Kommentar von ULRIKE HERRMANN

Ulrike Herrmann ist finanzpolitische Korrespondentin der taz. Foto: taz
Die weltweite Finanzkrise schaltet auf Autopilot: Sie ist nicht mehr zu stoppen und verschärft sich stets weiter. Zu den neuesten Entwicklungen gehört, dass in vielen Ländern die Löhne gesenkt werden. Jüngste Beispiele: Um 7 Prozent will Estland jetzt die Gehälter seiner Staatsangestellten kürzen. Irland hegt ähnliche Pläne, wogegen am Sonntag 120.000 Menschen protestierten. Auch in der Privatwirtschaft werden die Gehälter oft zusammengestrichen. Weltweit kommt eine Abwärtsspirale in Gang: Fallende Löhne bedeuten weniger Konsum bedeuten weniger Aufträge bedeuten weniger Steuern bedeuten weniger Löhne …
Gegen diesen Sog wirken die internationalen Bemühungen geradezu lächerlich, so ehrenwert sie sind. Zum Beispiel hat der Internationale Währungsfonds gefordert, dass die Regierungen 2 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in Konjunkturprogramme stecken sollen. Das ist ohnehin illusorisch - vor allem aber wird nun deutlich, dass es sämtlichen Konjunkturpaketen nicht gelingen wird, den Nachfrageausfall zu kompensieren, der durch die weltweit sinkenden Löhne und die Arbeitslosigkeit entsteht. Die Rezession dürfte sich zu einer großen Depression entwickeln.
Schon kursieren unter US-Volkswirten erste Rechnungen, wie lange es wohl braucht, eine Depression zu überwinden, wenn die Konjunkturpakete versagen. Die Antworten variieren. Die Optimisten gehen davon aus, dass es dann rund sechs Jahre dauern dürfte, bis sich eine Erholung andeutet. Sie verweisen auf eine historische Erfahrung: 1873 gab es schon einmal einen großen Wirtschaftseinbruch. Damals wussten die Regierungen nichts über die Steuerung einer Krise und ließen sie einfach laufen. 1879 ging es dann wieder bergauf. Die Pessimisten glauben, dass eine Erholung erst einsetzt, wenn alle Investitionsgüter verschlissen sind. Wenn kein Auto mehr fährt, keine Maschine mehr läuft - dann muss einfach wieder gekauft werden. Das kann aber noch 15 Jahre dauern. Vorerst jedenfalls verstärkt sich die Krise. Denn die Lohnkürzungen sind ein Anfang, nicht das Ende.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
24.02.2009 13:21 | Amos
Man kann es nicht oft genug wiederholen, dass der ...
24.02.2009 11:37 | Helmut Ruch
Die Geschichte wiederholt sich anscheinend doch! ...
23.02.2009 20:01 | Klaus
Lange Depression, gedeckelte Löhne, lascher Konsum, 15 Jahre sein Auto nutzen und das soll alles deprimierend sein? Das ist ...