Kommentar von ANDREAS SPEIT
Die Führung der Bundeswehr ist in der rechten Szene nicht sehr angesehen. Den Einsatz in Afghanistan sehen NPD und Freie Kameradschaften wie auch die rechtskonservative "Junge Freiheit" nicht im Einklang mit deutschen Interessen.
Dennoch schickt es sich in der Szene, den Wehrdienst abzuleisten. Das Konzept des "Bürgers in Uniform" wird zwar unisono abgelehnt, moderatere Akteure betonen jedoch, man könne immerhin Führung, Disziplin und Ordnung lernen. Die radikaleren Herren empfehlen indes aus einem anderen Grund, zu dienen: Könne doch beim Bund ganz legal der Umgang mit Waffen und Sprengstoff gelernt werden. Der Habitus hyperventilierender Männlichkeit der Spezialeinheiten dürfte die rechten Kameraden zudem besonders anziehen.
Anlässlich des aktuellen Falls des Elitesoldaten Julien L. erklärt das Verteidigungsministerium, "solche Hinweise sehr ernst zu nehmen, und auch entschieden dagegen vorzugehen". Eine Reaktion als Ritual: In den vergangenen Jahren machten immer wieder hohe Offiziere wegen rechtslastiger Äußerungen, einfache Soldaten wegen rassistischen Gebarens Schlagzeilen. Erst wenn die Medien berichten, wird gehandelt. Die Toleranzgrenze scheint bei rechten Auffälligkeiten in der Kaserne und im Einsatz hoch zu sein. Das Abspielen von Rechtsrock etwa soll nicht immer gleich disziplinarische Folgen haben.
Die Vorfälle in der Bundeswehr sind aber auch Ausdruck einer Suche: einer Suche nach Traditionen für die Einheiten, der Identität für den einzelnen Soldaten. Mit veränderten Anforderungen, der Möglichkeit, im Einsatz zu sterben, dürfte eben auch eine Verschiebung der Mentalität einhergehen. Es entsteht ein Vakuum, in dem extrem rechte Traditionen wieder hoffähig werden.
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Leserkommentare
24.09.2009 07:11 | Philipp
Was erwartet ihr denn von einer Armee die mehrheitlich auf Menschen aus dem gemäßigten und rechten Spektrum ihre Soldaten b ...