Linguistik-Professor Martin Haase seziert, was hinter Politsprech steckt. Gespräch über „potenzielle Gefährder“, Merkels „wir“ und das „Guttenberg-Passiv“.von Erik Wenk
Ein paar nette Beispiele. Aber die fundamentalen sprachlichen "Nebelkerzen", auf die die BRD aufgebaut ist, werden weggelassen: "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer" - pol. gewollte Fehlinformation. Dagegen haben "Herr-liches" Wetter oder eine "Däm-liche" Antwort nur gesellschaftliche Realität abgebildet.
27.12.2012 17:59 Uhr
von Niemand:
Als Beispiel für Politikersprachenannte uns ein Lehrer Anfang der 80er Jahre "Verteidigungssprache". Die klassische Bezeichnung ist Kriegsministerium, aber Verteidigung klingt einfach besser..
19.12.2012 23:19 Uhr
von flipper:
@von stefanwalter: "Wahrscheinlich glaubt die TAZ auch, dass Soziologen, Politologen, Psychologen und Astrologen Wissenschaft betreiben?" OK, klar, aber was glauben Sie, "Stefanwalter", denn, wer "Wissenschaft" betreibt? Ökonomen? Pharmakologen? Besserwisser? "Natur"wissenschaftler gar?
Dann aber doch eher die Astrologen!
18.12.2012 14:53 Uhr
von Harry Lang:
Neusprech ist uralt. Schon immer haben Leute, kleine wie große, die etwas erreichen wollten, schöne Worte gefunden für ihr Anliegen. Davon zeugt der alte Spruch "Jeder Kaufmann lobt seine Ware". Eine Möglichkeit ist, im Namen einer Sache bereits die Bewertung klar zu machen. Man kann z.B. einen Bankier Bankster nennen oder einen Staatschef Tyrann, und schon ist die Bewertung klar. Ganz groß in der Erfindung von wertenden Begriffen sind neben Politikern übrigens auch Journalisten. Ein wunderschönes Beispiel bringt Prof. Martin Haase in seinem Artikel. Er beklagt, dass ein Politiker versucht habe, einen für Nackscanner den beschönigenden Begriff Körperscanner einzuführen. Das hält Haase für Vernebelung. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Körperscanner ist ein ziemlich sachlicher Begriff, während "Nacktscanner" deutlich erkennbar versucht, den Leser zu manipulieren durch die Assoziationen, die sich mit dem Begriff verbinden lassen. Man sieht dass auch Professoren Mühe haben, richtige Bezeichnungen von manipulierendem Neusprech zu unterscheiden.
18.12.2012 11:39 Uhr
von Tendenzbetrieb:
Witzigerweise ignoriert er, dass z.B. "Nacktscanner" auch "Neusprech" ist und eine bestimmte Assoziation wecken soll. "Nacktscanner" oder "Körperscanner" sind ja beide weder falsch noch richtig, sondern Begriffe. Und je nachdem, welchen ich benutze, meine ich etwas damit. Aber der Mann findet es natürlich nur schlimm, wenn er auch inhaltlich dagegen ist.
18.12.2012 09:56 Uhr
von Karsten:
Körperscanner ist also Neusprech, Nacktscanner hingegen eine neutrale, sachliche Beschreibung... Was dem Artikel fehlt, ist der Hinweis, dass es eben auch umgekehrt funktioniert: Begriffe werden so gedreht, dass die Maßnahme in möglichst schlechtem Licht steht. "Großer Lauschangriff" wäre für mich ein Top-Kandidat.
18.12.2012 09:47 Uhr
von Mehr Qualität bitte:
Die herablassenden und unsachlichen "Kommentare", die man hier immer wieder lesen muss, lassen einen manchmal doch sehr an den Sinn der freien Meinungsäußerung im Internet zweifeln. Nicht, dass ich damit etwa einer autoritären Zensur das Wort reden möchte... nur gewissen Standards von Qualitätskontrolle. Das Internetportal der taz mag, trotz ihrer Schwächen, immer noch ein respektiertes Nachrichtenmedium sein, und eine bessere Qualitätssicherung im Kommentarteil ("rat cellars of the internet"- S.Fry) ist nur zu begrüßen. Ein gewisses Niveau sollte schon gewahrt werden. Wir sind hier immerhin nicht bei "PI-News" oder "bild.de".
Das gönnerhafte "Richtig" ist schon schäbig genug- ein Zeugnis maßloser Arroganz und des vollkommenen Fehlens jeglicher intellektueller Bescheidenheit. Aber was wäre so schwer gewesen, wenigstens schon ein "Einige" vor "Linke" zu setzen? Diese Unverfrorenheit, gleich einen gewichtigen Teil des politischen Spektrums dermaßen zu diffamieren, zeugt von einem außerordentlich minderwertigen Verständnis von Dikussionskultur. Das Einzige, was man dieser billigen Polemik des Herrn "Ansgar" noch anrechnen könnte, ist die Abwesenheit des im Interview analysierten Politiker-Wortnebels. Aber- Sachlichkeit bewahren hat noch nie jemandem geschadet, und erfordert auch keine großartigen intellektuellen Leistungen.
18.12.2012 09:25 Uhr
von @ansgar:
"allerdings häufig nur" - wann jetzt???
Der Beitrag von Ansgar ist nicht wegen seiner Aussage interessant, sondern im direkten Bezug auf den Artikel, den er ja eigentlich versucht zu kommentieren: Wir lesen ein schönes Beispiel einer plump wiederholten Behauptung, deren sture, kontext- und sinnfreie Wiederholung einen Gewöhnungseffekt beim Empfänger erreichen soll.
"Schönes Wetter heute, aaaber die Linken..." "dann nehm ich noch drei Pfund Mortadella, die Linken würden ja..." "Fröhliche Weihnachten, trotz der Linken..."
Das stört nur, wenn es genehm ist. (?) Ausser / besonders die Linken.
In diesem Sinne, delende carthago.
18.12.2012 08:46 Uhr
von Maudit:
@ Ansgar: Ja, ja, die Linke und die Ihr fast wie Patex anhaftende Subjektivität. tststs...
18.12.2012 06:35 Uhr
von T.V.:
"Besser ist es auf jeden Fall, andere, bessere Wörter zu verwenden."
Hat er das wirklich so gesagt? Wenn ja, irgendwie schwache Aussage für einen Linguisten, weil sie durch das zweimalige Verwenden des Wortes "besser" nahezu nichtssagend wird. Da Wörter an sich auch kaum wertend sind, ist der Spielraum von "besseren" Wörtern nahezu unbegrenzt, was will er also damit sagen?
18.12.2012 00:01 Uhr
von Mischka-Bär:
Cooler Artikel. Frau Merkel ist durchschaubar in ihrer Sprache, finde ich, was ja eigentlich auch erstaunlich ist, sie aber auch authentisch macht. Das Zierke-Zitat finde ich unheimlich. Sowas kriege ich mit, aber das kann anstrengend werden, wenn bald alle sowas probieren. Ich glaube aber, das ist talentabhängig. Manipulative Sprache funktioniert nur, wenn der Anwender auch den Schmalz hat, die Vorschläge seines Sprechers zu begreifen, hoffe ich. Viel amüsanter finde ich Veränderungen bei der Aussprache. Frau Merkel hat zu Kohls Zeiten noch ganz andere Vokalartikulation betrieben, meine ich, ähnlich verändert klingt mir neuerdings auch Herr Platzeck. Schade, denn dadurch glaubte ich, noch mehr über diese Menschen und ihr Weltbild zu erfahren...
17.12.2012 19:53 Uhr
von friedbert:
Ein weiter unangenehm faschistoid gefärbter Begriff ist die "Herdprämie". Aber wagt es ein Herr Haase auch die FemistInnen und Arbeitgeber anzuprangern. Nein, denn er heißt Hase oder so ähnlich. Und Hasen und Wissen und Hasen und Angst sind ja im deutschen Sprachgebrauch auch irgendwie eindeutig verknüpft.
17.12.2012 19:51 Uhr
von Stifter:
Eine Runde Mitleid und der Preis für die Nazi-Heulsuse des Tages gehen an: Ansgar! Gratuliere, der Preis wird demnächst per Post zugesandt.
17.12.2012 19:47 Uhr
von gustav:
Ich wünsche mir noch viel mehr sprach-und kulturwissenschaftliche Interviews dieser Art, die einfach die Sprache analysieren und objektive Wissenschaft parteineutral anwenden. Die öffentliche Anwendung dieser sprachanalytischen Instrumente ermöglicht der Gesellschaft kritischer politische Prozesse zu reflektieren und die Scheinzwangsläufigkeit und Scheinakzeptanz von "unabwendbaren Übeln" zu erschweren. Gerade der Neusprech "Bankenrettung" wäre extrem diskusssionsbedürftig gewesen. Denn im Fokus muss immer die Menschen- und Völker-, Weltrettung stehen! Banken müssen den Völkern dienen und nicht umgekehrt! Von derseite hätte die EZB im innereuropäischen Bankenkreis die Verschuldungsspitzen der Pleitebanken Europas und die bisher uneinholbaren Forderungen einiger Staatsbanken ausgleichen müssen und eben nicht die Steuerzahler behelligen dürfen!!!!!
17.12.2012 19:22 Uhr
von stefanwalter:
Das ist jetzt echt der Renner: ein Linguistik-Professor seziert Politiksprch! Selten so gelacht! In welchem Universum werden denn Liguisten ernst genommen? Das ist keine Wissenschaft, das ist Clusterzählen. Wahrscheinlich glaubt die TAZ auch, dass Soziologen, Politologen, Psychologen und Astrologen Wissenschaft betreiben? Das ist wie die Fernanalyse, die selbsternannte "Adelsexperten" im Fernsehen betreiben, wenn einer von den Royals mal wieder über die Stränge geschlagen hat: So tun als hätte man Ahnung was da abgeht!
17.12.2012 18:50 Uhr
von AusHaching:
Stimmt schon, wird allerdings von allen politischen Seiten betrieben. Man könnte an die begriffliche Entwicklung von "Armut" über "relative Armut" hin zu "Armutsgefährdung" denken, die gerade in den "linken" Medien völlig undifferenziert verwendet werden, um ein Mehr an Sozialstaat zu begründen.
17.12.2012 17:53 Uhr
von Derek van Horn:
Dieses " Neusprech " der Politiker geht mir teilweise gewaltig auf den Keks. Man sollti sie mal folgendes fragen : Wäre es nicht adäquat, den Usus heterogener Termini zu minimieren? ( Sollte man nicht WENIGER Fremtwörter benutzen? )
17.12.2012 17:51 Uhr
von Riga, Josef:
Neusprech kann auch die einlullende, vermeintlich an "Tatsachen" orientierte Dauerbehauptung fragwürdiger Tatsachen sein. So etwa A. Merkel seit Jahren: "Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten" (Stimmt natürlich nicht, denn Libanon, Zypern, Türkei liegen alle im Orient und sind ... Demokratien!) Seit neuem sagt sie aber "Israel ist die einzige f u n k t i o n i e r e n d e Demokratie im Nahen Osten" weil mittlererweile der Arabische Frühling bis ins Kanzleramt durchgedrungen ist. Das erinnert dann schon an ANIMAL FARM: "Vier Beine guuut, zwei Beine besssär...!"
17.12.2012 17:46 Uhr
von tazitus:
Wer zwischen den Ohren ein Hirn hat, der/dem ist das nicht neu, was Prof. Haase beschreibt.
"Sprache transportiert Ideologie, verharmlost oder skandalisiert." (unlängst irgendwo gelesen). Das Bewusstsein für "Neusprech" muss ständig wach gehalten werden. Ein aktuelles Beispiel: Kürzlich wurde aus der "Elbvertiefung" eine "Fahrrinnenanpassung".
17.12.2012 17:18 Uhr
von Ansgar:
"Das Konzept vom „Gefährder“ ist an sich schon problematisch, weil man hier davon abrückt, Straftaten erst zu verfolgen, nachdem etwas verbrochen wurde. Der Gefährder hat noch gar nichts getan, gerät aber schon ins Visier der Verfolgung. Und dann geht’s weiter mit dem „potenziellen Gefährder“, das sind im Grunde alle, denn jeder kann potenziell zum Gefährder werden."
Richtig. Was allerdings Linke häufig nur bei genehmer politischer Ausrichtung stört.
Leserkommentare
21.01.2013 06:42 Uhr
von Benjamin:
Ein paar nette Beispiele. Aber die fundamentalen sprachlichen "Nebelkerzen", auf die die BRD aufgebaut ist, werden weggelassen: "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer" - pol. gewollte Fehlinformation. Dagegen haben "Herr-liches" Wetter oder eine "Däm-liche" Antwort nur gesellschaftliche Realität abgebildet.
27.12.2012 17:59 Uhr
von Niemand:
Als Beispiel für Politikersprachenannte uns ein Lehrer Anfang der 80er Jahre "Verteidigungssprache". Die klassische Bezeichnung ist Kriegsministerium, aber Verteidigung klingt einfach besser..
19.12.2012 23:19 Uhr
von flipper:
@von stefanwalter:
"Wahrscheinlich glaubt die TAZ auch, dass Soziologen, Politologen, Psychologen und Astrologen Wissenschaft betreiben?"
OK, klar, aber was glauben Sie, "Stefanwalter", denn, wer "Wissenschaft" betreibt?
Ökonomen?
Pharmakologen?
Besserwisser?
"Natur"wissenschaftler gar?
Dann aber doch eher die Astrologen!
18.12.2012 14:53 Uhr
von Harry Lang:
Neusprech ist uralt.
Schon immer haben Leute, kleine wie große, die etwas erreichen wollten, schöne Worte gefunden für ihr Anliegen. Davon zeugt der alte Spruch "Jeder Kaufmann lobt seine Ware".
Eine Möglichkeit ist, im Namen einer Sache bereits die Bewertung klar zu machen. Man kann z.B. einen Bankier Bankster nennen oder einen Staatschef Tyrann, und schon ist die Bewertung klar.
Ganz groß in der Erfindung von wertenden Begriffen sind neben Politikern übrigens auch Journalisten.
Ein wunderschönes Beispiel bringt Prof. Martin Haase in seinem Artikel. Er beklagt, dass ein Politiker versucht habe, einen für Nackscanner den beschönigenden Begriff Körperscanner einzuführen. Das hält Haase für Vernebelung. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Körperscanner ist ein ziemlich sachlicher Begriff, während "Nacktscanner" deutlich erkennbar versucht, den Leser zu manipulieren durch die Assoziationen, die sich mit dem Begriff verbinden lassen.
Man sieht dass auch Professoren Mühe haben, richtige Bezeichnungen von manipulierendem Neusprech zu unterscheiden.
18.12.2012 11:39 Uhr
von Tendenzbetrieb:
Witzigerweise ignoriert er, dass z.B. "Nacktscanner" auch "Neusprech" ist und eine bestimmte Assoziation wecken soll. "Nacktscanner" oder "Körperscanner" sind ja beide weder falsch noch richtig, sondern Begriffe. Und je nachdem, welchen ich benutze, meine ich etwas damit. Aber der Mann findet es natürlich nur schlimm, wenn er auch inhaltlich dagegen ist.
18.12.2012 09:56 Uhr
von Karsten:
Körperscanner ist also Neusprech, Nacktscanner hingegen eine neutrale, sachliche Beschreibung... Was dem Artikel fehlt, ist der Hinweis, dass es eben auch umgekehrt funktioniert: Begriffe werden so gedreht, dass die Maßnahme in möglichst schlechtem Licht steht. "Großer Lauschangriff" wäre für mich ein Top-Kandidat.
18.12.2012 09:47 Uhr
von Mehr Qualität bitte:
Die herablassenden und unsachlichen "Kommentare", die man hier immer wieder lesen muss, lassen einen manchmal doch sehr an den Sinn der freien Meinungsäußerung im Internet zweifeln. Nicht, dass ich damit etwa einer autoritären Zensur das Wort reden möchte... nur gewissen Standards von Qualitätskontrolle. Das Internetportal der taz mag, trotz ihrer Schwächen, immer noch ein respektiertes Nachrichtenmedium sein, und eine bessere Qualitätssicherung im Kommentarteil ("rat cellars of the internet"- S.Fry) ist nur zu begrüßen. Ein gewisses Niveau sollte schon gewahrt werden. Wir sind hier immerhin nicht bei "PI-News" oder "bild.de".
Das gönnerhafte "Richtig" ist schon schäbig genug- ein Zeugnis maßloser Arroganz und des vollkommenen Fehlens jeglicher intellektueller Bescheidenheit. Aber was wäre so schwer gewesen, wenigstens schon ein "Einige" vor "Linke" zu setzen? Diese Unverfrorenheit, gleich einen gewichtigen Teil des politischen Spektrums dermaßen zu diffamieren, zeugt von einem außerordentlich minderwertigen Verständnis von Dikussionskultur. Das Einzige, was man dieser billigen Polemik des Herrn "Ansgar" noch anrechnen könnte, ist die Abwesenheit des im Interview analysierten Politiker-Wortnebels. Aber- Sachlichkeit bewahren hat noch nie jemandem geschadet, und erfordert auch keine großartigen intellektuellen Leistungen.
18.12.2012 09:25 Uhr
von @ansgar:
"allerdings häufig nur" - wann jetzt???
Der Beitrag von Ansgar ist nicht wegen seiner Aussage interessant, sondern im direkten Bezug auf den Artikel, den er ja eigentlich versucht zu kommentieren: Wir lesen ein schönes Beispiel einer plump wiederholten Behauptung, deren sture, kontext- und sinnfreie Wiederholung einen Gewöhnungseffekt beim Empfänger erreichen soll.
"Schönes Wetter heute, aaaber die Linken..." "dann nehm ich noch drei Pfund Mortadella, die Linken würden ja..." "Fröhliche Weihnachten, trotz der Linken..."
Das stört nur, wenn es genehm ist. (?) Ausser / besonders die Linken.
In diesem Sinne, delende carthago.
18.12.2012 08:46 Uhr
von Maudit:
@ Ansgar:
Ja, ja, die Linke und die Ihr fast wie Patex anhaftende Subjektivität. tststs...
18.12.2012 06:35 Uhr
von T.V.:
"Besser ist es auf jeden Fall, andere, bessere Wörter zu verwenden."
Hat er das wirklich so gesagt? Wenn ja, irgendwie schwache Aussage für einen Linguisten, weil sie durch das zweimalige Verwenden des Wortes "besser" nahezu nichtssagend wird. Da Wörter an sich auch kaum wertend sind, ist der Spielraum von "besseren" Wörtern nahezu unbegrenzt, was will er also damit sagen?
18.12.2012 00:01 Uhr
von Mischka-Bär:
Cooler Artikel. Frau Merkel ist durchschaubar in ihrer Sprache, finde ich, was ja eigentlich auch erstaunlich ist, sie aber auch authentisch macht. Das Zierke-Zitat finde ich unheimlich. Sowas kriege ich mit, aber das kann anstrengend werden, wenn bald alle sowas probieren. Ich glaube aber, das ist talentabhängig. Manipulative Sprache funktioniert nur, wenn der Anwender auch den Schmalz hat, die Vorschläge seines Sprechers zu begreifen, hoffe ich. Viel amüsanter finde ich Veränderungen bei der Aussprache. Frau Merkel hat zu Kohls Zeiten noch ganz andere Vokalartikulation betrieben, meine ich, ähnlich verändert klingt mir neuerdings auch Herr Platzeck. Schade, denn dadurch glaubte ich, noch mehr über diese Menschen und ihr Weltbild zu erfahren...
17.12.2012 19:53 Uhr
von friedbert:
Ein weiter unangenehm faschistoid gefärbter
Begriff ist die "Herdprämie".
Aber wagt es ein Herr Haase auch
die FemistInnen und Arbeitgeber anzuprangern.
Nein, denn er heißt Hase oder so ähnlich.
Und Hasen und Wissen und Hasen und Angst
sind ja im deutschen Sprachgebrauch auch irgendwie
eindeutig verknüpft.
17.12.2012 19:51 Uhr
von Stifter:
Eine Runde Mitleid und der Preis für die Nazi-Heulsuse des Tages gehen an: Ansgar!
Gratuliere, der Preis wird demnächst per Post zugesandt.
17.12.2012 19:47 Uhr
von gustav:
Ich wünsche mir noch viel mehr sprach-und
kulturwissenschaftliche Interviews dieser
Art, die einfach die Sprache analysieren
und objektive Wissenschaft parteineutral
anwenden.
Die öffentliche Anwendung dieser
sprachanalytischen Instrumente
ermöglicht der Gesellschaft kritischer
politische Prozesse zu reflektieren und
die Scheinzwangsläufigkeit und Scheinakzeptanz
von "unabwendbaren Übeln" zu erschweren.
Gerade der Neusprech "Bankenrettung" wäre
extrem diskusssionsbedürftig gewesen.
Denn im Fokus muss immer die Menschen-
und Völker-, Weltrettung stehen!
Banken müssen den Völkern dienen und nicht
umgekehrt! Von derseite hätte die EZB
im innereuropäischen Bankenkreis
die Verschuldungsspitzen der Pleitebanken
Europas und die bisher uneinholbaren
Forderungen einiger Staatsbanken ausgleichen müssen
und eben nicht die Steuerzahler behelligen dürfen!!!!!
17.12.2012 19:22 Uhr
von stefanwalter:
Das ist jetzt echt der Renner: ein Linguistik-Professor seziert Politiksprch! Selten so gelacht! In welchem Universum werden denn Liguisten ernst genommen? Das ist keine Wissenschaft, das ist Clusterzählen. Wahrscheinlich glaubt die TAZ auch, dass Soziologen, Politologen, Psychologen und Astrologen Wissenschaft betreiben?
Das ist wie die Fernanalyse, die selbsternannte "Adelsexperten" im Fernsehen betreiben, wenn einer von den Royals mal wieder über die Stränge geschlagen hat: So tun als hätte man Ahnung was da abgeht!
17.12.2012 18:50 Uhr
von AusHaching:
Stimmt schon, wird allerdings von allen politischen Seiten betrieben. Man könnte an die begriffliche Entwicklung von "Armut" über "relative Armut" hin zu "Armutsgefährdung" denken, die gerade in den "linken" Medien völlig undifferenziert verwendet werden, um ein Mehr an Sozialstaat zu begründen.
17.12.2012 17:53 Uhr
von Derek van Horn:
Dieses " Neusprech " der Politiker geht mir teilweise gewaltig auf den Keks. Man sollti sie mal folgendes fragen : Wäre es nicht adäquat, den Usus heterogener Termini zu minimieren? ( Sollte man nicht WENIGER Fremtwörter benutzen? )
17.12.2012 17:51 Uhr
von Riga, Josef:
Neusprech kann auch die einlullende, vermeintlich an "Tatsachen" orientierte Dauerbehauptung fragwürdiger Tatsachen sein. So etwa A. Merkel seit Jahren: "Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten" (Stimmt natürlich nicht, denn Libanon, Zypern, Türkei liegen alle im Orient und sind ... Demokratien!) Seit neuem sagt sie aber "Israel ist die einzige f u n k t i o n i e r e n d e Demokratie im Nahen Osten" weil mittlererweile der Arabische Frühling bis ins Kanzleramt durchgedrungen ist. Das erinnert dann schon an ANIMAL FARM: "Vier Beine guuut, zwei Beine besssär...!"
17.12.2012 17:46 Uhr
von tazitus:
Wer zwischen den Ohren ein Hirn hat, der/dem ist das nicht neu, was Prof. Haase beschreibt.
"Sprache transportiert Ideologie, verharmlost oder skandalisiert." (unlängst irgendwo gelesen). Das Bewusstsein für "Neusprech" muss ständig wach gehalten werden. Ein aktuelles Beispiel: Kürzlich wurde aus der "Elbvertiefung" eine "Fahrrinnenanpassung".
17.12.2012 17:18 Uhr
von Ansgar:
"Das Konzept vom „Gefährder“ ist an sich schon problematisch, weil man hier davon abrückt, Straftaten erst zu verfolgen, nachdem etwas verbrochen wurde. Der Gefährder hat noch gar nichts getan, gerät aber schon ins Visier der Verfolgung. Und dann geht’s weiter mit dem „potenziellen Gefährder“, das sind im Grunde alle, denn jeder kann potenziell zum Gefährder werden."
Richtig. Was allerdings Linke häufig nur bei genehmer politischer Ausrichtung stört.