Antonio Negri, Slavoj Zizek und Alain Badiou trafen sich in der Berliner Volksbühne. Drei Tage lang stritten die Philosophen über Klassenkampf, Kapital und die "Idee des Kommunismus".von Jette Gindner
"Bei Badiou fehle ihm das immer auch vorhandene Moment des Widerstandes, des Neuen und Kreativen, sagte Negri in der Diskussion, ..." Am treffsicheren Neuen, am Übermächtig-selbstläuferisch-KREATIVEN mangelt es allen.
Das Moment des KREATIVEN (= Konfliktauflösungsfähigkeit-in-den-Dingen), Neuen kommt nur über eine Steuerungsssystemtheorie des Evolutionsprozesses ins DENKEN und wird nur als 'Steuerungssystem-des-KREATIVEN' übermächtig im weltindustriellen Fortschrittprozess. Wer den Exodus aus der blinden Ordnung-der-Antagonismen (= evolutionsblinde Konflikt- und Machtkämpfe) kampflos organisieren will, muß dies auf evolutionsprozess-theoretischer Grundlage machen wollen, aus dem sich der projektfähige Erkenntnisstand über die Inhalte des Steuerungssystems-des-KREATIVEN-Evolutionspfades ableiten läßt.
Wer diesen Erkenntnisstand als Widerständler nicht hat, kann nur ohnmächtig dem sich abzeichnenden Systemabsturz der KAPITALVORHERRSCHAFT zusehen oder noch ohnmächtiger an tausend Widerstandsstellen herumkämpfen. Erst mit dem erkannten steuerungssystemischen Evolutionsprozess-Modell sind die Widerständler auf Augenhöhe mit den Spitzen des Ancien régime und erst mit diesem Wissen kann 'der Mensch als evolutionär-kreativer Hauptagent in die Geschichte eintreten'.
Die 'Idee des Kommunismus' kann nur die 'Evolutionsprozess-Logik des KREATIVEN Akzelerationswegs' umfassen.
30.06.2010 18:33 Uhr
von Dr. Harald Wenk:
Ich erwähne noch einmal, das alle Autoren trotz "Differenzen" ein starke theoretische Mannigfaltigkeit bilden und extrem superb und lehrreich sind. Negri war 5 Jahre unschuldig im Gefängnis - als STAATSRECHTSPROFESSOR und Gegenstand vieler Solikampagnen!!! Zur Realabschhätzung von Repressionsapparaten und ihr Verhältnis(Doppelbedeutung) zur guten Linken.
30.06.2010 11:35 Uhr
von j.r.:
Dem Philosophenkönigtum erteilt Zizek in „First as Tragedy, then as Farce“ selbst eine Absage. Seite 152 f.
Im Übrigen sollte vor dem "Bombardieren" vielleicht einfach erst mal besser zugehört werden. Die Verbindung, um die es geht, ist die des Singulären mit dem Universellen, die sich in die (ansonsten unterdrückerischen) kommunitären Beschränkungen und Eigenheiten einschreibt. Diese sind Teil der Situation und des Singulären. Im Übrigen sind sie egal.
"Im Inneren“ der Verteidigung der Interessen der Unterdrückten, so sagte Badiou in seinem Vortrag, müssen diese als universalistisch konzeptualisiert werden, als gut für alle. (Aber vielen „Linken“ geht es ja ohnehin nur noch um ihren eigenen Life-Style.) Es gibt bei Badiou immer wieder das Bekenntnis zu den unbegrenzten Mannigfaltigkeiten.
Im übrigen ist oft das Basalste nicht verstanden: Es geht um die Identität einer freien (völlig unbestimmten) Gleichheit (keine Uniformität) und einer gleichen Freiheit (keine Willkürfreiheit, keine Freiheit zur Unterdrückung).
30.06.2010 11:28 Uhr
von j.r.:
Auf eine Nachfrage aus dem Publikum ganz am Ende der Konferenz, warum kaum Frauen eingeladen worden wären – in der Tat war nur eine einzige Frau unter den Sprechern – antwortete Žižek, dass sehr wohl viele Frauen eingeladen wurden, aber, teils aus gesundheitlichen, teils aus inhaltlichen Gründen abgelehnt hätten. So hätte etwa Judith Butler ihre Einladung, auf dem Kongress zu sprechen, ausgeschlagen, weil sie nicht mit dem K-Wort assoziiert werden wolle.
Dass die Philosophin heute andererseits auch noch Hamas und Hisbollah als ebenso linke wie progressive soziale Bewegungen verstanden wissen will, wie sie unlängst in einer Diskussion zu verstehen gab, ist bizarr und wohl kaum gänzlich zu erhellen. Selbst wiederum erhellt es vielleicht jedoch einen Satz, den ihr persönlicher Freund Slavoj Žižek in einem Vorabinterview zum Kongress äußerte: „Wenn die Linke sich nicht neu erfindet, wird die dschihadistische Bewegung unsere Zukunft sein.“ (taz, 25. Juni) Zu dieser Neuerfindung war der Kongress ein Beitrag.
30.06.2010 10:20 Uhr
von Theorie als Praxis:
Es war nicht die "schlesische", sondern die chinesische Kulturrevolution, die die Parole "Bombardiert das Hauptquartier" ausgab.
Die Begründung des harschen Urteils über die Philosophen-Könige findet sich hier:
Der Urkommunismus hat sich aus der steinzeitlichen Urhorde entwickelt. Da ist das Leben in Millionen- und anderen Städten und das auch noch weltweit, fast ausschliesslich durch das dünne Band Geld und Finanzmärkte miteinander brutal hart verbunden, doch "etwas ganz anderes". Getreu der "Defensiv"-Analyse hat Negri mit seiner 'zuförderst Klassenkampf betrachten' Perspektive leider recht. Da ist noch nicht einmal ein Dach für ein Taube und auch kein Spatzenei, insofern sind solche Konferenzen zur Selbstverständigung dringend notwendig. Da alle Arten von Dysfunktionen die Masse der Menschen auszubaden haben, über die Funktionen aber die großen Finanzmarktkapitale und Staaten bestimmen, ist Kritik erst einmal der Hauptgesichtspunkt.
29.06.2010 18:53 Uhr
von Oma Kruse:
Was für knackige Bürschchen! Meine Generation. Da fühlt sich Oma noch mal so richtig jung. Das ist ein Leben! Wie vor fünfzig Jahren! Jubel!
29.06.2010 17:45 Uhr
von Theorie als Praxis:
Es war die chinesische (!) Kulturrevolution, die Parole ausgab, das "Hauptquartier" zu bombardieren:
Zizek hat auf den Einwand aus dem Publikum, dass augenscheinlich kaum Frauen eingeladen worden wären, geantwortet, dass sehr wohl viele Frauen eingeladen worden seien. Nur hätten diese teils aus Krankheitsgründen abgesagt (was er, so sagte er witzelnd, überprüft habe und bestätigen könne) oder weil sie, wie z.B. Judith Butler, nicht mit dem Wort "Kommunismus" assoziiert werden wollten. Butler hält es ja heute eher mit "Hamas, [and] Hezbollah as social movements that are progressive, that are on the Left".
Dem Philosophenkönigtum erteilt Zizek übrigens in "First as Tragedy, then as Farce" eine Absage, Seite 152 f..
29.06.2010 13:06 Uhr
von pekerst:
"Negri (77), Politikwissenschaftler und Kopf der historischen Strömung der Autonomie in Italien, hat nach Exil und Gefängnis in den 2000er Jahren..." Anscheinend meint die Autorin das 20. Jahrhundert, denn Negri hat nur bis 2003 "in den 2000er-Jahren" gesessen, der Rest fand vor 2000 statt.
29.06.2010 13:02 Uhr
von saalbert:
"Exil und Gefängnis in den 2000er Jahren" - Da hat der Mann aber ziemlich lange gesessen. (Übrigens ist "2000er-Jahre" ein Wort. Es empfiehlt sich ein Blick in den Duden.
29.06.2010 12:43 Uhr
von Hans-Jürgen Kapust:
Schade, dass die deutsche Theorie so wenig bis gar nicht mehr vertreten ist. Immerhin gibt es den verblüffenden revolutionstheoretischen Satz von Marx: "Die Emanzipation des Deutschen ist die Emanzipation des Menschen." ( Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, in Die Frühschriften, S.222 ff) Es nimmt aber auch nicht Wunder, da seit dem Erscheinen der "herrschaftfreien Kommunikation" von Habermas zu Beginn der ´80ger, die kritische Theorie der Frankfurter Schule, wie erstickt scheint; gelandet in einem "kapitalistischen Weltinnenraum" (Habermas), maximal noch die negative Utopie entwickelt, zu der zum Schluss auch Adorno tendierte. Dabei bildete sich schon 1973 als nicht-offizielle Weiterführung dieser Schule mit "Öffentlichkeit und Erfahrung" eine bis heute fruchtbare Zusammenarbeit von Oskar Negt und Alexander Kluge heraus, die sog. "gemeinsame Philosophie", die anscheindend dazu gezwungen ist, sich selbst Öffentlichkeit zu verschaffen. Zwar erscheinen Beiträge, Filme etc, dieser beiden - als einzelne -, werden gewürdigt, kommentiert, jedoch weder zum akademischen noch medialen Bereich hat diese gemeinsame Theoriearbeit Zugang gefunden. Soweit nur die Sache, Kommunismus und Philosophie unter dem Gesichtspunkt der Rezeptionsgeschichte betrachtet. Würde man die beiden nur fragen (lesen) zu diesem Thema! Sie haben inhaltlich gesehen nichts weniger versucht, als das von Marx sich selbst vorgenommene Programm, die Ergänzung und Kehrseite zum "Kapital" zu schreiben, eine "Kritik der politischen Ökonomie der Arbeitskraft". Im Marx´schen Sinne haben sie an einem einheitlichen Begriff von "Arbeit" festgehalten, der nicht zwischen Arbeit und Interaktion unterscheidet (Habermas), die Frage nach dem geschichtlichen Subjekt mit Marx als die "Subjektivtät gegenständlicher (menschlicher) Wesenkräfte" beantwortet, damit auch die nach dem "revolutionären Subjekt", und... kreisen bei allen ihren Bemühungen, dem Aufspüren und Aufzeigen "objektiver Möglichkeiten", bei der Arbeit am Begriff, "um die Dinge zu begreifen (B. Brecht), um die bis heute unwiederlegte und immer augenscheinlicher drängendere Erfahrung von Marx: "Der Mensch ist neben die Geschichte getreten, statt ihr Hauptagent zu sein." Drängend? Aufsehen erregt z.Z. Frank Fenner, (Biologe, 95) mit der Prognose : ""Homo sapiens wird aussterben, vielleicht innerhalb von 100 Jahren." http://derstandard.at/1276413619457/
29.06.2010 11:53 Uhr
von Lichtgestalt:
Ja ja, die berühmte SCHLESISCHE Kulturrevolution. Hmm, unterschwelliger Revanchismus - jetzt auch in der taz? ;-)
Leserkommentare
05.07.2010 19:11 Uhr
von Rüdiger Kalupner:
"Bei Badiou fehle ihm das immer auch vorhandene Moment des Widerstandes, des Neuen und Kreativen, sagte Negri in der Diskussion, ..." Am treffsicheren Neuen, am Übermächtig-selbstläuferisch-KREATIVEN mangelt es allen.
Das Moment des KREATIVEN (= Konfliktauflösungsfähigkeit-in-den-Dingen), Neuen kommt nur über eine Steuerungsssystemtheorie des Evolutionsprozesses ins DENKEN und wird nur als 'Steuerungssystem-des-KREATIVEN' übermächtig im weltindustriellen Fortschrittprozess. Wer den Exodus aus der blinden Ordnung-der-Antagonismen (= evolutionsblinde Konflikt- und Machtkämpfe) kampflos organisieren will, muß dies auf evolutionsprozess-theoretischer Grundlage machen wollen, aus dem sich der projektfähige Erkenntnisstand über die Inhalte des Steuerungssystems-des-KREATIVEN-Evolutionspfades ableiten läßt.
Wer diesen Erkenntnisstand als Widerständler nicht hat, kann nur ohnmächtig dem sich abzeichnenden Systemabsturz der KAPITALVORHERRSCHAFT zusehen oder noch ohnmächtiger an tausend Widerstandsstellen herumkämpfen. Erst mit dem erkannten steuerungssystemischen Evolutionsprozess-Modell sind die Widerständler auf Augenhöhe mit den Spitzen des Ancien régime und erst mit diesem Wissen kann 'der Mensch als evolutionär-kreativer Hauptagent in die Geschichte eintreten'.
Die 'Idee des Kommunismus' kann nur die 'Evolutionsprozess-Logik des KREATIVEN Akzelerationswegs' umfassen.
30.06.2010 18:33 Uhr
von Dr. Harald Wenk:
Ich erwähne noch einmal, das alle Autoren trotz "Differenzen" ein starke theoretische Mannigfaltigkeit bilden und extrem superb und lehrreich sind. Negri war 5 Jahre unschuldig im Gefängnis - als STAATSRECHTSPROFESSOR und Gegenstand vieler Solikampagnen!!! Zur Realabschhätzung von Repressionsapparaten und ihr Verhältnis(Doppelbedeutung) zur guten Linken.
30.06.2010 11:35 Uhr
von j.r.:
Dem Philosophenkönigtum erteilt Zizek in „First as Tragedy, then as Farce“ selbst eine Absage. Seite 152 f.
Im Übrigen sollte vor dem "Bombardieren" vielleicht einfach erst mal besser zugehört werden. Die Verbindung, um die es geht, ist die des Singulären mit dem Universellen, die sich in die (ansonsten unterdrückerischen) kommunitären Beschränkungen und Eigenheiten einschreibt. Diese sind Teil der Situation und des Singulären. Im Übrigen sind sie egal.
"Im Inneren“ der Verteidigung der Interessen der Unterdrückten, so sagte Badiou in seinem Vortrag, müssen diese als universalistisch konzeptualisiert werden, als gut für alle. (Aber vielen „Linken“ geht es ja ohnehin nur noch um ihren eigenen Life-Style.) Es gibt bei Badiou immer wieder das Bekenntnis zu den unbegrenzten Mannigfaltigkeiten.
Im übrigen ist oft das Basalste nicht verstanden: Es geht um die Identität einer freien (völlig unbestimmten) Gleichheit (keine Uniformität) und einer gleichen Freiheit (keine Willkürfreiheit, keine Freiheit zur Unterdrückung).
30.06.2010 11:28 Uhr
von j.r.:
Auf eine Nachfrage aus dem Publikum ganz am Ende der Konferenz, warum kaum Frauen eingeladen worden wären – in der Tat war nur eine einzige Frau unter den Sprechern – antwortete Žižek, dass sehr wohl viele Frauen eingeladen wurden, aber, teils aus gesundheitlichen, teils aus inhaltlichen Gründen abgelehnt hätten. So hätte etwa Judith Butler ihre Einladung, auf dem Kongress zu sprechen, ausgeschlagen, weil sie nicht mit dem K-Wort assoziiert werden wolle.
Dass die Philosophin heute andererseits auch noch Hamas und Hisbollah als ebenso linke wie progressive soziale Bewegungen verstanden wissen will, wie sie unlängst in einer Diskussion zu verstehen gab, ist bizarr und wohl kaum gänzlich zu erhellen. Selbst wiederum erhellt es vielleicht jedoch einen Satz, den ihr persönlicher Freund Slavoj Žižek in einem Vorabinterview zum Kongress äußerte: „Wenn die Linke sich nicht neu erfindet, wird die dschihadistische Bewegung unsere Zukunft sein.“ (taz, 25. Juni) Zu dieser Neuerfindung war der Kongress ein Beitrag.
30.06.2010 10:20 Uhr
von Theorie als Praxis:
Es war nicht die "schlesische", sondern die chinesische Kulturrevolution, die die Parole "Bombardiert das Hauptquartier" ausgab.
Die Begründung des harschen Urteils über die Philosophen-Könige findet sich hier:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/06/27/bombardiert-das-hauptquartier-der-philosophen-koenige-oder/
30.06.2010 10:18 Uhr
von Dr. Harald Wenk:
Der Urkommunismus hat sich aus der steinzeitlichen Urhorde entwickelt. Da ist das Leben in Millionen- und anderen Städten und das auch noch weltweit, fast ausschliesslich durch das dünne Band Geld und Finanzmärkte miteinander brutal hart verbunden, doch "etwas ganz anderes". Getreu der "Defensiv"-Analyse hat Negri mit seiner 'zuförderst Klassenkampf betrachten' Perspektive leider recht. Da ist noch nicht einmal ein Dach für ein Taube und auch kein Spatzenei, insofern sind solche Konferenzen zur Selbstverständigung dringend notwendig.
Da alle Arten von Dysfunktionen die Masse der Menschen auszubaden haben, über die Funktionen aber die großen Finanzmarktkapitale und Staaten bestimmen,
ist Kritik erst einmal der Hauptgesichtspunkt.
29.06.2010 18:53 Uhr
von Oma Kruse:
Was für knackige Bürschchen! Meine Generation. Da fühlt sich Oma noch mal so richtig jung. Das ist ein Leben! Wie vor fünfzig Jahren! Jubel!
29.06.2010 17:45 Uhr
von Theorie als Praxis:
Es war die chinesische (!) Kulturrevolution, die Parole ausgab, das "Hauptquartier" zu bombardieren:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/06/27/bombardiert-das-hauptquartier-der-philosophen-koenige-oder/
(nebst Begründung der harschen Aufforderung)
29.06.2010 17:01 Uhr
von j.r.:
Zizek hat auf den Einwand aus dem Publikum, dass augenscheinlich kaum Frauen eingeladen worden wären, geantwortet, dass sehr wohl viele Frauen eingeladen worden seien. Nur hätten diese teils aus Krankheitsgründen abgesagt (was er, so sagte er witzelnd, überprüft habe und bestätigen könne) oder weil sie, wie z.B. Judith Butler, nicht mit dem Wort "Kommunismus" assoziiert werden wollten. Butler hält es ja heute eher mit "Hamas, [and] Hezbollah as social movements that are progressive, that are on the Left".
http://contested-terrain.net/jbutler-hamas-hezbollah-global-left/
Dem Philosophenkönigtum erteilt Zizek übrigens in "First as Tragedy, then as Farce" eine Absage, Seite 152 f..
29.06.2010 13:06 Uhr
von pekerst:
"Negri (77), Politikwissenschaftler und Kopf der historischen Strömung der Autonomie in Italien, hat nach Exil und Gefängnis in den 2000er Jahren..." Anscheinend meint die Autorin das 20. Jahrhundert, denn Negri hat nur bis 2003 "in den 2000er-Jahren" gesessen, der Rest fand vor 2000 statt.
29.06.2010 13:02 Uhr
von saalbert:
"Exil und Gefängnis in den 2000er Jahren" - Da hat der Mann aber ziemlich lange gesessen. (Übrigens ist "2000er-Jahre" ein Wort. Es empfiehlt sich ein Blick in den Duden.
29.06.2010 12:43 Uhr
von Hans-Jürgen Kapust:
Schade, dass die deutsche Theorie so wenig bis gar nicht mehr vertreten ist. Immerhin gibt es den verblüffenden revolutionstheoretischen Satz von Marx: "Die Emanzipation des Deutschen ist die Emanzipation des Menschen." ( Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, in Die Frühschriften, S.222 ff)
Es nimmt aber auch nicht Wunder, da seit dem Erscheinen der "herrschaftfreien Kommunikation" von Habermas zu Beginn der ´80ger, die kritische Theorie der Frankfurter Schule, wie erstickt scheint; gelandet in einem "kapitalistischen Weltinnenraum" (Habermas), maximal noch die negative Utopie entwickelt, zu der zum Schluss auch Adorno tendierte.
Dabei bildete sich schon 1973 als nicht-offizielle Weiterführung dieser Schule mit "Öffentlichkeit und Erfahrung" eine bis heute fruchtbare Zusammenarbeit von Oskar Negt und Alexander Kluge heraus, die sog. "gemeinsame Philosophie", die anscheindend dazu gezwungen ist, sich selbst Öffentlichkeit zu verschaffen. Zwar erscheinen Beiträge, Filme etc, dieser beiden - als einzelne -, werden gewürdigt, kommentiert, jedoch weder zum akademischen noch medialen Bereich hat diese gemeinsame Theoriearbeit Zugang gefunden.
Soweit nur die Sache, Kommunismus und Philosophie unter dem Gesichtspunkt der Rezeptionsgeschichte betrachtet.
Würde man die beiden nur fragen (lesen) zu diesem Thema! Sie haben inhaltlich gesehen nichts weniger versucht, als das von Marx sich selbst vorgenommene Programm, die Ergänzung und Kehrseite zum "Kapital" zu schreiben, eine "Kritik der politischen Ökonomie der Arbeitskraft". Im Marx´schen Sinne haben sie an einem einheitlichen Begriff von "Arbeit" festgehalten, der nicht zwischen Arbeit und Interaktion unterscheidet (Habermas), die Frage nach dem geschichtlichen Subjekt mit Marx als die "Subjektivtät gegenständlicher (menschlicher) Wesenkräfte" beantwortet, damit auch die nach dem "revolutionären Subjekt", und... kreisen bei allen ihren Bemühungen, dem Aufspüren und
Aufzeigen "objektiver Möglichkeiten", bei der Arbeit am Begriff, "um die Dinge zu begreifen (B. Brecht), um die bis heute unwiederlegte und immer augenscheinlicher drängendere Erfahrung von Marx: "Der Mensch ist neben die Geschichte getreten, statt ihr Hauptagent zu sein."
Drängend? Aufsehen erregt z.Z. Frank Fenner, (Biologe, 95) mit der Prognose : ""Homo sapiens wird aussterben, vielleicht innerhalb von 100 Jahren."
http://derstandard.at/1276413619457/
29.06.2010 11:53 Uhr
von Lichtgestalt:
Ja ja, die berühmte SCHLESISCHE Kulturrevolution.
Hmm, unterschwelliger Revanchismus - jetzt auch in der taz? ;-)