Familienministerin Schröder will ein "Informationszentrum gegen rechts" gründen. Das Geld sei unnötig und würde anderswo gebraucht, kritisieren Initiativen.von Daniel Bax

Zwei Minister, ein Plan - aber bringt es wirklich etwas? Bild: dapd
BERLIN taz | Als Reaktion auf die Mordserie der Zwickauer Terrorzelle will Kristina Schröder (CDU) ein bundesweites "Informations- und Kompetenzzentrum" gegen Rechtsextremismus einrichten. Zwei Millionen Euro will sie aufwenden, um Erfahrungen beim Kampf gegen Neonazis zu "bündeln und bundesweit zugänglich" zu machen, kündigte die Familienministerin am Dienstag nach einem "Spitzentreffen gegen Rechtsextremismus" in Berlin an.
Zu diesem hatte sie zusammen mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) Vertreter von Gewerkschaften, Verbänden, Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften eingeladen. Friedrich nannte das Treffen ein "Signal der Unterstützung" all jener, die sich im Kampf gegen diese menschenverachtende Ideologie engagierten. "Es darf nicht sein, dass Menschen Angst haben vor Gewalttätigkeit von Extremisten", sagte der CSU-Politiker. Zwar habe die Zahl von Rechtsextremisten abgenommen. Gewaltbereitschaft und Brutalität der Neonazis hätten jedoch zugenommen.
"Wir müssen Angriffe auf Minderheiten stärker auch als Angriffe auf uns alle begreifen", sagte die Familienministerin nach dem Treffen. Die Zwickauer Terrorzelle habe nicht nur eine Reihe von Morden begangen, sondern "auch unser Land attackiert". Gemeinsam müsse man sich dagegen wehren.
"Mehr Nachhaltigkeit" im Kampf gegen Neonazis verspricht sich die Familienministerin von dem neuen Informationszentrum, das sie plant. Es solle eine "neue Phase der Prävention" einläuten. Im Kampf gegen den Rechtsextremismus gebe es kein Kompetenzdefizit, aber einen Mangel an Transfer von Wissen, das in einzelnen Projekten gewonnen worden sei, sagte Schröder.
"Gar nichts" hält dagegen Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich vor allem in den neuen Bundesländern gegen Rechtsextreme engagiert, von Schröders Plänen. "Ich finde, die existierenden Beratungsnetzwerke müssen unterstützt und ausgebaut werden - gerade jetzt, wo staatliche Stellen so versagt haben", sagte sie der taz. Die 2 Millionen wären bei den Initiativen, die sich schon lange auf diesem Gebiet engagieren, besser aufgehoben.
Auch Vertreter der Migrantenverbände, die an dem Treffen teilgenommen hatten, äußerten sich nur verhalten zu Schröders Vorstoß. Trotzdem werteten sie es als wichtiges Signal, überhaupt eingeladen worden zu sein. "Wir wollen nicht nur als Opfer gesehen werden. Wir sind auch Staatsbürger und Partner in diesem Kampf", sagte Ali Ertan Toprak von der Alevitischen Gemeinde in Deutschland.
Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime kritisierte, der Fokus der Debatte sei zu eng: Es gäbe nicht nur den Rechtsterrorismus zu beklagen, sondern auch alltägliche Übergriffe, Diskriminierung und Angriffe auf Moscheen. "Wir brauchen eine Debatte über Rassismus", sagte er.
Beim Gedenken an die Opfer der Neonazi-Terrorzelle spricht eine Tochter vom Verdacht gegen ihre Familie: "Ahnen Sie, wie sich das anfühlt?" von Wolf Schmidt

Ein alter Holocaustleugner hatte einem Gastwirt Schriften zur "Kriegsschuldlüge" übergeben. Das Verfassungsgericht meint, er habe sie nicht "verbreitet". von Christian Rath

Fast 13 Jahre lang konnte die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" mordend und raubend quer durch Deutschland ziehen, ohne dass ihr die Ermittlungsbehörden auf die Spur gekommen waren.
Erst als die Mitglieder Uwe M. und Uwe B. nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil Selbstmord begingen, ihre Komplizin Beate Z. die gemeinsame Wohnung in Zwickau in die Luft jagte und sich dann der Polizei stellte, fügten sich die Puzzleteilchen vieler ungelöster Verbrechen plötzlich zu einem größeren Bild zusammen: Die Morde an acht türkischen und einem griechischen Kleingewerbetreibenden haben einen rassistischen Hintergrund und gehen sämtlichst auf das Konto der Gruppe.
Die ist auch verantwortlich für die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin in Heilbronn sowie ein Nagelbombenattentat in einem mehrheitlich von MigrantInnen bewohnten Kölner Viertel. Ihre Beteiligung an weiteren Taten wird derzeit geprüft. Eigentlich undenkbar ist, dass die Gruppe so lange ohne breitere Unterstützung durch das rechtsextreme Milieu im Verborgenen operieren konnte.
Erste Festnahmen mutmaßlicher Helfer haben schon stattgefunden. Und zudem stellt sich die Frage: Inwieweit war der Verfasssungschutz mit seinen Fühlern in dier Nazi-Szene über das Treiben der Gruppe informiert? Die taz berichtet ausführlich über den Terror von rechts.
Er singt, schüttelt Hände und kann bis zwei zählen. Joachim Gauck wird der Super-Präsi. Ganz bestimmt.

Von de Gaulle bis Mbeki - die schönsten Präsidentenrücktritte der Welt.

Das war's... Fast! Die Berlinale 2012 geht am Sonntag zu Ende. Und wieder waren alle da – die üblichen und die unüblichen Stars, nervige und ehemalige Polit-Prominenz, kreischende und buhende Fans, demonstrierende und andere Bären.

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.


Leserkommentare
25.01.2012 20:45 | Urgestein
Die Absicht von Schröder und Friedrichs ist doch zu leicht zu durchschauen: EIN einzelnes "Zentrum" läßt sich politisch nat ...
25.01.2012 19:30 | H.P.Barkam
Wie lange müssen wir uns eigentlich noch den unsäglichen Mist dieser Kindfrau- Ministerin gefallen lassen?
25.01.2012 13:26 | flopserver
Interessant wäre doch zu erfahren, ob die Zeibild-Stiftung, die die Broschüre 'Demokratie stärken Linksextremismus verhinde ...