Wir haben es im Aufschwung versäumt, unseren Lebensstil und unser Lebensgefühl an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts anzupassen. Nun werden wir es eben unter den Zwängen des Abschwungs schaffen müssen.von REINER METZGER
Die Autobauer legen, angeblich als Folge der Bankenkrise, ihre Bänder publikumswirksam für einige Wochen still. Die Verbraucher seien verunsichert, heißt es dazu, sie hielten sich jetzt erst einmal mit dem Kauf von Neuwagen zurück. Wie viel davon auf die Bankenkrise und wie viel auf andere Faktoren - etwa die mangelnde Strahlkraft ihrer aktuellen Modelle - zurückzuführen ist, das wissen wohl nur die Autokonzerne. Doch die genauen Gründe interessieren kaum noch. Alles fügt sich jetzt, ob zu Recht oder nicht, in das Bild und die Angst vor einer aufziehenden Wirtschaftskrise ein.
Niemand vermag mit Sicherheit abzusehen, ob es sich um eine veritable Krise oder nur um eine der zyklischen Dellen im Wirtschaftswachstum handelt. Gut sieht es jedenfalls nicht aus. Die Konsumenten liegen also nicht so falsch mit ihrer Zurückhaltung.
Wenn man nun den Kopf etwas hebt und versucht, das Gute im Schlechten zu finden - was bleibt? Vielleicht, dass der reiche Teil der Menschheit durch den Schock von seinem Konsumrausch geheilt wird? Unwahrscheinlich. Denn es handelt sich nicht um die schrittweise Heilung von einem problematischen Lebensstil, sondern um einen Zwangsentzug. Wir wechseln unvermittelt und ohne Einsicht vom Boom in die Rezession. Sobald die Droge Geld wieder in ausreichender Menge vorhanden ist, wird der Kaufrausch dann nachgeholt, in einem noch größeren Maße als zuvor. Das haben wir in der Vergangenheit oft genug erlebt.
Aus der Geschichte wissen wir auch, dass dieser plötzliche Entzug noch gefährliche Nebenwirkungen haben kann. Wer unzufrieden ist oder sich bedroht fühlt, wirft schnell die Vernunft über Bord. Bei der letzten großen Krise, dem Ölschock der 70er-Jahre, radikalisierten sich die Wähler: Der Trend ging in Richtung Margaret Thatcher und Ronald Reagan samt deren Deregulierungsideologie. In der Wirtschaftskrise boomt außerdem oft der Populismus, ob nun von links oder von rechts.
Wir haben es im Aufschwung versäumt, unseren Lebensstil und unser Lebensgefühl an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts anzupassen. Nun werden wir es eben unter den Zwängen des Abschwungs schaffen müssen. Aber man wächst ja mit seiner Aufgabe.
Bei seinem Besuch in Israel hat Gauck die Merkel’sche Formel von der Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson vermieden. Realpolitisch war das unklug. von Rafael Seligmann
Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
08.06.2009 18:12 | Walter Scheuermann
Folgende Situation stelle man sich vor: ...
08.10.2008 13:54 | Aldo
Spätestens seit Nietzsches Ausruf: "Gott ist tot" wissen wir in der westlichen Welt, dass eine allumfassende, sinngebende ...
08.10.2008 09:16 | Bleed Ranner
Welche Erfordernisse an den Lebensstil sollen das denn sein, Herr Metzger?