Kommentar von BERND PICKERT
Der Rauswurf von General Stan McChrystal war nur noch eine Formsache. Jedes Festhalten am Afghanistan-Kommandeur mit dem losen Mundwerk und dem redseligen Team hätte US-Präsident Obama nur noch mehr Hohn und Spott eingebracht.
Der Schaden aber, den McChrystal und sein Stab mit ihren denkbar illoyalen Äußerungen gegenüber dem Rolling Stone angerichtet haben, ist nicht mehr zu reparieren. Die freimütigen Lästereien über angeblich ahnungslose Politiker offenbaren mehr auf als die übliche Distanz zwischen kriegführenden Militärs und zivilen Oberbefehlshabern. Sie verweisen auf die Hilflosigkeit von Politikern, die von den Ereignissen getrieben, unter hohem Erwartungsdruck steht und sich gezwungen sieht, Härte unter Beweis zu stellen. Sie haben die USA und ihre Verbündeten immer tiefer in einen Krieg hereingeführt, von dem niemand weiß, wie er jemals erfolgreich beenden werden kann.
Stan McChrystal durch einen loyaleren Chef zu ersetzen ist leicht - seinen Afghanistan-Kurs fortzuführen wird für Obama viel schwerer. Bislang konnte er froh sein, neben Finanzkrise, Gesundheits- und Steuerreform sowie Ölkrise wenigstens in Sachen Afghanistan innenpolitische Ruhe zu haben. Nicht zuletzt dank seiner Entscheidung, den republikanischen Verteidigungsminister Robert Gates im Amt zu lassen, war das eines der wenigen Felder, auf denen er nicht mit Fundamentalopposition rechnen musste.
ist Redakteur im Auslandsressort der taz.
Eigentlich müsste Obama den Eklat um den Karrieregeneral als Chance nun nutzen, um seine Strategie für Afghanistan grundlegend zu überdenken. Doch fünf Monate vor den Kongresswahlen wird er den Teufel tun, diese Debatte neu zu eröffnen. McChrystal muss gehen, seine Lästereien werden haften bleiben. Die Glaubwürdigkeit ist dahin, der Krieg aber noch lange nicht vorbei.
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