jeder Form von politischem Sozialismus abgeschworen hat, und nur noch im Feuilleton akademischen Radikalismus zulässt. Was die ZEIT kann, kann die taz schon lange.
    Daher wird auch immer häufiger irrelevante und dümmliche Kritik an denen, die den Sozialismus noch nicht vergessen haben veröffentlicht.
    Ist die taz noch wirklich eine linke Zeitung, wenn sie solcher Art von Polemik Platz gibt, aber links-sozialistische Kritik zunehmend abwürgt bzw. zensiert.

  • 18.11.2009 10:48 Uhr

    von geraldinho:

    Liebe Kommentatoren,

    Vergleiche mit einer Made und der Begriff Inzucht lassen mich erschauern.
    Terminologie Made in Germany, wie ich es sie eigentlich überwunden glaubte - diese Überwindung auch ein Erfolg der offeneren Jahre, für welche die heutzutage eher kleingläubig daherkommende Poltik der Grünen steht.In den 80ern betätigten sich ja noch hochrangige Politiker als Kammerjäger bei ihren Artgenossen.Heute ist das sich links wähnenden linguitsischen Rumpelstilzchen vorbehalten, oder eben den treuen Fans national befreiter Zonen.

  • 14.11.2009 22:28 Uhr

    von Martin:

    nach meinem Eindruck vermittelt Herr Linzel weder, was er an diesem Buch für glamourös hält, noch gibt er eine Erklärung, warum 'politische Unmittelbarkeit repressiv' sei (um nur ein Beispiel zu nennen): welche Unmittelbarkeit ist denn wem gegenüber repressiv? Das sollte man, wenn man es sagt, irgendwie begründen können. So bleibt der Artikel leider eine Aneinanderreihung von leeren Worthülsen. Wollen wir es hoffen, dass es nicht Herr Linzel selbst ist, der sich in 'klaustrophobischer Politidylle' (was für ein Klischee) grämt, im Gegensatz zur Leitfigur Joschka Fischer noch keine Beraterverträge mit der Energie- oder Automobilwirtschaft vorweisen zu können. Und dann noch das Geschwätz von der jetzigen globalen 'Repräsentation im Interesse möglichst vieler Menschen'. Global zb. per Nato 'legitimierter' Krieg in Afghanistan. OMG.

  • 14.11.2009 13:23 Uhr

    von AAA:


    Wir können doch nichts dafür, daß Herr Linzel dort gelandet ist, der harmlos christlichen Göring-Eckart zuarbeiten zu müssen und den Versuch nach anderen Lebens- und Ausdruckformen als Pose abtun zu müssen.

  • 12.11.2009 12:43 Uhr

    von hto:

    >>>Mit derartigen Grobschnitzereien bedient dieser Diskurs das grassierende Ressentiment gegen repräsentative Demokratien und ihre Institutionen. Nichteinverstandensein einfach gemacht. Der Situationismus-Update veredelt diese Haltung mit Theorieglamour und dem Nimbus des Radikalen. So bekommt der Leser das gute Gefühl, sich vom gewöhnlichen Protest-Nichtwähler kulturell zu unterscheiden.<<<

    Mich erinnert das an taz und ihre Fans, aber auf jedenfall paßt es in den derzeitigen / zeitgeistlichen Diskurs, der gebildeten und gleichermaßen bewußtseinsschwachen Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche im Wettbewerb um ... von "Wer soll das bezahlen?" :-)

  • 10.11.2009 12:20 Uhr

    von mackenzen:

    unglaublich wie buergerlich das alles hier geworden ist?! oder liegt das jezze 'nur' an der parteizugehoerigkeit des autors?! irgendwie ist das langsam wirklich schlimm! aber ja sicher: als ob sone angebliche 'volksherrschaft' etwas an den herrschenden (zustaenden) aendern wuerde! das muesste doch gerade der herr linzel ganz genau wissen wo er doch im bundestag sitzt und sich seit jahr und tag nichts grundsaetzliches veraendert! ja so ist das wohl wenn eben gruen mit schwarz und gelb und mit kapitalismus und mit krieg und eigentlich mit allem 'kann'... irgendwie 'links' ist das jedenfalls alles nicht mehr: anscheinend tritt man dann sogar noch gerne nach... nach da 'links'! naja auf jeden fall: 'nicht einverstandensein' das ist mit herrn linzel wirklich 'einfach': aber gerne!

  • 10.11.2009 00:40 Uhr

    von Schade:

    Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Was mich enteuscht hat, ist der polemischer Art dieses Artikels. Die AutorIn macht sich deutlich lustig über die Kritik an heutigen Staatsformen. Die mag im Buch schlech rüber gebracht sein, aber das ist wohl keine seriöse Berichterstatung. Ich habe eine einzige Frage an sie: Dencken sie wirklich das "unserer" Staat nichts mit Toten in der "dritten Welt" zutun hat.
    Ich entschuldige mich für die schlechte Grammatik, hängt mit meiner Herrkunft zusammen.

  • 09.11.2009 17:03 Uhr

    von A.W.G.:

    Mein Gott, ich bin einiges gewohnt, aber so einen schlechten Artikel hätte ich nicht einmal im Bayernkurier erwartet. Warum lässt sich die Taz nicht gleich als Nebenbeilage der Bild verschleudern? Diese Polemik ist nicht zu ertragen, und
    @Rin:
    die gleiche Frage hab ich mir auch gestellt. Die Antwort wird Herr Aram Linzel wohl schuldig bleiben.

  • 09.11.2009 16:49 Uhr

    von end.the.occupation:

    >> Mit derartigen Grobschnitzereien bedient dieser Diskurs das grassierende Ressentiment gegen repräsentative Demokratien und ihre Institutionen. Nichteinverstandensein einfach gemacht.

    Einverstanden, dass ein 'wissenschaftlicher Mitarbeiter' einer 'Bundestagsfraktion' sich bemüht, das Ressentiment gegen die Ablehnung der Farce der "repräsentativen Demokratie" anzufachen.

    Naiv - von einer Made eine Kritik am Speck zu erwarten.

  • 09.11.2009 16:29 Uhr

    von Mr. OK:

    Gruppenzwang.
    geistige Inzucht.
    So lange die Menschen nicht vernünftig sind, ich meine so lange sie nicht wissen, daß ihr Wissen unvollständig ist und Kritik der einzige Weg um etwas über ihre unbewußte Eingefahrenheit, Blindheit (ich kann nur wahrnehmen, was ich für wahr nehme) und soziale Bedingtheit zu erfahren, wird sich eine Gruppe entweder begrenzen oder zerstreiten. Vor allem in D, wo die Vernunft eh keine Tradition hat.

  • 09.11.2009 15:09 Uhr

    von Riin:

    Was ist der "repressive Charakter politischer Unmittelbarkeit"?

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