Die Schulreform hat nicht zu einem Run auf die Gymnasien geführt.

Eine wohl überlegte Elternwahl

Kommentar von ALKE WIERTH

Die Schulreform hat - anders als von ihren Kritikern erwartet - nicht zu großen Veränderungen bei den Oberschulanmeldungen geführt. Wie auch in den Jahren zuvor werden etwa 45 Prozent der jetzigen Sechstklässler ab dem Sommer Gymnasiasten. Der Rest wird an die neuen Sekundarschulen gehen.

Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht: eine gute, weil die neue Sekundarschule den Eltern offenbar nicht so viel Angst einflößt, dass es, wie von Reformgegnern befürchtet, deshalb zu einem Ansturm auf die Gymnasien kam.

Und selbst wenn, wie der Landeselternausschuss (LEA) vermutet, manche eigentlich gymnasial orientierte Eltern sich wegen der Debatte um die dort künftig um ein Jahr verkürzte Schulzeit gegen die Anmeldung am Gymnasium entschieden haben: Ihnen vorzuwerfen, sie seien damit der "Panikmache" des Senats auf den Leim gegangen, ist entmündigend. Wenn Eltern ihren Kindern den gymnasialen Zeitdruck zugunsten der längeren Schulzeit an der Sekundarschule ersparen wollen, ist das eine wohl überlegte Entscheidung. Auch der LEA hat ja den höheren Druck an den Gymnasien kritisiert.

Schlecht ist die Nachricht deshalb, weil sie auch zeigt, wie wenig der klassischen Gymnasialklientel sich offenbar von der neuen Schulform Sekundarschule hat überzeugen lassen. Im kommenden Schuljahr gibt es damit Gymnasien für die leistungsstärkeren und Sekundarschulen für die schwächeren Schüler. Das ist schade. Denn für die Sekundarschulen heißt das: Sie müssen nun ohne einen nennenswerten Anteil gymnasialempfohlener Kinder zeigen, dass sie gute neue Schulen sind.

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