Der 4. November dürfte ein neues historisches Datum werden. Ein Datum der Freude über den ersten schwarzen Präsidenten. Und doch markiert er auch eine tiefe Spaltung des Landes.von BERND PICKERT
Barack Obama hat es geschafft. In den US-amerikanischen Innenstädten feiern die Menschen, wie man es nie zuvor an einem Wahlabend gesehen hat. Schwarze und weiße US-Amerikaner liegen sich in den Armen, Tränen fließen im ganzen Land. Nach Kennedy-Ermordung und 11. September 2001 ist der 4. November 2008 mal ein schöner Moment, von dem sich US-Amerikaner noch in vielen Jahren erzählen werden, wie und wo sie ihn verbracht haben.

BERND PICKERT, Amerika-Experte der taz, schrieb diesen Text im Cafe in Washington. Davor lagen sich die Menschen in den Armen, jubelten und weinten. Foto: taz
Dieser US-Wahltag bringt eine Geschichte auf ihren Höhepunkt, wie sie US-amerikanischer nicht sein könnte. Der erste Schwarze ganz oben: Mit viel Pathos und vielen US-Fahnen um sich herum übernimmt Barack Obama die Bürde des designierten Präsidenten.
In seiner Rede beschwört er, wie sehr dieser Tag jene widerlegt, die an der Größe und Stärke der USA und ihrer Demokratie gezweifelt hätten. Das allerdings, so müsste man ihm nüchtern entgegenhalten, ist die andere Hälfte des Landes. Die Republikanische.
Diese andere Hälfte hat nämlich mit John McCain auch die christlich fundamentalistisch geprägte Sarah Palin gewählt. Die Spaltung des Landes, das signalisiert dieses Ergebnis auch, geht tiefer, und sie geht weiter.
Barack Obama, der sich seit seiner Parteitagsrede 2004 – dem eigentlichen Start seiner Kandidatur – als großer Einiger des polarisierten Landes präsentiert hat, kann daran zunächst nicht viel ändern.
Zu hasserfüllt waren noch am Wahlnachmittag die Sendungen konservativer Radio-Talker, die mit einem Präsidenten Obama den sozialistischen Einheitsstaat über das Land hereinbrechen sahen. Zu rassistisch die Warnungen jener, die bis zum Schluss versucht haben, den Wählern und Wählerinnen Obamas Angst einzujagen. Und zu schwer die Aufgaben, die vor dem neuen Präsidenten stehen, um nicht an irgendeiner Stelle zu scheitern und seine politischen Gegner scheinbar zu bestätigen.
„Erwartungsmanagement“ hatte Bundeskanzerlin Angela Merkel vor der deutschenn EU- und G8-Präsidentschaft ihre wichtigste Aufgabe benannt – das wird jetzt auch dem designierten Präsidenten Barack Obama abgefordert werden. Obama hat eine historische Aufgabe übernommen, und er ist sich dessen bewusst.
Obama hat seinen gesamten Wahlkampf um die historische Ergriffenheit aufgebaut, die sein Aufstieg tatsächlich bei vielen Menschen auslöst. Für die Zukunft genügt das nicht.
Präsident Obama und die Abgeordneten seiner demokratischen Partei haben die schwere Aufgabe vor sich, so schnell wie möglich ganz pragmatisch zur Tagespolitik zurückzufinden – gerade um der einzigartigen Chance und der Ergriffenheit gerecht zu werden, die dieser Wahltag mit sich gebracht hat.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
05.11.2008 14:59 | Böser Onkel
Diese ganze Lobhudelei ist nicht zu ertragen. Die Linksliberalen tun so, als sei Jesus persönlich wiederaufserstanden (von ...