Während die Studierenden im Regen weiter demonstrieren, wollen Kultusminister und Hochschulrektoren stillschweigend den Bachelor reparieren.von Christian Füller
Das ganze System ist krank! Es krankt an den üblichen zwei P: Am Irrglauben an die Programmierbarkeit und die Planbarkeit. Studenten, Menschen lassen sich nicht programmieren, ein richtig gewählter und richtig vorgenommener Input führt nicht zum beabsichtigten Output; und jeder Glaube, man wisse schon heute, welche Absolventen wir in drei Jahren brauchen ist, auch wenn/gerade weil er von der Wirtschaft geschürt wurde, eine Milchmädchenrechnung (man verzeihe mir die Stilblüte). Da wir aber nicht wissen, wie der in drei Jahren benötiogte Absolvent aussehen muß, müssen wir uns a) daran gewöhnen zu nehmen, was dann da ist und b) eine möglichst große Vielfalt sicherstellen, um alle dann benötigten Qualifikationen auch vorfinden zu können. Die Natur praktiziert das als Evolution seit Jahrmillarden. Bildungspolitiker brauchen für eine solche Erkenntnis erfahrungsgemäß etwas länger -- besonders wenn sie nicht nur keine Ahnung haben, sondern sich auch selbst ihres Aufgabengebiets entledigen (von der Kompetenz ganz zu schweigen)
07.12.2009 09:38 Uhr
von F K:
Das Ganze ist ein großer Spaß... Die Unis/Kultusminister streichen nun ein paar Klausuren, allerdings werden sich kaum Gedanken gemacht, ob die Bachelorstudiengänge - auf 6 Semester zusammengequetschte Diplomstudiengänge mit Abstrichen in den fachbezogenen, nicht jedoch in den "Ballastfächern" - sinnvoll sind --> sehr bequeme Lösung!
07.12.2009 00:00 Uhr
von raul schmidt:
verstehe nicht, wie diese änderung die bestehenden probleme zu lösen imstande sein soll:
a) nicht die anzahl der prüfungen alleine, auch ihre art sind eine der ursachen für die wut vieler studierender - oder besser ihrer wütenden trauer um das, was einst ihr studium hätte sein sollen. und ihr trotzig aufbegehrender versuch, es wiederzuerlangen.
a1) es gibt jetzt bereits viele studiengänge, die mit genau der nun "neuen" regelung übereinstimmen
a2) das macht diese studiengänge jedoch noch lange nicht zu "studien"gängen. und erst recht nicht zu "studierbaren" "studien"gängen.
nur ein beispiel - die germanistik an einer der universitäten in dieser stadt wird mit eben einer solchen prüfungsregelung, die für viele der pflichtmodule gilt - teilweise werden die beiden modulhälften mit einer prüfung abgeschlossen. anstatt jedoch den studenten die wahl zu überlassen, ob sie wirklich eine klausur schreiben oder nicht doch lieber (sich gründlicher in ein thema vertiefend) eine hausarbeit abgeben wollen,
werden die studierenden - in einem geisteswissenschaftlichen fach!!! - durch klausuren getrieben, als wären sie immer noch in der grundschule, das geht so nicht.
genau solche erfahrungen bringen - neben vielen weiteren problemen (der lange kampf um die viertelparität/studentische mitbestimmung... - anwesenheitslisten) - die studierenden auf die palme. und dabei entspricht das beispiel genau der "neuen" regelung.
fazit: liebe taz, vielen dank für den beitrag, schön zu wissen, daß die akkreditierer am dienstag tagen, aber - eine "nachricht" im sinne von "news" enthält der beitrag nicht wirklich.
06.12.2009 19:29 Uhr
von gabi kleinholz:
und an der FU? an der FU wird weiter um den morgingen runden tisch gerungen. die ankündigung ist nun offiziell auf der fu-berlin.de seite zu finden, studenten protestieren gegen die personelle einschränkung (vorstellung prof bongardt, zuständig für organisation auf institutioneller seite: 18 profs und dozenten gegen 12 studis) - im akademischen senat wurde das nicht beschlossen, dort steht nur runder tisch, studis wollen einen echten offenen runden tisch. heute (sonntag) abend vorbereitungstreffen an der FU mit anschließendem 'special-übernachten', morgen früh geht´s dann gemeinsam zum runden tisch. updates vom heutigen abend und zu morgigen ergebnissen - falls es denn zu solchen kommen sollte - sind immer noch zu erwarten über:
"Jedes Modul schließt in der Regel mit einer das gesamte Modul umfassenden Prüfung ab."
Aber Hallo. In meinem Studiengang gibt es mehrere Module mit einem Umfang von 12 Leistungspunkten (ECTS). Das entspricht dem Stoff von fast einem halben Semester. Und das soll man dann ALLES in EINER EINZIGEN Prüfung parat haben? Ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man mich fragt. Bei mir gibt es glücklicherweise die Möglichkeit, die Modulbestandteile (einzelne Vorlesungen) getrennt prüfen zu lassen.
Leserkommentare
07.12.2009 10:09 Uhr
von likewise:
Das ganze System ist krank! Es krankt an den üblichen zwei P: Am Irrglauben an die Programmierbarkeit und die Planbarkeit. Studenten, Menschen lassen sich nicht programmieren, ein richtig gewählter und richtig vorgenommener Input führt nicht zum beabsichtigten Output; und jeder Glaube, man wisse schon heute, welche Absolventen wir in drei Jahren brauchen ist, auch wenn/gerade weil er von der Wirtschaft geschürt wurde, eine Milchmädchenrechnung (man verzeihe mir die Stilblüte). Da wir aber nicht wissen, wie der in drei Jahren benötiogte Absolvent aussehen muß, müssen wir uns a) daran gewöhnen zu nehmen, was dann da ist und b) eine möglichst große Vielfalt sicherstellen, um alle dann benötigten Qualifikationen auch vorfinden zu können. Die Natur praktiziert das als Evolution seit Jahrmillarden. Bildungspolitiker brauchen für eine solche Erkenntnis erfahrungsgemäß etwas länger -- besonders wenn sie nicht nur keine Ahnung haben, sondern sich auch selbst ihres Aufgabengebiets entledigen (von der Kompetenz ganz zu schweigen)
07.12.2009 09:38 Uhr
von F K:
Das Ganze ist ein großer Spaß... Die Unis/Kultusminister streichen nun ein paar Klausuren, allerdings werden sich kaum Gedanken gemacht, ob die Bachelorstudiengänge - auf 6 Semester zusammengequetschte Diplomstudiengänge mit Abstrichen in den fachbezogenen, nicht jedoch in den "Ballastfächern" - sinnvoll sind --> sehr bequeme Lösung!
07.12.2009 00:00 Uhr
von raul schmidt:
verstehe nicht, wie diese änderung die bestehenden probleme zu lösen imstande sein soll:
a) nicht die anzahl der prüfungen alleine, auch ihre art sind eine der ursachen für die wut vieler studierender - oder besser ihrer wütenden trauer um das, was einst ihr studium hätte sein sollen. und ihr trotzig aufbegehrender versuch, es wiederzuerlangen.
a1) es gibt jetzt bereits viele studiengänge, die mit genau der nun "neuen" regelung übereinstimmen
a2) das macht diese studiengänge jedoch noch lange nicht zu "studien"gängen. und erst recht nicht zu "studierbaren" "studien"gängen.
nur ein beispiel - die germanistik an einer der universitäten in dieser stadt wird mit eben einer solchen prüfungsregelung, die für viele der pflichtmodule gilt - teilweise werden die beiden modulhälften mit einer prüfung abgeschlossen. anstatt jedoch den studenten die wahl zu überlassen, ob sie wirklich eine klausur schreiben oder nicht doch lieber (sich gründlicher in ein thema vertiefend) eine hausarbeit abgeben wollen,
werden die studierenden - in einem geisteswissenschaftlichen fach!!! - durch klausuren getrieben, als wären sie immer noch in der grundschule, das geht so nicht.
genau solche erfahrungen bringen - neben vielen weiteren problemen (der lange kampf um die viertelparität/studentische mitbestimmung... - anwesenheitslisten) - die studierenden auf die palme. und dabei entspricht das beispiel genau der "neuen" regelung.
fazit: liebe taz, vielen dank für den beitrag, schön zu wissen, daß die akkreditierer am dienstag tagen, aber - eine "nachricht" im sinne von "news" enthält der beitrag nicht wirklich.
06.12.2009 19:29 Uhr
von gabi kleinholz:
und an der FU? an der FU wird weiter um den morgingen runden tisch gerungen. die ankündigung ist nun offiziell auf der fu-berlin.de seite zu finden, studenten protestieren gegen die personelle einschränkung (vorstellung prof bongardt, zuständig für organisation auf institutioneller seite: 18 profs und dozenten gegen 12 studis) - im akademischen senat wurde das nicht beschlossen, dort steht nur runder tisch, studis wollen einen echten offenen runden tisch. heute (sonntag) abend vorbereitungstreffen an der FU mit anschließendem 'special-übernachten', morgen früh geht´s dann gemeinsam zum runden tisch. updates vom heutigen abend und zu morgigen ergebnissen - falls es denn zu solchen kommen sollte - sind immer noch zu erwarten über:
http://wikinews030.wordpress.com/2009/11/30/szenen-einer-sitzung-dringlichkeitssitzung-des-akademischen-senats-der-fu-zu-lenzenfrage-und-bildungsstreik-30-11-09/#comment-222
06.12.2009 18:54 Uhr
von Hagen:
"Jedes Modul schließt in der Regel mit einer das gesamte Modul umfassenden Prüfung ab."
Aber Hallo. In meinem Studiengang gibt es mehrere Module mit einem Umfang von 12 Leistungspunkten (ECTS). Das entspricht dem Stoff von fast einem halben Semester. Und das soll man dann ALLES in EINER EINZIGEN Prüfung parat haben? Ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man mich fragt. Bei mir gibt es glücklicherweise die Möglichkeit, die Modulbestandteile (einzelne Vorlesungen) getrennt prüfen zu lassen.