Kommentar von Gereon Asmuth
Ein Hinterbänkler einer derzeit wenig politikbestimmenden Oppositionspartei verlässt das Abgeordnetenhaus. Das wäre normalerweise allenfalls eine Meldung unter "Sonstiges" wert. Bei Volker Ratzmann liegt die Sache anders. Er hat jahrelang als Fraktionschef das Bild der Berliner Grünen geprägt. So stellen sich gleich zwei Fragen: Was wird nun aus ihm selbst? Vor allem aber: Was bedeutet der Abgang für seine Partei?
Für Ratzmann ist der Abgang nur konsequent. Er hat hoch gepokert, um seine Partei endlich einmal auch in Berlin in Regierungsverantwortung zu bringen. Er hat mit dem Versuch, die Grünen für alle möglichen politischen Konstellationen offenzuhalten, vollkommen überreizt. Diesen Makel - und vor allem seine parteiinternen Kritiker - wäre er in der Berliner Landespolitik nicht mehr losgeworden. Aber Ratzmann ist kein Typ für die zweite Reihe. Daher darf man getrost davon ausgehen: Sein Wechsel ins Ländle bedeutet für ihn nicht den endgültigen Ausstieg aus der Parlamentspolitik. Er wählt allenfalls einen Umweg nach oben.
Viel schwieriger wird es für seine Fraktion im Abgeordnetenhaus. Die müht sich gerade um eine sachorientierte Oppositionspolitik. Das ist schön und gut. Politik braucht aber auch Köpfe, die sie nach außen verkaufen können. An denen man sich reiben kann. Als externer Wähler. Oder auch als interner Kritiker eines aufmüpfigen Parteiflügels. Aber solche Köpfe sind rar gesät. Es mag sein, dass sich in den kommenden Jahren noch ein Ratzmann-Ersatzmann profiliert. Absehbar ist das derzeit nicht.
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