Kommentar von ULRICH SCHULTE
Angela Merkel wollte bei der Vorstellung des Sparpakets der Regierung einen Eindruck vermeiden, der als Sankt-Florians-Prinzip bekannt ist: "Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an", so die Bitte an den Schutzpatron gegen Feuer und Dürre. Solches Suchen ihrer Zuhörer nach einer Schieflage suchte die Kanzlerin zu zerstreuen. Alle müssten ran, lautete ihre Botschaft, Wirtschaft ebenso wie BürgerInnen, keiner werde beim Sparen ausgenommen.
Das ist ein durchsichtiger Versuch, die BürgerInnen in ihrem Gerechtigkeitsempfinden zu beruhigen - und gleichzeitig ihre Leidensbereitschaft zu erhöhen. Vor allem aber ist die Behauptung falsch. Denn die Rechnung für die immense Staatsverschuldung, die auch aus der Bekämpfung von Finanz- und Wirtschaftskrise resultiert, zahlen nach den schwarz-gelben Plänen vor allem diejenigen, die ohnehin schon wenig haben.
Der Sozialetat schrumpft mit Abstand am stärksten, die Kürzungen bei Arbeitslosen und Wohngeldempfängern sind brutal und werden sich massiv auf das Leben vieler armer Menschen auswirken. Die Regierung erhöht den Druck auf Menschen ohne Arbeit und nimmt billigend in Kauf, dass mehr in Altersarmut rutschen. Das staatstragende Pathos, mit dem Merkel ihre Pläne der Öffentlichkeit verkauft, wirkt bei alldem zynisch.

Ulrich Schulte ist Leiter des Inlandsressorts bei der taz. Foto: anja weber
Ebenso zynisch ist Merkels widersinniges Versprechen, ausgerechnet ein Sparprogramm würde für Wachstum sorgen - viele Arbeitslose, denen Eingliederungsprogramme gestrichen werden, muss dies wie Hohn klingen.
Einerseits erklärt die Regierung einen höheren Spitzensteuersatz oder die Rücknahme ihres Steuergeschenks an Hoteliers für tabu. Andererseits verschweigt sie, dass mancher Punkt in der Sparliste als reine Luftbuchung enden könnte. Die Beteiligung der Banken an den Krisenkosten ist ab 2012 mit 2 Milliarden Euro eingeplant. Sie muss jedoch international abgesprochen werden - ob das klappt, steht in den Sternen.
Mag die Koalition ihren Etat für Bildung und Forschung eisern schützen, mag sie mit einer Abgabe auf den Luftverkehr und Aufschlägen für die Atomwirtschaft auch ein paar ökologisch sinnvolle Maßnahmen treffen - fest steht: Dieses Sparprogramm ist nicht ausgewogen, sondern es verschärft Ungleichheiten. Daher ist es richtig, dass Opposition und Gewerkschaften der Regierung mit Protest drohen. Er ist nötig.
Bei seinem Besuch in Israel hat Gauck die Merkel’sche Formel von der Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson vermieden. Realpolitisch war das unklug. von Rafael Seligmann
Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
10.06.2010 07:49 | vic
Kommenden Samstag, den 12.06. Demo in Berlin und Stuttgart: ...
08.06.2010 15:31 | Amos
So ein abgebrühter Haufen wie diese Regierung hat es seit der Weimarer Republik nicht mehr gegeben. Eine ...
08.06.2010 11:16 | franziska.qu
Wir erleben eine Fortsetzung der ungeheuren Entsolidarisierung und Spaltung dieser Gesellschaft. Die Mövenpick-Regierung fü ...