• 09.10.2010

Lehrerin gegen Noten

„Ein Stempel: unfähig, dumm oder faul“

Die Grundschullehrerin Sabine Czerny wurde strafversetzt, weil ihre Schüler zu gut waren. Jetzt kämpft sie gegen Zensuren. Damit würden sozial benachteiligte Kinder abgestempelt.

  • 02.11.2010 23:43 Uhr

    von Dagmar:

    Einige Leserkommentare wollen einfach nicht zur Kenntnis nehmen, was die Frau C. klargestellt hat: Noten sind KEINE Beurteilung von Leistung, sondern Grundlage eines LeistungsVERGLEICHS, das ist ein Riesenunterschied. Bin ich der Beste in der Klasse, bekomme ich eine "1". Wenn ich dann die Klasse wechsel, dann ist unter Umständen meine Leistung nur noch eine "4" wert, nicht weil meine Leistung schlechter geworden wäre, sondern weil sich die Bezugsgröße veränder hat. Selbst wenn alle Schüler das intellektuelle Niveau von Albert Einstein hätten, gäbe es in unserem System immer noch eine Notenskala von 1-6. Also, mit LEISTUNGSmessungen haben Noten nichts zu tun, sie haben vielmehr eine SELEKTIONSfunktion und das stößt der Frau C. übel auf.
    2. Noten VEHINDERN sogar Leistung, weil sie den realtiv Schwächeren den Spaß am Lernen und Leisten rauben und alle weil alle nur noch für die Note lernen. Dabei kommt aber kein Wissen zustande. Jeder kennt das doch, dass das Meiste am Tag nach dem Test schon wieder vergessen ist, weil man an dem Wissen für sich gar kein Interesse hat, das hat einem die Schule mit ihrem Notensystem ausgetrieben.

    Trotzdem ist die Frau eine hoffnungslose Idealistin. Denn selbst wenn alle ein Top-Wissen hätte, würde die Wirtschaft nur einen Teil davon in den besseren Berufen nachfragen und wir hätten Akademiker als Straßenkehrer. Frau C. kennt sehr gut das Schulsystem aber nicht das Wirtschaftssystem, in dessen Diensten die Schule die Karrieren vorsortiert.

  • 18.10.2010 17:31 Uhr

    von Rita:

    Frau Czerny zeigt in den ersten Kapiteln Ihres Buches sehr gut die Probleme des deutschen Schulsystems auf. Es sortiert aus, statt die Kinder zu fördern. Das haben vor ihr ja schon sehr viele andere Menschen analysiert - insofern ist es auch nichts Neues. Leider schreibt Frau Czerny auch viel Unkluges, als sie anfängt, ihren eigenen Lern- und Ausbildungsweg beschreibt. Anders als im Interview beschreibt sie im Buch sehr euphorisch ihre Waldorflehrerausbildung und behauptet dann auch noch, dass Waldorfschulen sehr darauf achten würden, Kinder aus allen sozialen Schichten aufzunehmen. Selten so gelacht! Kinesiologie und Familienstellen hat sie auch noch ausprobiert. Schade, dass sie sich so einlullen hat lassen und keine kritische Distanz wahrt.

  • 17.10.2010 01:33 Uhr

    von Salzwasser:

    Erschreckend, wieviele Leute bedenkenlos ihren Kotau vor dem Notensystem machen.

    "Leistungsmessung ist alternativlos"? Wieso eigentlich?
    Und wieso muß sich der Bequemlichkeit des "Abnehmers" von Schülern gebeugt werden?

    Die Kinder haben nur eine Kindheit. Schlimm genug, wie wenig unorganisiertes Leben, Luft zum freien Atmen,ihnen heute noch bleibt. Tagtäglich werden sie zum Lernen irgendwelcher Dinge gezwungen, die für ihr Alter keinerlei Rolle spielen. Und wozu? Die meisten müssen trotz aller Plackerei in der Schule mit Arbeitslosigkeit oder miesbezahlten Jobs über die Runden kommen, aber nicht, weil sie doof sind, sondern weil das moderne Leben entsprechend organisiert ist.

    Schule ist die Legehennenbatterie für Kinder. Schule ist Lebenszeitvernichtung im Dienste moderner Sklaverei.

  • 13.10.2010 01:45 Uhr

    von HamburgerX:

    Noten sollen Leistung messen, nicht Potenzial. Noten sind objektiv, vergleichbar und erlauben, Defizite aufzuarbeiten.

    Die Talente allerdings werden nie gleich sein, daher ist auch "Noten-Sozialismus" fehl am Platz!

  • 12.10.2010 11:37 Uhr

    von Tony:

    Ich bin Lehrkraft an einer Gesamtschule in Niedersachsen, in der es bis zum 8. Jahrgang (einschließlich) keine Noten, sondern sogenannte Lernentwicklungsberichte (in Textform) gibt. Für jedes Fach wird so die Lernentwicklung des Schülers aufgezeigt. Allerdings fordern Eltern und Schüler immer wieder, dass Noten früher eingeführt werden sollen, "weil sie sich sonst nicht richtig einschätzen" können.
    Ich glaube deshalb, dass viele Eltern und Schüler gar keine Abschaffung der Noten wollen, denn

    1. "Zeugnisse" in Textform werden nicht verstanden. Zahlen sind so schön einfach.
    2. Die Stellung des Schülers in der Lerngruppe ist nicht klar erkennbar.
    3. Spätere Abnehmer von Schülern sind nicht bereit, längere Texte über Bewerber zu lesen; bei schlechten Noten fällt das Aussortieren leichter

    Lasst uns also bei den Noten bleiben, da haben dann die lehrkräfte auch weniger Arbeit mit.

    Tony

  • 12.10.2010 01:47 Uhr

    von zausel 93:

    bei solchen lehrern ist es kein wunder ,das unsere kinder immer weniger wissen haben .
    geben sie zum schutz unserer jugend ihr lehramt auf
    frau czerny

  • 11.10.2010 18:46 Uhr

    von Ndege:

    Nachdem ich den Artikel gelesen habe, weiß ich immer noch nicht, ob die Schüler aus Czernys Klasse einen Einserschnitt haben, weil sie so gut sind, oder weil Czerny das Benotungssystem ablehnt und deshalb aus Protest nur Einsen verteilt. Ein Artikel aus dem solch wichtige Informationen nicht klar herausgehen ist einfach schlecht und daher ist es auch schwer zu sagen, was ich von dieser Lehrerin halten soll.

  • 11.10.2010 17:16 Uhr

    von Thomas Sch.:

    Wie kann man nur so naiv sein ? In der vierten Klasse hatten wir einen Mitschüler, der konnte superschlecht lesen und hat uns alle aufgehalten. Der war nicht sozial benachteiligt, sondern hatte weniger Grips in der Birne. Sorry, werte Dame. Gleiche Rechte heißt nicht, daß alle gleich schlau sind. Oder wäre es Ihnen egal, daß die Bremse an ihrem Auto von einem Monteur repariert wird, der nur gnadenhalber in der Werkstatt beschäftigt wird und weder die Bremswerte noch die Einbauvorschrift lesen und verstehen kann ? Nein. Das, was Sie da von sich gegeben haben, zeugt von einem krassen Mißverständnis. Nicht die schlechte Note macht den schlechten Schüler schlecht. Er selber ist wegen schlechter Leistung Ursache für die schlechte Benotung. Wenn ich bei rot über die Ampel fahre, ist ja auch nicht die Gesellschaft schuld.

  • 10.10.2010 19:43 Uhr

    von Timon:

    Es gibt verschiedene Schulen in denen es keine wirklichen "Zensuren" gibt, auch keine Hausaufgaben und keine standartmäßigen Fächer. DIe Klassenstufen sind vermischt und es ist nach den " Norm-Denken" eigentlich unmöglich das soetwas funkioniert....
    Tut es aber und zwar extrem gut, die Schüler sind besser in der Schule, lernen mehr, konzentrierter und das aller wichtigste ist: Sie haben Spaß an der Schule...
    Das kann man leider von den Norm-Schulen nicht sagen, wo durch Zensuren und Schulstufen (Hautp-,Real-,Gymnasium) schon gleich gesagt werden wie diese Menschen im späteren Leben klarkommen werden.
    Wenn ein sozial-benachteiligtes Kind logischer Weise auf die Hauptschule kommt, ist schon klar, dass dieses Kind immer Unterschicht bleiben wird.

  • 10.10.2010 15:34 Uhr

    von Mars:

    so wie ich dieses thema mitbekommen hatte geht
    der einstellung von Fr.Czerny die soll-erfüllung
    der bewertung vorraus!sprich zB.:7 Schüler können aufs gym.zB.:10 auf die Realschule und zB.:8 auf die realschule da ist sie ja nicht schief gewickelt wenn sie gegen ein so unfaires system kämpft!bei der polizei gab oder gibt es so ein system übrigends auch schonmal!soviele strafzettel sind zu bringen!damit genug geld in die kassen gespühlt wird - egal wieviel
    leute das gesetz übertreten haben^^in betrieben ist dieses system auch gang und gebe!
    deshalb ist die entscheidung des tages für mich unabstimmbar:Noten ja aber bitte objektiv ohne soll zwang!wenn alle schüler super sind muss eben eine gymnasium klasse dazukommen in diesem Jahr!wo problem?es sind kinder denen ihr die ganze zukunft verbaut!

  • 10.10.2010 13:10 Uhr

    von Pädagoge:

    Recht hat sie! Aber leider ist es im deutschen Schulsystem nicht gewünscht die Schwachen zu fördern. Das Einzige das zählt ist Leistung und Eliteförderung.

    Neben der Leistung müssten auch der Einsatz und die Fortschritte die ein Schüler bringt/macht bewertet werden, aber dafür muss man ja den ganzen Menschen betrachten und nicht nur ein Stück Papier auf dem die Testergebnisse stehen.

    Man bräuchte mehr Lehrer wie Frau Czerny, aber solange sie Sklaven des Staates sind (siehe Strafversetzung), werden es die wenigsten riskieren, etwas gegen dieses diskriminierende Schulsystem zu unternehmen.

  • 10.10.2010 12:49 Uhr

    von NotenFreund:

    Ich dachte das Thema ist schon erledigt...keine Leistungen verlangen, Schüler nicht benoten, Spielen statt Lernen, Kuschelschulen usw. und danach in die "kalte" Berufswelt entlassen und sich wundern das nicht viel läuft...!

    Immer diese Ewiggestrigen...Schlimm! Jetzt will man die Sozialschwachen Schützen... aha... hat Herr Gauck nicht gerade gesagt das alle Leute was Leisten können und wir das als Gesellschaft auch abverlangen müssen (im Rahmen und mit Unterstützung natürlich)?!?!

  • 10.10.2010 12:33 Uhr

    von Matze:

    Und wie sollen dann Arbeitgeber, Hochschulen und Co eine geeignete Vorauswahl der Bewerber treffen? Wie soll eine Abstufung der Leistungsfähigkeit erfolgen?
    Im übrigen würde eine notenfreie Schule diejenigen benachteiligen, die sich anstrengen, während Faulheit gefördert würde. Noten sind ein wichtiger Anreiz und ein Indikator. Wie soll sich ein Schüler sonst orientieren? Woher soll er wissen, ob er den Ansprüchen gerecht wird?

  • 10.10.2010 11:57 Uhr

    von Ifosil:

    Sehr schön das es Lehrer gibt die das durchschaut haben. Wir bekommen im Dezember unser erstes Kind, hab mir über diese Problematik auch schon oft gedanken gemacht und auch offen darüber geredet, vorallem in der Verwandschaft. Aber dort wurd ich eigendlich ignoriert und nicht ernst genommen, als ich sagte das Kinder aus sozial schwachen Familien schwere Nachteile haben, konnten sie mir nicht so recht folgen. Dieses Schulsystem ist von den Eliten für die Eliten, Kinder aus unteren Schichten sollen garkeine Chance haben, das ist absicht.

  • 10.10.2010 11:56 Uhr

    von asd:

    "In den Proben bekommen diese Kinder dann die guten Noten und das Prädikat: intelligent und leistungsfähig.“ "

    und was ist daran falsch?

  • 10.10.2010 10:21 Uhr

    von Wolfgang:

    Ich schlage eine Verlosung für Abiturnoten vor!

    Und Hufeisenwerfen für Realschulabschlusse.

  • 10.10.2010 09:45 Uhr

    von Leider zutreffend:

    Sehr geehrte Autorin,

    obwohl meine Eltern (finanziell) zur Unterschicht gehörten, hat meine Mutter fast täglich meine Hausaufgaben kontrolliert und mich z.B. Vokabeln abgefragt. Und das bis zur 6. Klasse. Und, das kann ich jetzt nach so langer Zeit sagen, dieses liebevolle, auch ein bisschen Strenge kümmern hat mich im späteren Leben so weit gebracht. Auch, dass uns als Kinder sehr viel vorgelesen wurde.

    Wichtiger als Geld oder der soziale Status sind persönliches Engagement und Hingabe, und dies zu vermitteln würde vielen Kindern so viel mehr an Gewinn bringen.

  • 10.10.2010 07:02 Uhr

    von hako:

    Sehr geehrter taz Redaktion,

    Jungen sind von den Abwertungs-Orgien nicht erst in den Schulen betroffen, sondern schon von Nichtbeachtungs-Orgien und Kommunikationsverweigerungs-Orgien in Eltern-, Kindergarten- und Betreuungssituationen allgmein.
    Der Mut von Frau Czerny ist nicht hoch genug zu bewerten. Leider kommen solche Meldungen von männlichen Lehrern nicht mehr, da ihnen der Geschlechterkampf unter den Lehrern bereits die Luft zum wirklich gleichberechtigten Denken, Fühlen und Handeln nimmt.
    In Kontext des Berichtes über den Mut von Frau Czerny ist bei der Bewertung zwischen Jungen und Mädchen nicht unterschieden, was sich zunächst einmal als ungewöhnlich angenehm liest. Leider muss man aus Erfahrung sagen, dass solche Berichte schnell wieder instrumentalisiert werden um geschlechterspezifische Politik zu machen, dahingehend dass für Mädchen "mehr herausgeholt" wird. Denn sind ersteinmal Mädchen aus dem Fokus dieser Abwertungsorgien an den Schulen befreit ist das Thema schnell aus den aktuellen Meldungen verschwunden oder gerät erst garnicht dort hinein.
    Es gibt zahlreiche Eltern, denen bei der Betreuung ihrer Jungen (und Mädchen) dieses Thema sehr bewußt ist. An Schulen werden daher schon zwischen Jungen der aufgeklärten und der nicht aufgeklärten, sprich weniger wohlhabenden Elternschaft unterschieden und auf diese Weise Eltern und Jungen gegeneinander ausgespielt. Ich wünshcte mir in der taz Artikel mit sher gründlicher Recherche zu diesen Themen.
    Es grüsst Sie herzlich hako

  • 09.10.2010 22:09 Uhr

    von Anna:

    In Waldorfschulen funktioniert Schule schon lange ohne Noten, Kinder sind ja auch nicht doof, sie wissen selbst genau was sie können und was nicht. Es ist ganz schrecklich, dass Kinder in Deutschland so diskriminiert werden. Noten sind genau dafür da, die Kinder zu diskriminieren, zumal auch längst bewiesen ist, dass Noten ziemlich willkürlich sind.

  • 09.10.2010 22:01 Uhr

    von Arne:

    Vollkommen absurd ist meines Erachtens nach v.A. die Regelung, dass es gute UND schlechte Noten geben MUSS. Warum muss es das denn? Notenvergabe ist ja dann automatisch relativ. Bekommen die meisten meiner Klassenkameraden eher schlechtere Noten, habe ich eher Chancen auf eine bessere und umgekehrt? Warum beurteilt man Schüler_innen einfach nicht nach dem, wie sie sich entwickeln?

    Die Konservativen müssen doch endlich einsehen: Wir brauche dringend tiefgreifende Reformen. Nur weil wir dieses Bildungssystem in Deutschland so lange hatten, ist es dadurch nicht die beste Lösung!

  • 09.10.2010 20:14 Uhr

    von Inge Borg:

    Ihre Argumentation macht im Punkt Willkürlichkeit Sinn, denn die Bewertungsmaßstäbe sind manchmal nicht nachvollziehbar, aber ich sehe keine Bevorteilung gegenüner Kindern aus gebildeten Schichten. Gerade in Grundschulen ist es absoluter Schwachsinn, denn in Deutschland können abgesehen von 5% Analphabeten jeder lesen und es seinen Kindern beibringen. Gerade Hartz4-Empfänger haben i.d.R. mehr Zeit als "gebildete Milieus" um es ihre Kindern beizubringen. Was soll das?

  • 09.10.2010 19:05 Uhr

    von Kerze:

    Ich halte ja Lohn nach Leistung für antiquiert. Im späteren Arbeitsleben wird sowas ja auch nicht verlangt.


  • 09.10.2010 18:18 Uhr

    von Sabiban:

    Danke, Frau Czerny!

  • 09.10.2010 18:00 Uhr

    von Sezession:

    Stimmt, die bösen Eltern, die mit ihren Kindern lernen und ihnen Bücher statt Playstations kaufen. Oh mann, was für ein Schwachsinn, Noten abschaffen, wer kommt auf diesen Schmarrn?

  • 09.10.2010 15:26 Uhr

    von Peter Mannheimer:

    Natürlich haben Kinder aus Elternhäusern ohne Bücher Nachteile; das wissen wir nicht erst seit Sarrazin. Das schlägt sich u. a. in schlechteren Zensuren nieder. Deswegen aber Noten abschaffen zu wollen, ist naiv: Leistungskontrole weg? Unterricht im Klassenverband weg? Soll der Schüler anonym am Unterricht teilnehmen ohne Beurteilung irgendeines Lehrenden? Erst beim Schulabschluss bewertet werden - oder schaffen wir den gleich mit ab? Können wir die Arbeitswelt den Benachteiligten noch zumuten - oder wollen wir die auch abschaffen?

    Ursachen bekämpfen, nicht Symptome! Sabine Czerny hat ihren Beruf verfehlt.

  • 09.10.2010 14:57 Uhr

    von David L.:

    Schön, dass diese Fakten anscheinend auch langsam bei den Lehrern anzukommen scheinen. Zu viele andere Beispiele kennt jeder aus seiner eigenen Schulzeit.
    Aber die Sache ist ja noch viel schlimmer: Die Schulnoten deklarieren die Kinder nicht nur ungerechtfertigt zu Klugen oder Dummen, zu Siegern oder Verlierern. Sie dienen auch als Begründung für offene Diskriminierung - siehe die Sarrazin-Debatte.
    Höchste Zeit, dass sich das die sogenannten Fachpolitker endlich klar machen und dementsprechend (also dagegen) Initiative ergreifen. Sabine Czerny ist dementsprechend nur zu wünschen, dass sich ihr Buch ähnlich gut verkauft wie das des erwähnten verantwortungslosen Dummkopfs.

  • 09.10.2010 14:53 Uhr

    von Peter Maier:

    Noten abschaffen ? Ein Aprilscherz, oder ?

  • 09.10.2010 14:07 Uhr

    von atypixx:

    Es ist schon ein Unterschied, ob Schüler wirklich inhaltlich gut sind, oder ob sie mit formal guten Noten behängt werden. Das kann sicherlich zusammenfallen und wird es auch häufig tun. Dass aber alle Schüler von Frau Czerny formal *und* inhaltlich gut waren, bezweifle ich. Und dass sich Frau Czerny grundsätzlich gegen das Notensystem stellt, bestärkt mich in diesen Zweifeln spürbar.

  • 09.10.2010 12:42 Uhr

    von Wolfgang:

    Deutschland das Land der bekannten Möglichkeiten:
    Dummheit wird staatlich gefördert, Weisheit wird strafversetzt, erfolgreiche Steuerfahnder in Pension geschickt, Bankmanager nach Verzocken von Milliarden Euro mit hohen Abfindungen versehen. Hartz IV Empfänger dürfen 20 Euro im Monat dazuverdienen, Landtagsabgeordnete gönnen sich 400 Euro im Monat mehr.
    Einige (viele) Politiker, besonders die, die angeblich dem Volk sehr wohlgesonnen sind, haben etliche Nebenjobs. Priester preisen die Keuschheit und begehen Keuchheit. (Richtig geschrieben!)
    Was haben Frau Sabine Czerny und der Bürgerrechtler Liu Xiaobo gemeinsam? Sie kämpfen gegen die verkrusteten Denkweisen in den jeweiligen Staaten aber die Reaktionen der zu Recht betroffenen ähneln sich stark. Was doch Denken Angst macht.

  • 09.10.2010 12:36 Uhr

    von Saby:

    Soweit ich mich erinnere, hat Prof. Karl Josef Klauer Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre an der TU Braunschweig die „kriteriumsorientierte Leistungsmessung“ in die Pädagogik eingeführt, auch „lehrzielorientierte“ Leistungsmessung genannt (also absichtlich vom Lehrenden aus gesehen, statt „lernzielorientiert“, wie es aus der Schülerperspektive hieße), und gemeinsam mit seinen Kollegen entsprechende Tests ausgearbeitet.
    Seiner Meinung nach war (a) in erster Linie der Lehrer dafür verantwortlich, dass die Schüler das zuvor definierte Lehrziel erreichten, und (b) tatsächlich (fast) jeder Schüler fähig, das zu schaffen, mancher allerdings etwas später und mit mehr Lernaufwand als seine Klassenkameraden (Prof. Klauer war ursprünglich Sonderschullehrer gewesen).
    Insofern befindet sich Sabine Czerny mit ihrem Denkansatz in guter und seriöser Gesellschaft. Ich frage mich nur, wieso Prof. Klauers doch sehr plausible Sichtweise sich in den Kultusministerien nie durchsetzen konnte, sondern zugunsten der altgedienten Gaußschen Normalverteilung bei den Noten – analog zur angenommenen „Glockenkurve“ des IQ – längst in der Versenkung verschwunden ist.
    Offenbar klammert man sich mit Milchmädchensparsamkeit am status quo fest und produziert wie vor 100 Jahren Überflieger, Mittelmaß und Ausschuss, getreu dem Motto „Das ham wa schon immer so gemacht – da könnte ja jeder kommen“.
    Schade. Mehr engagierte LehrerInnen vom Schlage Sabine Czernys täten unserem Schulsystem und vor allem auch unseren Kindern wirklich gut!

  • 09.10.2010 12:35 Uhr

    von Pädstudi:

    Respekt das Sie sich nicht Mundtot machen lässt
    hoffentlich erreicht Sie Ihr Ziel und Noten werden abgeschafft
    Ich bin dabei :)

  • 09.10.2010 11:42 Uhr

    von hto:

    Das "gesunde" Konkurrenzdenken des "freiheitlichen" Wettbewerbs um die Illusionen und Abhängigkeiten der Hierarchie in materialistischer "Absicherung" erfordert Noten / Klassifizierungen - nur wenn dieses entmenschlichende System in Gänze / bis zur Wurzel abgelehnt wird, und nicht nur eine oberflächliche Behandlung die Symptomatik in Richtung "Sankt Nimmerleins-Tag" verlagert, kann ein wahrhaftig menschenwürdiges System in unzweifelhafter Wertigkeit die wahren Kräfte aller Menschen zur Wirkung bringen - Fusionieren statt Konfusionieren!?

    KEINE KOMPROMISSE, denn Kompromisse sind die ersten Schritte dieses Systems in Ausbeutung und Unterdrückung, zur Verkommenheit im geistigen Stillstand bei gleichbleibend unverarbeiteter / manipulierbarer Bewußtseinsschwäche in Angst, Gewalt und dem Glauben an "Individualbewußtsein", wo geistig-heilendes Selbst- und Massenbewußtsein wirken könnte / sollte!?

  • 09.10.2010 11:01 Uhr

    von Ranjit:

    Ich fürchte Frau Czerny hat zwar nur Gutes im Sinn ist aber etwas fehlgeleitet.
    Das Notensystem ist sicher nicht perfekt aber Leistungsmessung ist wohl alternativlos.
    Dies ist durchaus zum Wohle der Kinder. Denn auch "sozial benachteiligte" Kinder brauchen eine Rückmeldung zu ihren Leistungen und den Vergleich mit anderen Kindern. Wie sollen Kinder wissen, welches Niveau in den jeweiligen Fächern notwendig zum vorankommen ist?
    Noten sich auch sicher nicht völlig objektiv aber in ihrer Tendenz durchaus aussagekräftig. So sagen Abschlussnoten relativ gut Studienerfolg und Berufserfolg voraus.

    Was geändert werden muss sind die Konsequenzen der Noten. Es kann nicht angehen dass nach der vierten (!) Klasse bereits ausgesiebt wird. Natürlich werden sozial benachteiligte Kinder so jeglicher Chance auf einen höheren Bildungsweg beraubt. Eine Lösung wäre die Gesamtschule oder zumindest ein späteres Aufteilen. Ebenso muss späteres Umentscheiden leichter werden.

    Objektivere, zentrale Tests (wie z.B. beim Abi)sollten die Regel werden und das Schulsystem sollte später selektieren. Noten braucht es dennoch.

  • 09.10.2010 10:25 Uhr

    von Willi Ruhrgebiet:

    Natürlich ist eine Benotung von Schülern immer eine wirklich zwiespältige Sache.

    Auch ich entstamme einem "sozial benachteiligten" Haushalt der 60er Jahre. Meine Eltern hatten wenig Mittel mir zu helfen. Meine Lehrer hatten wenig Interesse sich mit meinen Defiziten auseinanderzusetzen und gaben mir dann schon mal einfach gute Noten- vor allem da wo ich sie N I C H T verdient hatte. Irgendwie, dank zweiter und dritter Bildungsumwege, habe ich es dann doch immer weiter geschafft. Der übelste Punk dort, war, dass meine Noten mir ein Können vorgegaukelt haben, das ich nicht besaß!

    Also durfte ich A L L E S doppelt lernen! Toll war das nicht.

    Heute lehre ich als Professor an einer renommierten Universität und habe immer wieder mit Studenten aus "sozial benachteiligten" Familien unterschiedlichster Ethnien zu tun, die oft an den kleinsten Hürden scheitern, weil ihnen A L L E Grundlagen fehlen!

    Deshalb sollten Lehrer die Benotungen ihrer Schüler vielleicht auch mal als Spiegel ihrer eigenen Fähigkeiten in der Wissensvermittlung sehen. Das tue ich selber auch!

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